Kulturkiosk-Projekt zum Weltnaturerbe Delmenhorster Schüler leben grenzenloses Europa

50 Schüler aus Ungarn, Finnland, Polen, Italien, Griechenland, Österreich und Deutschland beschäftigten sich diese Woche im Zuge eines europäischen Schüleraustausches mit dem Erhalt von Weltkulturstätten. Bürgermeister Hermann Thölstedt (hinten, 2. v. r.) hieß die Gäste am Dienstagvormittag in Delmenhorst willkommen. Foto: Bettina Dogs-Prößler50 Schüler aus Ungarn, Finnland, Polen, Italien, Griechenland, Österreich und Deutschland beschäftigten sich diese Woche im Zuge eines europäischen Schüleraustausches mit dem Erhalt von Weltkulturstätten. Bürgermeister Hermann Thölstedt (hinten, 2. v. r.) hieß die Gäste am Dienstagvormittag in Delmenhorst willkommen. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Ein Erasmus-Projekt hat Jugendliche der Oberschule Süd mit jungen Ungarn, Finnen, Polen, Griechen, Österreichern und Italienern zusammengeführt. Sie alle wachsen daran.

Brexit-Hickhack und zunehmender nationaler Strömungen zum Trotz: Unter den Jugendlichen ist die Zustimmung für Europa gleichbleibend groß. Laut einer aktuellen Umfrage der Tui-Stiftung sind 74 Prozent der befragten deutschen Jugendlichen für den Verbleib ihres Landes in der EU.

Dieser Statistik ein Gesicht gibt ein europaweites Projekt, an dem sich aktuell die Delmenhorster Oberschule Süd beteiligt. Seit Samstag arbeiten 15 Mädchen und Jungen der Einrichtung mit anderen Jugendlichen aus Ungarn, Finnland, Polen, Griechenland, Österreich, Italien und Berlin zusammen, die sich intensiv mit dem Erhalt des europäischen Weltkulturerbes auseinandersetzen. Am Dienstagvormittag wurden die rund 50 Schüler und 20 Lehrer von Bürgermeister Hermann Thölstedt im Rathaus begrüßt.

Gemeinsamkeiten über Grenzen hinweg entdecken

„Neben der Beschäftigung mit dem Inhalt des Projekts ist die persönliche Begegnung mindestens ebenso wichtig“, meinte Thölstedt. „Menschen aus anderen Ländern mit einem anderen kulturellen Hintergrund, mit anderen historischen Erfahrungen kennenzulernen, ist immer wieder eine große Bereicherung.“ Mit solchen Projekten entdeckten die Teilnehmer auch, wie viele Gemeinsamkeiten es über alle Grenzen hinweg gebe. „So kann man gemeinsam in neue Dimensionen vorstoßen, die man alleine nie hätte erreichen können“, so Thölstedt.

Ermöglicht wird die europäische Begegnung über das Erasmusprojekt „Kulturkiosk 2“, das sich seit 2017 mit dem Erhalt des Weltkulturerbes sowie des Weltnaturerbes beschäftigt. Bei ihrem einwöchigen Aufenthalt in Delmenhorst setzen sich die 14- bis 19-Jährigen dabei mit Fragen zu Entstehung sowie ökologischer Bedeutung des Wattenmeeres auseinander, das 2009 zum Unesco-Weltnaturerbe ernannt wurde.


Erasmusprogramm fördert Bildung

Erasmus ist ein 2014 von der EU ins Leben gerufenes Programm zur Förderung von allgemeiner und beruflicher Bildung, Jugend und Sport. Bis 2020 stehen 14,7 Milliarden Euro bereit, um Projekte wie Schüleraustausche, Auslandssemester oder Berufspraktika zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung innerhalb der EU zu unterstützen. Das „Kulturkiosk 2“-Projekt soll als Teil des Erasmus-programms länderübergreifend die Kultur- und Medienkompetenz von Schülern steigern.


 

In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Schüler abwechselnd in Budapest, Rein bei Graz, Taormina auf Sizilien und Danzig getroffen und sich in länderübergreifenden Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Welterbestätten beschäftigt. Das Treffen in der Delmestadt ist zugleich auch Abschlusstreffen des grenzübergreifenden Kennenlernens.

„Für die Schüler ist es nicht nur schön, rauszukommen und Kontakt zu Schülern aus anderen Ländern zu knüpfen, es stärkt auch ihre Persönlichkeitsentwicklung“, schilderte Lehrer Marco Vernisi, Europa-Koordinator an der Oberschule Süd. Darüber hinaus biete das Erasmusprogramm allen Schülern die gleiche Chance zur Teilnahme, da die Kosten zu 100 Prozent von der EU übernommen würden.

Hoffnung auf Kulturkiosk-Hochzeiten

Für Anja Bohn, Lehrerin aus Berlin und Koordinatorin des Projekts, sind die Schüler in den vergangenen zwei Jahren zunehmend selbstbewusster geworden, entwickelten mehr Toleranz und gehen offener auf andere zu. „Sie entwickeln sich in den eine Woche andauernden Treffen wirklich toll.“ Auch Marco Vernisi betonte: „Dass sie sich in Gastfamilien zurechtfinden, die Leitung einer internationalen Gruppe übernehmen und in einem anderen Land zurechtkommen müssen, tut ihnen sehr gut.“ Und zu all dem werde auch noch die europäische Freundschaft gepflegt. „Wir hoffen, dass wir demnächst auch zu einer Kulturkiosk-Hochzeit eingeladen werden“, sagte Anja Bohn lachend. „Zwei länderübergreifende Pärchen sind bereits aus dem Projekt hervorgegangen.“


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