Müll aus Kunststoff Delmenhorster Wochenmarkt: Trend gegen Plastik deutlich erkennbar

„Immer mehr Kunden möchten Papiertüten haben oder bringen selbst Taschen mit“, beobachtet Friedhelm Windhorst, Inhaber von Windhorst Obst, Gemüse und Südfrüchte.  Foto: Jasmin Johannsen„Immer mehr Kunden möchten Papiertüten haben oder bringen selbst Taschen mit“, beobachtet Friedhelm Windhorst, Inhaber von Windhorst Obst, Gemüse und Südfrüchte. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Verpackungsmüll aus Plastik ist rund um den Globus ein riesiges Problem. Den Kunststoffverbrauch effektiv zu drücken, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Was kann jeder einzelne tun? Das dk gibt Hinweise. Ein Gang über den Delmenhorster Wochenmarkt.

Auf dem Wochenmarkt zeichnet sich der Trend zur Nachhaltigkeit im Umgang mit Verpackungsmüll ab. Das bestätigen Verkäuferinnen und Verkäufer, die mittwochs und samstags ihre Waren auf dem Delmenhorster Marktplatz anbieten. „Immer mehr Kunden möchten Papiertüten haben oder bringen selbst Taschen mit“, beobachtet Friedhelm Windhorst, Inhaber von Windhorst Obst, Gemüse und Südfrüchte. Das Verlangen nach Plastiktüten sei rückläufig. Seit Ende 2018 bieten er und seine Mitarbeiter vorrangig Papier zum Verpacken der Waren an. Erst auf Nachfrage der Kunden würde Plastik zum Einsatz kommen. Mit einer Ausnahme: „Salatherzen und Eisbergsalat sind einfach zu zart und fallen sonst auseinander“, meint Windhorst. Grüne Salate werden an seinem Stand deshalb weitgehend in Plastik herausgegeben. 

Trend zu mitgebrachten Taschen oder Mehrweg-Netzbeuteln

Das ist bei der Hofgemeinschaft Grummersort aus Hude anders. Hier sind auch empfindliche Obst und Gemüsesorten nicht eingeschweißt. „Salate halten in Papiertüten oder mitgebrachten Taschen den Transport bis nach Hause aus“, meint Stefanie Gerbracht, Angestellte und Gärtnerin auf dem Huder Hof. Dort müssten die zarten Pflanzen aber gleich mit Wasser versorgt und richtig gelagert werden, damit die Frische erhalten bleibt. „Aber das wäre bei Plastiktüten ja genauso“, sagt Gerbracht. Auch sie kann bestätigen, dass immer weniger Plastiktüten über die Theke gehen. „Einige Kunden haben sogar kleine Mehrweg-Netzbeutel, in denen das Gemüse und Obst atmen kann.“

Plastik lässt sich nicht immer vermeiden

Wer dennoch nach einer grünen Plastiktüte verlangt, muss am Hofgemeinschaftsstand inzwischen 20 Cent bezahlen. Die Tragetasche aus Papier gibt es dagegen umsonst. „Seit Jahresbeginn greifen auch wir Verkäuferinnen massiver zu den Papiertüten“, erzählt Gerbracht. Eine Ausnahme gibt es an dem fast plastiklosen Stand allerdings doch: Sauerkraut wird in kleinen Plastiktüten zum Verkauf angeboten. „Das müssen wir leider so machen“, bedauert Gerbracht. Weiter sagt sie: 

"Das Sauerkraut gärt in einem Fass und das können wir nicht mit auf den Markt bringen. Um die Hygienevorschriften einzuhalten, ist das Abpacken deshalb die beste Lösung."

Einweckgläser auf Wunsch zu befüllen sehr beliebt

Aus dem gleichen Grund werden die südländischen Spezialitäten am Stand von Bastwöste & Co. auch in erster Linie in Einwegbehältern aus Plastik verkauft. „Das ist die Standardverpackung“, bestätigt Mechthild Oetjen, Verkäuferin am Feinkoststand. „Als Betrieb haben wir allerdings Interesse daran, so wenig Abfall wie möglich zu produzieren.“ Deshalb befüllt der Marktbeschicker seit Anfang 2019 auf Kundenwunsch nicht nur Plastikbehälter, sondern auch Einweckgläser mit Oliven, Hirtenkäse und anderen Spezialitäten:

Foto: Jasmin Johannsen

Dafür fallen dann noch einmal zusätzlich 1,80 bis 2 Euro an. Ein Preis, den die Kunden anscheinend gerne bezahlen: „Die Gläser sind ausverkauft, erst Mitte Mai kommen wieder neue.“ 

Selbst ohne Pfand funktioniere das System gut. Denn auch Oetjen habe die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Kunden die Einweckgläser oder andere Aufbewahrungsmöglichkeiten beim nächsten Einkauf wieder dabei hätten. „Dann müssen wir darauf achten, dass das Besteck keinen Kontakt zu den mitgebrachten Gläsern hat“, berichtet Oetjen. Noch könne der Stand allerdings nicht ganz auf die Plastikbehälter verzichten. Für die einen Kunden seien die Einweckgläser zu groß, andere würden spontan kaufen und hätten keine Behälter dabei. „Die moralische Keule sollte man da natürlich vermeiden“, findet Oetjen. Sie meint, dass das nachhaltige Verhalten einiger Kunden sowieso auf die anderen abfärben würde: „Das ist ein richtiger Aha-Effekt und dann macht es ganz schnell Klick.“

"Nicht zuständig, Kunden zu erziehen"

Hendrik Quast verkauft an seinem Stand zu dieser Jahreszeit vorrangig Äpfel. „Viele Kunden nehmen gleich zwei, drei Kilo mit. Das kann man nur schwer in eine Papiertüte geben, ohne das diese reißt oder die Äpfel Schaden nehmen“, meint der Inhaber des Obsthofs Quast. Darum sind bei ihm die Plastiktüten erste Wahl. Als langjähriger Verkäufer auf dem Delmenhorster Wochenmarkt konnte Quast trotzdem eine Beobachtung zur Nachhaltigkeit machen: „Auch unsere Plastiktüten werden wiederverwendet. Die muss man nach einmaliger Benutzung ja nicht gleich wegwerfen.“ So würden immer wieder Kunden die Tüten des Obsthofes beim nächsten Einkauf als Verpackungsmaterial mitbringen. Für die Plastiktüten Geld zu berechnen findet Quast dagegen absurd. „Ich bin nicht dafür zuständig die Kunden zu erziehen. Die müssen schon von sich aus darauf achten.“ Trotzdem möchte er zum Ende des Jahres ein Statement in Sachen Nachhaltigkeit setzen. „Wir lassen gerade aus recycelten Flaschen Tragetaschen produzieren, die wir dann auf den Märkten in Oldenburg und Lübeck verteilen.“ In Delmenhorst hatte es zwei ähnliche Aktionen zuletzt vor vier Jahren und im Februar 2018 gegeben.



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