Realschule Lilienstraße Schüler bauen Webseite für Stolpersteine in Delmenhorst

Jean-Pierre Tas, Lehrer Michael Ginsky (Lehrer) und Anastasia Gretchyn präsentieren den Internetauftritt.Jean-Pierre Tas, Lehrer Michael Ginsky (Lehrer) und Anastasia Gretchyn präsentieren den Internetauftritt.
Niklas Golitschek

Delmenhorst. Die Stolpersteine in Delmenhorst kommen ins Internet. Eine Gruppe Zehntklässler der Realschule an der Lilienstraße hat eine Homepage erstellt, um auch digital an die Schicksale der jüdischen Mitbürger in Delmenhorst zu erinnern.

Ein Name. Ein Stein. Ein Mensch. Eine Geschichte. Mit diesen Schlagworten haben Schüler der Realschule Delmenhorst in der Lilienstraße ihr Informatik-Projekt versehen, um Stolpersteine in der Stadt online zu dokumentieren. Am Montag haben zwei Zehntklässler des Kurses von Lehrer Michael Ginsky die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

37 Stolpersteine sind an elf Standorten in Delmenhorst in den Fußweg eingelassen. Sie erinnern an die jüdischen Mitbürger, die einst in den anliegenden Häusern gewohnt haben und in der Zeit des Nazi-Regimes in Deutschland deportiert worden sind. Neben den Namen stehen auf den Messingplatten in der Regel auch das Geburts-, Deportationsjahr sowie der Todesort. Seit 1992 treiben der Künstler Gunter Demnig und Unterstützer das Projekt voran.

Karte mit Standorten und Details

Für die 37 Stolpersteine haben sieben Zehntklässler im Informatik-Unterricht nun einen eigenen Internetauftritt erstellt. Auf einer Karte sind alle Standorte mit Fotos und Informationen zu den Menschen eingetragen, die auf den Stolpersteinen vermerkt sind; ergänzt um Details entnommen von der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Angereichert ist die Homepage auch mit Informationen rund um das Stolperstein-Projekt.



„Es ist interessant gewesen“, sagte Schüler Jean-Pierre Tas über das das Online-Projekt. Erst kürzlich sei er in Groningen gewesen und habe auch dort ebenfalls Stolpersteine entdeckt. Damit wurde auch der schulische Aspekt erfüllt, wie Michael Ahrens, stellvertretender Schulleiter sagte: „Für die Schüler ist das Kapitel Urzeiten her.“ Für die Lehrkräfte gehe es auch darum, den Jugendlichen das Thema näherzubringen. Das ist damit offenbar gelungen. „Wir haben darüber auch oft im Unterricht gesprochen“, ergänzte Schülerin Anastasia Gretchyn. Zum Tag des Grundgesetzes sei etwa ein Zeitzeuge an der Schule gewesen und habe aus seinen Erinnerungen berichtet. „Das bewegt echt.“

Wir vergessen nicht, wir verstecken uns nicht.Norbert Boese


Unterstützt wurde das Projekt für die Online-Stolpersteine auch vom Freundes- und Förderkreis der Jüdischen Gemeinde, der als Dank 150 Euro spendete, sowie der Jüdischen Gemeinde selbst. Von einem wichtigen Signal sprach Norbert Boese, Vorsitzender des Freundes- und Förderkreises der Jüdischen Gemeinde: „Wir vergessen nicht, wir verstecken uns nicht“, betonte er. Dabei verwies er auch darauf, dass jedes Jahr am 9. November, dem Tag der Novemberpogrome von 1938, Schüler der Realschule die Stolpersteine polieren und weiße Rosen niederlegen. Auch die Stadt sowie die jüdische Gemeinde hätten zugesagt, die Homepage zu bewerben.

Lob für den Einsatz gab es auch von Pedro Benjamin Becerra, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde. „Es zeigt, wie sensibel die Stadt und die Schule für das Thema sind“, sagte er. Mit der Homepage sei es möglich, auch international auf die Stolpersteine und die Schicksale der früheren jüdischen Mitbürger in Delmenhorst aufmerksam zu machen. „Die jüdische Gemeinschaft in Delmenhorst ist international“, betonte Becerra dabei. In einem nächsten Schritt soll die Homepage deshalb auch auf Englisch übersetzt werden.

Kritik an Stolpersteinen

Kritik übte der Gemeinde-Vorsitzende allerdings an den Stolpersteinen selbst: „Sie gehören in die Wand und nicht vor die Häuser.“ Denn eigentlich gehöre es sich nicht, über Namen zu laufen. Noch heute gebe es etwa in Polen Straßen, die mit den Grabsteinen jüdischer Verstorbener gebaut worden seien. Viele Hauseigentümer wollten sich jedoch nicht mit dem Thema beschäftigen, weshalb eine Anbringung der Gedenktafeln an den Hauswänden nicht möglich sei.


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