Mitstreiter gesucht Delmenhorster Kinderschutzbund will Kinderarmut bekämpfen

Wollen sich beim Thema Kinderarmut engagieren (v.li.): Denis Kurku (SPD), Jörg Bernhardt (KSB), Inge Böttcher (SPD), Helga Kattinger (KSB), Elke Schaffarzyk (KSB) und Susanne Mittag (SPD). Foto: Marco JuliusWollen sich beim Thema Kinderarmut engagieren (v.li.): Denis Kurku (SPD), Jörg Bernhardt (KSB), Inge Böttcher (SPD), Helga Kattinger (KSB), Elke Schaffarzyk (KSB) und Susanne Mittag (SPD). Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Beim Thema Kinderarmut, der finanziellen und emotionalen, lassen Jörg Bernhardt und sein Team vom hiesigen Kinderschutzbund (KSB) nicht locker.

Seit Jahren schon legt der Vorsitzende des KSB immer wieder die Finger in die Wunde und fordert ein gezieltes Vorgehen gegen Kinderarmut vor Ort. „Das Thema treibt uns einfach um, weil wir tagtäglich Beispiele dafür erleben, was Kinderarmut konkret bedeutet“, sagt er. In Delmenhorst lebt jedes dritte Kind in einem Hartz-IV-Haushalt. „Kinderarmut hängt aber nicht nur an Geld“, betont Bernhardt.

SPD-Trio zum Austausch geladen

Am Mittwoch haben sich die Verantwortlichen vom KSB mit drei SPD-Politikern ausgetauscht: mit der Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag, mit dem Landtagsabgeordneten Deniz Kurku und mit der Ratsfrau Inge Böttcher. Immer im Blick die Frage: Wie können mehr Menschen dazu bewegt werden, sich zu engagieren?

„Die Auswirkungen der emotionalen Kinderarmut werden oft unterschätzt“, sagt Mittag. „Die ist allein mit Geld nicht zu heilen, hier geht es um Anteilnahme. Das Thema ist oft schwer zu fassen.“ Anteilnahme ist dabei genau das Stichwort, das auch der KSB immer wieder ins Spiel beringt. „Es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem. Da ist etwas aus den Fugen geraten“, befindet Bernhardt. Einen Eindruck, den auch KSB-Schriftführerin Elke Schaffarzyk teilt: „Zuwendung fehlt, Eltern haben das Bauchgefühl dafür verloren, was ihren Kinder gut tut. Es mangelt an Kommunikation, am Miteinander.“

Kurku erkennt in der Kinderarmut ein „extrem vielschichtiges Problem“. Schuldzuweisungen seien da nicht angebracht. „Emotionale Kinderarmut kann nicht allein die Politik beheben, nicht allein die Schule, nicht allein das Elternhaus.“ Die „große Politik“ sei aktuell dabei, den Familien mehr Geld an die Hand zu geben, ein Stichwort sei Kindergrundsicherung, allein mehr Geld aber helfe am Ende nicht.

Breites gesellschaftliches Engagement  gewünscht

Bernhardt ist da ganz bei dem Landtagsabgeordneten. Er wünscht sich ein breites gesellschaftliches Engagement in Delmenhorst und will auch die Menschen ansprechen, die sich nicht an Organisationen oder Vereine binden, trotzdem aber ehrenamtlich helfen wollen. Und er wünscht sich, dass auch Kinder und Jugendliche befragt und gehört werden. „Was braucht ihr? Was ist euch wichtig? Wir würden staunen, was dabei alles herauskommt“, ist er sich sicher. Für Ratsfrau Böttcher ist auch die Nachbarschaft gefragt,

„Wir wollen einen Pool schaffen, Menschen einen Raum geben, die sich treffen wollen, um zu helfen“, sagt auch die stellvertretende Vorsitzende des KSB, Helga Kattinger.

Mittag und Kurku verweisen darauf, dass Delmenhorst ein gutes soziales Netz habe, ein Netz, in dem sich viele ehren- und hauptamtlich für das Wohl von Kindern einbringen. Genau darin läge die Chance. „Die Vernetzung ist wichtig“, betont Mittag. „Aber wir müssen in Delmenhorst nicht bei Null anfangen. Es passiert hier schon sehr viel.“

Bernhardt sieht das ähnlich. Wichtig ist ihm aber, das Thema möglichst breit in die Öffentlichkeit zu bekommen. „Wir bohren dicke Bretter. Aber wir bohren. Und wir bohren weiter“, sagt er. Mut und Durchhaltevermögen seien gefordert. Die drei Vertreter der SPD wollen ihn beim Bohren unterstützen.

Kinderhilfsfonds auf Spenden angewiesen

Bernhardt weist zudem noch einmal auf den vom KSB eingerichteten Kinderhilfsfonds. Seit zwei Jahren läuft das Projekt. Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit pädagogischem Fachpersonal Kinder zu unterstützen, die aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten der Eltern benachteiligt sind. Bis zu 50 Euro, in begründeten Einzelfällen auch mehr, kann es nach Antrag aus dem Fonds geben. „Ganz unbürokratisch“, sagt Bernhardt. Er berichtet von Kindern, die im Winter mit Turnschuhen zur Schule gehen, die nur noch notdürftig von Tape zusammengehalten werden, weil kein Geld für neues Schuhwerk da ist. „Hier springen wir ein. Es seien oft kleine Dinge, die Kindern helfen, das Gefühl zu bekommen, dazuzugehören. „Die Nachfrage ist mittlerweile groß, auch dank engagierter Schulsozialarbeiter, die ein Auge auf die Kinder haben“, sagt der KSB-Vorsitzende. Die Nachfrage ist sogar so groß, dass der Spendentopf beim KSB langsam ausgeschöpft ist. „Wir sind auf neue Spenden angewiesen“, sagt Bernhardt.


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