Nach Datenkorrektur im Jobcenter Arbeitslosenquote in Delmenhorst bei fast 10 Prozent

Im Jobcenter Delmenhorst sind deutlich mehr Arbeitslose gemeldet als noch vor einem Monat. Archivfoto: Frederik GrabbeIm Jobcenter Delmenhorst sind deutlich mehr Arbeitslose gemeldet als noch vor einem Monat. Archivfoto: Frederik Grabbe
Frederik Grabbe

Delmenhorst. Die Arbeitslosenquote in Delmenhorst liegt wieder bei knapp zehn Prozent. Mit verantwortlich dafür ist eine Datenkorrektur.

Die Arbeitslosenquote in Delmenhorst steigt weiter. Dem zugrunde liegt einerseits schwächelnde Konjunktur, aber auch nach wie vor die Korrektur vom in vielen Fällen nicht richtig erfassten Status von Arbeitslosen. Eine sogenannte "Qualitätsoffensive" läuft.

Von Quote 9,3 auf 9,9 gestiegen 

94 Arbeitslose mehr zählen Agentur für Arbeit und Jobcenter im Bereich der Geschäftsstelle Delmenhorst – die Stadt selbst mitsamt Ganderkesee. 4381 sind es derzeit. Das ist ein Anstieg von 2,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Gegenüber dem Mai des vergangenen Jahres sind es 2,5 Prozent mehr. Die Arbeitslosenquote im ganzen Geschäftsbereich liegt bei 7,8 Prozent (7,6 im Vorjahr). Nur für die Stadt Delmenhorst liegt die Quote bei 9,9 Prozent, gegenüber 9,3 im Mai 2018. 150 Personen sind hinzugekommen. Damit hat die Stadt Delmenhorst mit einem Anstieg von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr den höchsten Anstieg der Arbeitslosigkeit in Niedersachsen, vor Emden (3,6 Prozent) und Osterholz (2,8 Prozent). Der derzeitige Stand der Arbeitslosenquote von 9,9 Prozent ist auf dem zweithöchsten Niedersachsens, nach der Stadt Wilhelmshaven (10,5 Prozent) und vor der Stadt Salzgitter (8,8 Prozent).

Die 4381 Arbeitslosen teilen sich im Geschäftsstellen-Bereich auf in 1261 Menschen, die Arbeitslosengeld I beziehen, und 3120, die Arbeitslosengeld II, also Hartz IV, bekommen. Der Anteil der Gruppe mit Arbeitslosengeld I ist zwar von April bis Mai um 58 Personen gesunken, allerdings im Vergleich zum Mai 2018 um 75 Personen gestiegen. Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ist von April bis Mai um 152 Personen und im Vergleich zum Mai 2018 um 30 Personen gestiegen.

Unterbeschäftigung bei 13,9 Prozent

Gegenüber dem Vormonat April ist auch die Zahl der Menschen in sogenannter "Unterbeschäftigung" gestiegen. Nach vorläufigen Angaben umfasst diese Gruppe 5600 Menschen. Das wären 83 mehr als im April, aber 91 weniger als im Mai 2018. "Unterbeschäftigte" sind die gesetzlich definierten Arbeitslosen sowie Personen, die nicht als arbeitslos gelten, aber ohne Beschäftigung sind, wie in in Maßnahmen beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten und Sonderregelungen für Arbeitslose. Die Quote der Unterbeschäftigung liegt im Vergleich zu dem Stand vor einem Jahr bei unverändert 13,9 Prozent.

Ungeklärte Fälle im Jobcenter

Der Grund für diese Verschlechterung der Arbeitsmarkt-Zahlen liegt einerseits an einer Abschwächung der Konjunktur, die die Geschäftsstellenleiterin Karin Kayser sehr grob mit beispielsweise internationalen Handelsstreitigkeiten erklärt. Das betreffe zumindest die Zahlen für den Bereich des Arbeitslosengeldes I. Ein signifikanter Grund für die schlechteren Zahlen im Bereich Hartz IV dagegen sei auch eine bisherige Unschärfe in den vergangenen Arbeitsmarkt-Statistiken, an der die Jobcenter noch immer korrigieren. So hatte es in den zurückliegenden Monaten bis vor gut einem Monat viele Fälle von Jobcenter-Kunden gegeben, deren Status – zum Beispiel arbeitssuchend, ratsuchend, arbeitslos oder "nicht gesetzt" – nicht eindeutig geklärt war. So verzerrten diese Fälle die Vergleichbarkeit von aktuellen mit vergangenen Statistiken.

Aktueller Status nicht immer richtig erfasst

Derzeit werden diese Fälle nachgebessert – in einer "Qualitätsoffensive", wie es heißt. Es sei in der Vergangenheit nicht immer gelungen, stets den aktuellen Status der Jobcenter-Kunden zu erfassen. "Da müssen wir schneller am Kunden sein. Aber nicht immer ist ein klärendes Gespräch sofort möglich", so Kayser. Deshalb würden sich fehlerhafte Einordnungen der beim Jobcenter gemeldeten Menschen nicht immer vermeiden lassen.

Des Weiteren sinkt die Zahl der offenen Stellen. Derzeit sind 590 offene Stellen gemeldet. Das sind 24 weniger als im April 2019 und 122 weniger als im Mai 2018. Am meisten Stellen offen sind im Bereich Produktion und Fertigung, Gesundheit und Soziales oder Lehre und Erziehung.

Junge Menschen sollen sich beraten lassen

Auf dem Ausbildungsmarkt meldeten sich seit Oktober 2018 insgesamt 653 Bewerber für Berufsausbildungsstellen – 4,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Meldungen für Berufsausbildungsstellen gibt es 323 – das sind 24 mehr als im Vorjahr. 395 Bewerber waren noch unversorgt und 169 Ausbildungsstellen noch unbesetzt. Junge Frauen wollen bevorzugt in den Bereich "Kauffrau Büromanagement", junge Männer bevorzugen den Bereich "KFZ-Mechatroniker". Kayser rät jungen Menschen, die auf den Arbeitsmarkt streben, sich beraten zu lassen. Unter der Nummer (0800) 4 55 55 00 kann man Hilfe suchen.

  

 


In den Nachbarstädten

Quote in Bremen auf 10 Prozent
Die Arbeitslosenquote im Land Bremen hat sich im Mai 2019 auf glatte 10 Prozent erhöht. Vor einem Jahr lag sie bei 9,8 Prozent. 1127 Arbeitslose sind hinzugekommen, aktuell sind 35.945 Arbeitslose im Land Bremen gemeldet.
In Oldenburg liegt die Arbeitslosenquote bei sechs Prozent. Im Vormonat waren es 5,9 Prozent, im Mai 2018 waren es 6,3 Prozent. Aktuell sind 11.897 Personen arbeitslos gemeldet, 389 weniger als noch vor einem Jahr.



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