Chatverlauf entlarvt Angeklagten Delmenhorster wegen Vergewaltigung zu Gefängnis verurteilt

Von Ole Rosenbohm

Foto: Peter Steffen(dpaFoto: Peter Steffen(dpa

Delmenhorst. Ein 25-Jähriger aus Delmenhorst ist wegen Vergewaltigung an der Ex-Freundin zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

. Die kleine Chance auf eine Bewährungsstrafe hat der 25-jährige Angeklagte vor dem Amtsgericht Delmenhorst ungenutzt gelassen: Denn die angeklagte Vergewaltigung seiner Ex-Lebensgefährtin bestritt der Delmenhorster bis zum Schluss und ersparte der als Nebenklägerin aufgetretenen Frau damit nicht die Aussage als Zeugin, führte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung aus. Die Strafe: zwei Jahre und acht Monate Haft. Sein Verteidiger hatte Freispruch beantragt.

Der Angeklagte und die Nebenklägerin lernten sich in der Berufsschule kennen, führten schnell eine Beziehung. Einer, an der er litt, führte er aus. Mehrfach habe sie Schluss gemacht, sei aber immer wieder zu ihm zurückgekehrt. Er sei in Depressionen verfallen, habe Selbsttötungsgedanken gehegt.

Auch in der Tatnacht kam sie, suchte – offenbar betrunken und aufgebracht wegen eines Streits auf einer Party – Trost. Er habe sie auf ihren Wunsch massiert, sagte er. Danach soll es zur Vergewaltigung gekommen sein. Laut Anklage sei sie dabei völlig erstarrt gewesen.

Noch in seinem Schlusswort bestritt der 25-Jährige den Vorwurf, warf ihr dagegen vor, ihn immer ausgenutzt zu haben. Er gab lediglich zu, sie kurz und unabsichtlich an der Brust berührt zu haben.

Vielsagender Chatverlauf

Aussage gegen Aussage und sonst keine weiteren Beweise? Nein. Der Chatverlauf zwischen beiden am Tag darauf lässt mehr auf einen schweren sexuellen Missbrauch schließen als auf ein unabsichtliches Brust-Berühren. „Es tut mir so unendlich doll leid“, schrieb er in einer der vielen mit Ausrufezeichen gespickten Nachrichten, die der Richter verlas. Und weiter: „Wenn du nicht mehr mit mir zu tun haben willst, ist das in Ordnung“, „ich hätte dich schlafen lassen sollen, vielleicht hätten wir morgen Sex gehabt“, „es war scheiße von mir, ich wäre am liebsten gegen den nächsten Baum gefahren“. Und so weiter. Sie schrieb: „Ich verstehe nicht, wie du das so krass ausnutzen konntest“.

Dieser Chat passe eindeutig zur Schilderung der Nebenklägerin, sagte der Richter. Auch ihre nichtöffentliche Aussage sei stimmig und plausibel. Es gäbe auch kein Motiv für eine so gravierende Falsch-Beschuldigung.

Mit 32 Monaten Haft – wie gefordert von Staatsanwaltschaft und Nebenklage – blieb das Gericht im unteren Bereich des Strafrahmens von zwei bis 15 Jahren. Der Angeklagte ist nicht vorbestraft, er habe auch kein wesentliches Maß an Gewalt angewandt, so der Richter. Seine Chance auf Bewährung, auf eine „Punktlandung“, die bei zwei Jahren Haft möglich gewesen wäre, hätte er aber mit der Leugnung der Tat und der damit notwendigen Aussage des Opfers vergeben.


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