Wie Delmenhorster leben wollen Schüler nehmen ihre Rolle in der Welt ins Visier

Schüler der 9c bei einem Experiment: Mit geschlossenen Augen haben sie Hände ergriffen – nun müssen sie sich entwirren, ohne die Hände loszulassen. Foto: Kai HasseSchüler der 9c bei einem Experiment: Mit geschlossenen Augen haben sie Hände ergriffen – nun müssen sie sich entwirren, ohne die Hände loszulassen. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Wie sie als junge Menschen leben wollen, das haben nun Schüler der Oberschule Süd Delmenhorst ausgelotet.

Der eigene Nachbar ist oft deutlich facettenreicher als gedacht. Diese Lehre – eine von vielen – haben Schüler der Oberschule Süd aus einem Projekt der Stadt Delmenhorst gezogen. Während der vergangenen Tage haben sie in einem Workshop versucht zu ergründen, welche Rolle sie als junge Erwachsene in der Gesellschaft spielen. Wie sie sind, wie andere sie sehen, oder was sie bewirken können.

Neues Kennenlernen in der Runde

Das Projekt "Wie wollen wir gemeinsam leben?", das vor Ort an drei Tagen vom Bremer Verein "Kulturpixel" geleitet wurde, sollte die Schüler gezielt dazu bringen, sich auszutauschen über, grob gesagt, so ziemlich alles, was sie zum Teil der Gesellschaft macht. Wie sie sich beispielsweise sehen als Teil einer Kultur, eines Geschlechts, einer Altersgruppe, einer Wählerschaft, einer Religion – oder auch nur einer Schulklasse. Alle neunten Klassen hatten deshalb Einheiten mit Gesprächsrunden oder Experimenten absolviert, in denen sich die Schüler zum Teil neu kennenlernten. Ein Beispiel: In einer Runde sollten sie sich selbst mit bestimmten Eigenschaften beschreiben. Die Attribute begannen bei der stets aufgesetzten Schirmmütze und den langen Haaren, setzten sich mit Eigenschaften wie "faul", "humorvoll" oder "arrogant" weiter, oder Hobbies wie Sport und Videospiele und endete beispielsweise mit der Erkenntnis, dass man mit seinem ehrenamtlichen Engagement im Sportverein, im Altenheim oder in der Kirchengemeinde nicht so allein ist wie man dachte. Schüler, so fassen es die Mitarbeiter von "Kulturpixel" nach dem Projekt zusammen, sind Eisberge: Man sieht nur einen kleinen Teil.

Schüler der Klasse 9a, die zusammen mit Teamern des Vereins "Kulturpixel" im Gespräch ihre Version einer funktionierenden Gesellschaft entwerfen. Foto: Kai Hasse


Und sie hadern, auch das wird deutlich, mit manchen gesellschaftlichen Themen: Dass sie zum Teil nicht den politischen Einfluss haben wie die Generation 40-Plus. Oder dass innerhalb der Klassen noch sehr unterschiedliche Vorstellungen herrschen über die Rolle des Geschlechts eines Menschen -- und das übrigens quer durch die kulturellen Hintergründe und Herkünfte.

Schüler setzten eigene Schwerpunkte

Der Machern von Kulturpixel war dabei wichtig, dass die jungen Erwachsenen sich verstehen als Teil einer vielfältigen Gesellschaft, die sie auch beeinflussen können. Dabei sollten sie selbst ihre eigenen Schwerpunkte setzen. Inhalte des Workshops waren auch Informationen über demokratische Zusammenhänge oder beispielsweise Grundzüge des Sozialstaats.

Projekt läuft seit 2015

Lutz Gottwald von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe der Stadt betonte, dass diese Kurse unter anderem auch nötig seien, weil die Hintergründe der Schüler außerordentlich verschieden seien. Ein prominentes Beispiel sei beispielsweise Zuwanderung junger Menschen in den vergangenen Jahren. Das Projekt "Wie wollen wir gemeinsam leben?" finde auch an anderen weiterführenden Schulen in Delmenhorst statt. Es wird seit 2015 an Delmenhorster Schulen angeboten.


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