Das bot die Premiere von "De Schüün" Skurrile Charaktere punkten beim Delmenhorster Publikum

Von Jasmin Johannsen

Der Astronaut (Marlo Vette, 1. v. re.) landet nicht wie geplant in der russischen Steppe, sondern in einer Scheune voller außergewöhnlicher Figuren. In der Folge entflechtet sich eine rasante Komödie. Foto: Jasmin JohannsenDer Astronaut (Marlo Vette, 1. v. re.) landet nicht wie geplant in der russischen Steppe, sondern in einer Scheune voller außergewöhnlicher Figuren. In der Folge entflechtet sich eine rasante Komödie. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Mit „De Schüün“ konnten die NTD "Jungs und Deerns" am Freitag eine gelungene Premiere feiern. Über die kauzigen Figuren, die in einer Scheune Zuflucht finden, amüsierte sich das Publikum bestens.

Ein Astronaut, ein Popstar und ein Mafiaboss – auf den ersten Blick müssten diese drei „Berufsgruppen“ Welten trennen. Allerdings nicht bei der Jugendgruppe des Niederdeutschen Theater Delmenhorst (NTD). In dem Stück „De Schüün“ treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander und zwar – titelgebend – in einer Scheune. Mit der schwungvollen Boulevardkomödie feierten die „Jungs un Deerns“ des NTD am Freitagabend vor ausverkauften Reihen in der Werkstatt des Vereinshauses eine gelungene Uraufführung.

Autorenehepaar Brünjes steht hinter rasanter Komödie

Für den Premierenabend hatte das Theater eine ganze Show „op Platt“ vorbereitet: Neben der Aufführung der NTD-Jugend wurde den Zuschauerinnen und Zuschauer eine unterhaltsame Lesung und die Vorschau auf die kommende Theatersaison der „großen“ Laienschauspieler geboten. Und so musste sich das Publikum erst einmal in Geduld üben. Der knapp 70-minütige Hauptakt – „De Schüün“ – war nämlich erst nach der Pause zu sehen. Das Warten lohnte sich allerdings durchaus: Das Autoren-Ehepaar Martina und Timo Brünjes hatte sich für die NTD-Jugend eine rasante Komödie ausgedacht.

Verquere Charaktere

Gekonnt wurden die Zuschauerinnen und Zuschauer von den Nachwuchsschauspielern in eine Scheune ins norddeutsche Tiefland entführt. Eben hier irgendwo im Nirgendwo soll ein Talentwettbewerb stattfinden. Und wie es bei Großveranstaltungen manchmal kommt, ist natürlich kein Hotelzimmer mehr frei. Noch nicht einmal für Jurymitglied und Superstar Kohlenstoffia Diamond (Jule Petershagen). Während ihre Bediensteten (Tessa Frobenius und Isabel Radtke) verzweifelt versuchen, die herrschsüchtige Sängerin doch noch fernab vom Stroh unterzubringen, finden sich allerlei verquere Gestalten in der Scheune ein. Da gibt es Pantomimen (Emily Großkopf und Laura Himpler), Transvestiten (René Deeken, Sören Kanert und Till Dobe) und Cosplayer (Leonie Dähnhardt, Samir Faqueri und Charlotte Rademacher) – allesamt wollen sie am Wettbewerb teilnehmen. Als dann auch noch der Diamond-Fanclub (Stephanie Janoschka, Mia-Hanne Wielewicki und Godje Wöhler) eintrifft, der unbarmherzige Mafiaboss DaCapo (Joost Wöhler) seine Schergen (Vanessa Pesheva, Torge Stolle, Malin Dreher) anweist, ein ominöses Paket unter dem Stroh zu verstecken und ein Liebespaar (Nina Grieger und Alessio Biondi) fieberhaft nach einem Ort für ein Stelldichein sucht, ist das Chaos perfekt.

Verwechslungen, Wortwitz, Applaus

Ganz zum Vergnügen des Publikums kam es zu mehr als einer Verwechslung. Die mit viel Wortwitz gespickten Dialoge setzten die jungen Darsteller unter der Regie von Martina Brünjes und Markus Flügger perfekt in Szene. Zum echten Zuschauerliebling mauserte sich derweil Marlo Vette, der als trockenhumoriger Astronaut und Paketbote immer wieder für Verwirrungen sorgte. Ein kurzweiliges Stück, das das Publikum mit einem verdient lang anhaltenden Applaus quittierte.

Ähnliche Begeisterung schwappte auch schon in der ersten Hälfte der Vorstellung durch die Zuschauerreihen: Da stellte das Autorenpaar Brünjes bei einer Lesung die literarischen Ergüsse ihrer „Geschichtenschmiede Bürstel“ vor und gab humorige Einblicke in das mitunter turbulente Eheleben auf dem Land. Das Publikum konnte über die Kurzgeschichten aus ihrem Buch „Schatz ik will nich in Urlaub or Worum Deko slecht is för de Ehe“ jedenfalls herzhaft lachen.

Zur Sache

Vorschau auf weitere Stücke
Lust auf mehr „Theoter op Platt“ machte am Freitag die Saisonvorschau des NTD mit kleinen Kostproben: Die Musikrevue „Ein Festival der Liebe“ feiert diesen Oktober Uraufführung in Delmenhorst, während das Lustspiel „Keen Utkamen mit’t Inkamen“ ab Januar und die Komödie „Allens för Mama“ ab März 2020 im Kleinen Haus zu sehen ist. joh




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