Straffällige Jugendliche Bei der "Brücke" wird der Weg in den Knast verbaut

Brückenbauer für straffällig gewordene Jugendliche: (von links) die Hauptamtlichen Sandra Schier, Conny Künemund, Lars Denker, Stefan Milkereit und der ehrenamtliche Brücke-Vorsitzende Joachim Musch im jüngsten Holzwerkstattprojekt Garten- und Gerätehaus. Foto: Reiner HaaseBrückenbauer für straffällig gewordene Jugendliche: (von links) die Hauptamtlichen Sandra Schier, Conny Künemund, Lars Denker, Stefan Milkereit und der ehrenamtliche Brücke-Vorsitzende Joachim Musch im jüngsten Holzwerkstattprojekt Garten- und Gerätehaus. Foto: Reiner Haase

Delmenhorst/Wildeshausen. Mehr als 200 Jugendliche aus Delmenhorst und dem Landkreis Oldenburg sind 2018 dank Teilnahme an Angeboten des Vereins "Brücke" um Arresterfahrungen herumgekommen. Neu im Blick ist das Schulschwänzen: Es wird eingegriffen, bevor Straffälligkeit droht.

Die Haupt- und Ehrenamtlichen des Vereins "Brücke" sind seit 36 Jahren in Delmenhorst und seit 28 Jahren in Wildeshausen als Knastvermeider für junge Straffällige aktiv, und die Arbeit wird immer vielfältiger. "Wir nehmen Schulschwänzer in den Blick, bevor sie straffällig werden. Wir arbeiten verstärkt in der Prävention", berichtet der Vereinsvorsitzende Joachim Musch. Und das mit verstärkter Mannschaft: Lars Denker ist nicht nur, aber besonders für das "Owi" genannte Projekt ins Team gekommen.

Projekt für Schulschwänzer

"Owi" steht für Ordnungswidrigkeit; als solche behandeln die Behörden hartnäckige Schulverweigerung; das Schulamt kann Schulverweigerer mit einem Ordnungsgeld belegen, was die Verweigerer bei Nichtzahlen zu Straffälligkeit und Arrest führen kann. Oder es werden – nach einer Brücke-Übereinkunft mit der Stadt Delmenhorst im letzten Jahr – Owi-Stunden angeordnet. Das heißt Arbeit in der Fahrrad- oder Holzwerkstatt an der Wißmannstraße sowie enge pädagogische Betreuung mit dem Versuch, den jungen Leuten durch Ermitteln der Ursachen, Motive und Handlungsalternativen den Weg zurück in die Schule zu ebnen. "Im letzten Jahr haben wir in Delmenhorst 48 jugendliche Schulverweigerer betreut", berichtet Geschäftsführerin Sandra Schier. Zurzeit laufen laut Musch Gespräche mit dem Landkreis Oldenburg mit dem Ziel, das Projekt Owi auch in Wildeshausen zu etablieren.

Vielfältige Angebote

Jugendrichterliche Weisung oder Anordnung nach Straftat, das ist aber noch der normale Weg zu Angeboten der Brücke. Es gibt Einzelbetreuung, Themengruppen, Kurz- und Wochenendseminare, Anti-Gewalt- und Anti-Drogen-Kurse, sozialpädagogisch fundierten Sport und Gruppen speziell für heranwachsende Frauen, die mit jährlich rund 20-Prozent-Anteil deutlich unterrepräsentiert sind. Ein Ausflug in den Harz und ein Workshop auf eine ostfriesische Insel sind im Jahresbericht aufgelistet, ein Sport- und ein Sommerfest, zu dem sogar Ehemalige kommen. Die Brücke hat im letzten Jahr in Delmenhorst 148 Teilnehmer im Alter von 14 bis 21 Jahren betreut, auch jene aus Ganderkesee. In Wildeshausen waren es 55 Teilnehmer.

Maßgeschneiderte Angebote

 "Wir sind gut vernetzt, auch mit den Jugendrichtern und der Staatsanwaltschaft", so Musch. Weil diese die Brücke-Angebote trotz ihrer Vielfalt kennen, wird für den Einzelfall das richtige Hilfsangebot gefunden. Außerdem benennt er beste Kontakte zur Polizei, zum Arbeitsamt und zur Drogenhilfe.

Regeln und Verträge

Auf eine Wohlfühlinsel führt die Brücke nicht: "Wir haben ganz klare Regeln, auch was Pünktlichkeit und Verlässlichkeit betrifft. Wir schließen mit den Teilnehmern Verträge ab und vereinbaren die Ziele, die im Laufe von bis zu zwölf Monaten erreicht werden sollen", erklärt Schier. Das klar geregelte Miteinander kommt meistens gut an. "Wir haben nur zwei Prozent aktive Abbrecher", berichtet Geschäftsführerin Schier. Kein Wunder: "Arrest kann die Folge sein", erläutert der Vorsitzende Musch.

Schuppen folgt Grillhütte

Die Holzwerkstatt kann stolz auf sich sein", sagt Musch mit Blick auf einen stabilen Grill-Pavillon hinter den Werkstätten, Er ist im letzten Jahr von Teilnehmern unter Regie fester und freier Mitarbeiter errichtet worden; eine Mercedes-Spende hat die Arbeiten beflügelt. Für das nächste Projekt ist das Gebälk schon gefügt: Es entsteht ein neuer Garten- und Geräteschuppen. "Wenn alles klappt, wird der Schuppen beim Sommerfest am 25. August eingeweiht", sagt Schier. Ausgemacht ist, dass die Polizei und die Feuerwehr wieder mitfeiern.



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN