Gericht wartet weiter Wegen Supermarkt-Überfällen angeklagter Delmenhorster schweigt

Von Ole Rosenbohm

Mit einer Spielzeugpistole soll ein Delmenhorster Angeklagter sieben Kassiererinnen bei Supermarkt-Überfällen Angst eingejagt haben. Symbolfoto: Peter Steffen/dpaMit einer Spielzeugpistole soll ein Delmenhorster Angeklagter sieben Kassiererinnen bei Supermarkt-Überfällen Angst eingejagt haben. Symbolfoto: Peter Steffen/dpa

Oldenburg/Delmenhorst. Die Strafkammer des Landgerichts Oldenburg hat schon zum Auftakt des Prozesses um sieben Überfälle auf Supermarkt-Kassen eine Einlassung des angeklagten 42-jährigen Delmenhorsters erwartet – doch auch am dritten Verhandlungstag an diesem Freitag schwieg der Angeklagte beharrlich.

Vorgeworfen wurde dem Mann, in sieben Fällen Kassiererinnen mit einer für die Opfer echt wirkenden Spielzeugpistole bedroht zu haben und dabei Geldscheine aus den Kassenladen herausgenommen zu haben. Zwischen 300 und 2300 Euro soll er jeweils bei seinen Taten im vergangenen Jahr erbeutet haben. Zwei der Fälle stellte das Gericht früh ein – wohl unerheblich für das Strafmaß bei Verurteilung.

Nach den teils stark traumatisierten Kassiererinnen am zweiten Prozesstag traten am Freitag Polizeibeamte sowie die ihre Aussage verweigernde Ehefrau des Angeklagten im Gerichtssaal auf. Die Aussage des Hauptermittlungsführers könnte der Einschätzung der Nebenklage-Anwältin nach für einen Umschwung im Prozess gesorgt haben. Unter anderem sei dem Angeklagten anhand von Funkzellen nachgewiesen worden, zu den Tatzeiten sein Auto nahe den Märkten in Oldenburg, Bremen und Stuhr geparkt zu haben.

Kein Opfer kann Angeklagten identifizieren

Eine Schwierigkeit im Prozess besteht aber weiter: Keines der Opfer konnte den Angeklagten anhand von Fotos oder auch im Gerichtssaal von Angesicht zu Angesicht sicher identifizieren. Und auch die Polizei machte Fehler. Bei der Begutachtung von Fotos durch eines der Opfer erkannte zwar eine Frau in einem Bild zunächst deutliche Ähnlichkeiten mit dem Angeklagten und war sich bei Vorlage eines weiteren, den 42-Jährigen zeigenden Fotos gar ganz sicher, ihn erkannt zu haben. Aber im Protokoll ist der Vermerk „nicht mit Sicherheit erkannt“ angekreuzt. Der aussagende Beamte konnte sich am Freitag nicht erklären, wie es dazu gekommen war.

Dienstag wird der Prozess fortgesetzt – ursprünglich der letzte angesetzte Verhandlungstag. Im Raum steht aber noch die Vernehmung weiterer Zeugen und damit die Terminierung weiterer Verhandlungstage.


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