Geldhaus zieht Bilanz Gute Entwicklung, aber kein Übermut bei Delmenhorster Volksbank

Der Vorstand der Volksbank Delmenhorst-Schierbrok bei der Vertreterversammlung im Hotel Backenköhler: Wolfgang Etrich und Martin Versemann mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Ralf Guttmann (v.l.). Foto: Melanie HohmannDer Vorstand der Volksbank Delmenhorst-Schierbrok bei der Vertreterversammlung im Hotel Backenköhler: Wolfgang Etrich und Martin Versemann mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Ralf Guttmann (v.l.). Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Eine höhere Bilanzsumme, mehr Gewinn und erneut mehr Mitglieder. Die Welt der Volksbank Delmenhorst-Schierbrok sieht eigentlich gut aus. Für die Zukunft gibt sich der Vorstand sich jedoch weniger erwartungsfroh.

Der Vorstand ist zufrieden – und am Donnerstagabend einstimmig von der Vertreterversammlung entlastet worden. Wolfgang Etrich und Martin Versemann blicken nach eigenen Angaben auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr 2018 für die Volksbank Delmenhorst Schierbrok zurück.

Die Bilanzsumme wurde um acht Prozent auf 392 Millionen Euro gesteigert, Versemann zufolge im Vergleich mit anderen Banken ein überdurchschnittliches Wachstum. Das sei vor allem auf die um 8,3 Prozent auf 304 Millionen Euro gestiegenen Kundenkredite sowie die um 8,3 Prozent auf 278 Millionen Euro gestiegenen Kundeneinlagen zurückzuführen. Übrig blieb dabei ein Bilanzgewinn von mehr als 600.000 Euro – ein Plus von 1,1 Prozent. Dabei seien auch 1,3 Millionen Euro Steuern an den Fiskus abgeführt worden.

 Kredite und Immobiliengeschäft sind Treiber in den Zahlen

Vor allem im Kreditgeschäft habe die Volksbank Marktanteile gewonnen, führte Etrich aus. Unternehmen mit Investitionsbedarf kämen verstärkt auf sein Haus zu. „Wir werden als Partner wahrgenommen“, schlussfolgerte er. Ein anderes wichtiges Standbein sei die Baufinanzierung von Immobilien, in der die Bank ohne große Sonderangebote, Werbe- oder Rabattaktionen einen Zuwachs verzeichne. „Wir haben eine extrem hohe Weiterempfehlungsquote“, sagte Etrich. Bei den drei Beratern gebe es inzwischen Wartelisten, weil diese drei Wochen im Voraus komplett gefüllte Terminkalander hätten. Daran arbeite die Bank jedoch, Etrich versprach: „Das kriegen wir in den Griff.“

Mitgliederzahl wächst konstant

Bestätigt in ihren positiven Ergebnissen sahen sich die beiden Vorstände auch am anhaltenden Mitgliederzuwachs. Jedes Jahr gewinne die Volksbank im Schnitt rund 200 Kunden mehr als sie verliere, mehr als 16.200 sind es mittlerweile. Für die sollen die eigenen Angebote und Dienstleistungen in Zukunft besser werden, weshalb die Bank um das Wochenende des 17. August ein neues Bankverfahren einführt. Ab September sollen damit dann beispielsweise kostenfreie Echtzeitüberweisungen möglich sein.

Fokus auf Digitalisierung

Ohnehin spielt das Thema Digitalisierung eine wichtige Rolle. Von 10,9 Millionen Kontakten mit der Volksbank wurden 9,5 Millionen über Handy oder Computer getätigt. Gleichzeitig habe es noch rund 11.000 persönliche Beratungsgespräche gegeben. Entsprechend habe auch die Filiale vor Ort noch ihre Existenzberechtigung, meinte Martin Versemann: „Wir wollen noch passenden Lösungen für die Kunden suchen.“

Als Genossenschaft sei auch die Förderung der Mitglieder und der Region weiterhin ein zentrales Anliegen. „Das ist alles kein Selbstzweck“, bekräftigte Wolfgang Etrich. Eine gewisse Ertragskraft brauche es dafür, die scheint derzeit gewährleistet. Entsprechend seien kalkulierbare Projekte wie das öffentliche WLAN in Delmenhorst oder die lokale Crowdfunding-Plattform erfolgreich angelaufen. Genossenschaftsmitglieder dürfen sich außerdem auf eine Dividende von zwei Prozent sowie eine Bonusausschüttung abhängig von der Intensität der Angebotsnutzung freuen.

Getrübte Aussicht

Doch dass die positiven Entwicklungen der Vorjahre sich auch in Zukunft ungebremst fortsetzen werden, glaube Versemann nicht. Perspektivisch werde es möglicherweise auch mal wieder bergab gehen. „Das werden nicht alle bestehen und überleben“, sagte er. Entsprechend beruhigt zeigte er sich über das um 8,3 Prozent gewachsene Eigenkapital von 39,4 Millionen Euro: „Es ist gut zu wissen, dass wir einen Puffer haben.“ Dass das Vertrauen der Kunden und Genossenschaftsmitglieder dabei weiter gewährleistet sei, zeige auch die einstimmige Wiederwahl Frank Dallmanns als Aufsichtsratsmitglied.


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