Geständnis abgelegt Delmenhorster Drogendealer kommt mit Bewährung davon

Von Ole Rosenbohm

In Delmenhorst ist ein Drogendealer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, Symbolfoto: dpaIn Delmenhorst ist ein Drogendealer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Ein Delmenhorster Drogendealer ist am Donnerstag nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Mildes Urteil für einen 25 Jahre alten Drogendealer durch das Schöffengericht im Amtsgericht Delmenhorst: Weil der Delmenhorster gestanden hatte, in 52 Fällen Marihuana verkauft zu haben, davon 25 Mal an unter 18-Jährige, und weil er auch die Namen seiner eigenen Verkäufer preisgab, zog der Richter den zu Drogendelikten passenden Kronzeugenparagrafen heran und verurteilte den Mann am Donnerstag zu einer Bewährungsstrafe.

Ein Jahr und elf Monate zur Bewährung

Dabei geht es um eine Strafe von einem Jahr und elf Monaten wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels und wegen Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige. Zusätzlich muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Darüber hinaus wurde er dazu verurteilt, knapp über 1000 Euro Einnahmen aus seinen größtenteils Ein-Gramm-Verkäufen an die Staatskasse zu zahlen.

Verkauf an Minderjährige

Vor allem wegen der 25 Verkäufe an zur Tatzeit 16- und 17-Jährige (Strafrahmen zwei bis 15 Jahre) stand der Angeklagte mit einem Bein im Gefängnis. Denn Bewährung kann es nur bei Strafen bis zu zwei Jahren Haft geben. Aber der Angeklagte habe in seiner Einlassung nichts beschönigt, nicht „rumgeeiert“ und – ganz wichtig – „Aufklärungshilfe“ geleistet, indem er die Namen seiner Dealer verriet, sagte der Richter.

Richter kommt Angeklagtem entgegen

Wenn jemand so etwas tue, müsse sich das auch im Urteil niederschlagen. Berücksichtigt werden müsse zudem, dass der Angeklagte nicht vorbestraft sei, der Tatzeitraum schon etwa drei Jahre zurückliege, viele der Verkäufe ohne sein Geständnis kaum zu beweisen gewesen wären und er ausschließlich die „weiche Droge“ Marihuana verkauft habe. Einige Kokain-Ankäufe für den Eigengebrauch waren ebenfalls angeklagt, fielen aber nicht ins Gewicht, so der Richter.

Auf umfangreiche Beweisaufnahme verzichtet

Wegen des Geständnisses und seiner Aussagen, die er im Beisein seines Anwalts bereits bei der Polizei gemacht hatte, verzichtete das Gericht auf eine umfangreiche Beweisaufnahme. Lediglich zwei Polizisten traten als Zeugen auf. Sie konnten unter anderem bestätigen, dass es sich beim Angeklagten um keinen Großdealer handelte. Mit dem verkauften Gras habe der 25-Jährige monatlich wohl gerade mal einen dreistelligen Euro-Betrag als Gewinn erwirtschaftet, hieß es.

Hohes Risiko eingegangen

Mit seinen Aussagen sei der Angeklagte ein hohes Risiko eingegangen, auch wenn es noch keine Reaktionen aus der Szene gegeben habe. „Sollten Sie Stress kriegen“, sagte ihm der Richter am Ende der Verhandlung, „wenden Sie sich an mich. Ich versuche, das abzustellen“.


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