Amtsgericht Delmenhorst Erwachsener verkaufte Marihuana an 13- und 14-Jährigen

Von Ole Rosenbohm

Das junge Alter der Käufer wirkte sich für den Dealer strafverschärfend aus. Symbolfoto: dpaDas junge Alter der Käufer wirkte sich für den Dealer strafverschärfend aus. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Weil er Marihuana an Jugendliche verkauft hat, hat das Amtsgericht Delmenhorst nun einen 23-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Marihuana ist bekanntlich verboten, aber: Für den Besitz von fünf Gramm gibt es nur in seltenen Fällen eine Anklage. Der nachgewiesene Verkauf einer solchen Menge hätte in der Regel höchstens eine Geldstrafe zur Folge. Im Fall eines heute 23-jährigen Delmenhorsters aber lag die Sachlage anders: Er hatte nach Überzeugung des Amtsgerichtes fünfmal jeweils ein Gramm der Weichdroge an einen damals 13- und einen 14-Jährigen abgegeben. Wegen der Weitergabe an Minderjährige wurde aus einem (strafbaren) Vergehen ein Verbrechen, weswegen das Amtsgericht Delmenhorst den 23-Jährigen jetzt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilte. Zusätzlich muss er 1200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung überweisen.

Vier Gramm für den 14-Jährigen

Das Gericht in Delmenhorst führte eine vollständige Beweisaufnahme durch, auch die beiden Abnehmer sagten vor dem Berufsrichter und den beiden Schöffen aus. Im Anschluss war das Gericht trotz eines fehlenden Geständnisses des Angeklagten überzeugt: Der Mann hat den beiden Jugendlichen das „Gras“ zwischen Oktober 2017 und März 2018 verkauft, insgesamt vier Gramm an den 14-Jährigen, ein Gramm an den 13-Jährigen.

Rauchen im "rechtsfreien Raum"

Abgespielt hatte sich das Ganze offenbar in der Wohnung des Angeklagten, in der sich nach Überzeugung des Gerichts des öfteren eine ganze Menge Jugendliche und Erwachsene aufhielten und dort Marihuana rauchten, ein in ihren Kreisen bekannter Treffpunkt. Die Rede im Urteil ist von einem „rechtsfreiem Raum“ mit reichlich Gelegenheit zum Konsumieren.

Gericht sieht positive Sozialprognose

Das sehr junge Alter der beiden Käufer wirkte sich im Verfahren deutlich strafverschärfend aus. Es nützte dem Angeklagten auch nicht, dass er noch nie wegen Drogendelikten aufgefallen war und auch sonst strafrechtlich nur wegen eher geringer Vergehen belangt worden war. Die Frage nach einer positiven Sozialprognose beantwortete das Gericht auch wegen einer Berufstätigkeit des 23-Jährigen allerdings positiv, womit ihm das Gefängnis erspart bleibt.

Kein minder schwerer Fall

Verbrechenstatbestände sind Vergehen, die mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht sind. Genau so hoch ist die Strafandrohung bei der Weitergabe von Drogen gleich welcher Menge oder Art durch Erwachsene ab 21 Jahren an Minderjährige. Einen die Strafe reduzierenden minder schweren Fall sah das Gericht nicht. Das sehr junge Alter der beiden Käufer wirkte sich im Falle des 23-Jährigen vor dem Schöffengericht dagegen deutlich strafverschärfend aus.


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