Beweislage reicht nicht aus Gericht kann Delmenhorster in zwei Raubfällen nicht überführen

Die Beweislage gegen einen Delmenhorster, der wegen zwei Rauben angeklagt war, reichte nicht für eine Verurteilung aus. Symbolfoto: dpaDie Beweislage gegen einen Delmenhorster, der wegen zwei Rauben angeklagt war, reichte nicht für eine Verurteilung aus. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Vor dem Amtsgericht Delmenhorst musste sich ein 34 Jahre alter Mann verantworten, der an zwei Rauben beteiligt gewesen sein soll. Seine Mittäterschaft konnte in dem Prozess allerdings nicht bewiesen werden.

War der Angeklagte an zwei Raubfällen in Delmenhorst beteiligt oder kann man seiner Aussage, in der er die Taten bestritt, glauben? Diese angesichts der Beweislage schwere Frage hatte am Mittwoch das Schöffengericht in Delmenhorst zu beantworten. Der angeklagte 34 Jahre alte Delmenhorster soll in beiden Fällen Mittäter gewesen sein – dass dies aber schwer zu beweisen war, wurde bereits zu Beginn des Prozesses vor dem Amtsgericht deutlich. (Lesen Sie hier: Delmenhorster Drogendealer kommt mit Bewährung davon.)

Angebliche Mittäterin verweigert Aussage

Zunächst ging es um einen Raubüberfall, der sich im Dezember 2017 in Delmenhorst abgespielt hat. Der Angeklagte soll zusammen mit einer für die Tat bereits verurteilten Frau einen 81-Jährigen in einem Mehrfamilienhaus gewaltsam überfallen haben. Während der Angeklagte den Mann festgehalten haben soll, durchsuchte die Frau die Wohnung nach Bargeld. Der Geschädigte, der die vermummten Täter nicht erkennen konnte, hatte allerdings nur 20 Euro in seiner Hosentasche. Mit dieser Beute verließen die Täter das Haus wieder.

In ihrem eigenen Verfahren vor dem Landgericht Oldenburg gab die Täterin noch an, dass der Angeklagte ihr geholfen habe. Vor dem Amtsgericht aber verweigerte sie nun die Aussage – um sich aufgrund einer möglichen falschen Verdächtigung nicht selbst zu belasten. Damit war der laut der Richterin "einzige Grund für die Anklage" hinfällig. (Lesen Sie hier: Delmenhorster wegen Vergewaltigung zu Gefängnis verurteilt.)

Räuber heben Geld vom Konto des Geschädigten ab

Ähnlich verlief der Prozess in der Verhandlung des zweiten Falls: Hier soll der Angeklagte gemeinsam mit einem Bekannten im Dezember 2016 in einem Delmenhorster Supermarkt das Portemonnaie aus der Jacke eines Mitarbeiters geklaut haben. Dies war dem Geschädigten allerdings erst später aufgefallen, die Täter hat er laut eigener Aussage nicht gesehen. Diese hatten in der Zwischenzeit mit der EC-Karte des Mannes bereits 500 Euro von der Bank abgehoben – möglich war ihnen das, weil der Supermarktmitarbeiter seine PIN im Geldbeutel hinterlegt hatte: "So blöd ist man auch nur einmal im Leben", sagte der Geschädigte vor Gericht.

Videoaufnahmen sind nicht eindeutig

Zwar gab es von den beiden Tätern sowohl aus dem Supermarkt, als auch aus der Bank Videoaufnahmen – aufgrund ihrer Vermummung waren beide aber nicht eindeutig zu erkennen. Nach Begutachtung der Bilder sagte die Richterin: "Ich kann weder sicher sagen, dass der Angeklagte es ist, noch, dass er es nicht ist." Auch der angebliche Mittäter konnte auf den Aufnahmen nicht eindeutig erkannt werden. (Lesen Sie hier: Erwachsener verkaufte Marihuana an Minderjährige.)

Zeuge erkennt Angeklagten nicht

Auf den Angeklagten fiel der Verdacht aufgrund der Aussage eines Zeugen, der zum Tatzeitpunkt in der Bank war. Bei der Polizei hatte er ausgesagt, in der Bank einen Bekannten mit dem Vornamen des Angeklagten gesehen zu haben. Als er den Angeklagten aber nun vor Gericht sah, sagte der Zeuge: "Das war nicht der, den ich meinte. Den habe ich noch nie gesehen." Damit war auch das letzte Indiz für die Täterschaft des Angeklagten vom Tisch.

Gericht spricht Angeklagten frei

Am Ende des Prozesses waren sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Schöffengericht daher einig: Aufgrund der nicht ausreichenden Beweislage ist der Angeklagte freizusprechen. "Mein Mandant konnte nicht nur nicht überführt werden, er war es einfach nicht", betonte der Verteidiger.


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