Delmenhorster Wochenmarkt Blumen Lintelmann macht nach 33 Jahren Schluss

Abschied vom Wochenmarkt: Gerold Lintelmann macht nach 33 Jahren Blumen Lintelmann Schluss. Seine Frau Elke arbeitet beim Nachfolger weiter. Foto: Marco JuliusAbschied vom Wochenmarkt: Gerold Lintelmann macht nach 33 Jahren Blumen Lintelmann Schluss. Seine Frau Elke arbeitet beim Nachfolger weiter. Foto: Marco Julius
Marco Julius

Delmenhorst. Am Samstag, 30. März, ist Blumen Lintelmann zum letzten Mal auf dem Wochenmarkt in Delmenhorst zu finden. Ganz in den Ruhestand verabschiedet sich Gerold Lintelmann aber nicht – und einen Nachfolger hat er auch gefunden.

Die Nachricht hat sich schnell herumgesprochen, dabei hat Gerold Lintelmann sie gar nicht an die große Glocke gehängt. Und doch wissen es viele Stammkunden schon längst und sagen bereits mit Pralinen quasi „vielen Dank für die Blumen“. Blumen Lintelmann, seit 33 Jahren mit einem festen Stand mittwochs und samstags auf dem Wochenmarkt vorm Rathaus vertreten, macht Schluss. Kein Wunder, dass viele Kunden traurig sind. Lintelmann ist ein Original, seit Jahrzehnten ein prägendes Gesicht des Marktes. Als Marktsprecher hat er sich dafür eingesetzt, dass „sein“ Wochenmarkt lebendig ist und bleibt. Und jetzt soll Schluss sein?

„Es reicht langsam“, sagt Gerold Lintelmann selbst. Denn eines, das sei auch klar: Die Arbeit auf Wochenmärkten, die schlauche. „Bei Wind und Wetter sind wir da, wir sind ja keine Schönwetter-Markthändler“, sagt der Blumenhändler. Wenn der Wind mal zu heftig in den Verkaufswagen peitschte, dann hat er den Wagen eben kurzerhand umgedreht. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Um 3 Uhr früh beginnt der Tag

Als er im Februar 1986 seinen eigenen Wochenmarkthandel zunächst mit Beet und Balkonpflanzen begann, da war er kein Neuling im Gewerbe. „Ich stand schon mit 15 als Lehrjunge auf dem Markt“, erinnert er sich. Jetzt ist Lintelmann 60. Jede Nacht um 3 Uhr in der Früh aufstehen, das soll nun bald Geschichte sein. Am Freitag verabschiedet er sich vom Markt in Düsternort. Am Samstag sagt er dann auch auf dem Rathausplatz Tschüss. Ruhestand also? „Nee“, sagt Lintelmann und lacht. Etwas weniger Arbeit ja, aber Ruhestand, das sei dann doch nichts für ihn. Künftig will er sich mehr auf seine schottischen Hochlandrinder konzentrieren. Die züchtet er seit 1992. Regionales Fleisch aus artgerechter Haltung kann er so anbieten. „Das ist meine Leidenschaft“, sagt Lintelmann. Und Zeit für Ehrenämter will er sich auch nehmen. Die Leidenschaft für seine Rinder, die hat er mit gleicher Intensität auch für den Wochenmarkt gelebt, in Delmenhorst, in Ganderkesee, in Vegesack. „Auf dem Markt läuft alles per Du, man kennt sich, schnackt, hilft sich.“ Ob Tränen fließen werden am Samstag? „Bei mir nicht“, sagt Lintelmann bestimmt, „eher bei meiner Frau.“ So ganz leicht, das merkt man ihm aber an, wird der Samstag dann doch nicht werden. Ohne seine Frau übrigens, ohne Elke, die ihren Beruf als Arzthelferin einst aufgegeben hat, um auf den Märkten zu helfen, seien die drei erfolgreichen Jahrzehnte gar nicht möglich gewesen. „Ohne meine Frau bin ich doch nur Karl Arsch.“, sagt der Händler. Er mag zwar Blumen verkaufen – wenn er etwas zu sagen hat, dann tut er das aber direkt, nicht durch die Blume.

Markt verändert sein Gesicht

Apropos Blume: Lintelmann hat Trends kommen und gehen sehen. Die Zeit der Topfblumen auf den heimischen Fensterbänken etwa, die sei leider vorbei. Aber es kommen neue Trends. Und Trends kennt auch der Wochenmarkt. „Der Markt verändert sein Gesicht. Das ist auch gut so. Wir müssen stets aufpassen, dass wir dem Kunden etwas bieten können.“ Doch auch der Kunde ändert sein Verhalten. „Früher, da kamen die Kunden morgens um 7 Uhr. Der Marktplatz war gleich voll. Heute kommt der Großteil erst gegen 10 Uhr.“

Der Grund, warum er den Wochenmarkt so liebt, der sei aber geblieben. „Der Markt ist mehr als ein Ort, an dem man einkauft. Es ist ein Ort der Begegnung, ein sozialer Treffpunkt.“ Es gebe Tage, da kämen Stammkunden nur vorbei, um kurz zu schnacken. Ein kurzer Plausch, kein Geschäft. Auch das sei dann mal ok. Der Wochenmarkt müsse weiter mit der Zeit gehen, ist Lintelmann überzeugt. In die Klagen, Märkte hätten schlicht keine Zukunft, will er jedenfalls nicht einstimmen. Er sagt:

„Das ist Quatsch. Der Wochenmarkt wird bleiben.“

Neuer Inhaber übernimmt Stand

Notfalls auch ohne Lintelmann. Selbst wenn sich das einige Stammkunden gar nicht vorstellen mögen. Doch so ganz auf die Lintelmanns müssen die Kunden gar nicht verzichten. Elke Lintelmann arbeitet weiter, beim Nachfolger. Und der Name Lintelmann bleibt am Verkaufswagen auch erhalten. Nur der Inhaber ändert sich.

Gerold Lintelmann macht nach 33 Jahren Blumen Lintelmann Schluss. Seine Frau Elke arbeitet beim Nachfolger Winfried Mattfeld weiter. Foto: Marco Julius

Die Gärtnerei Beuße aus Schneverdingen übernimmt den Stand und das Personal. Winfried Mattfeld und Carola Beuße werden künftig das Sagen haben. „Wir werden nicht alles neu erfinden, der Marktstand ist gut eingeführt. Aber wir werden sicher auch eigene Ideen einbringen und vielleicht die Vielfalt noch erhöhen“, sagt Winfried Mattfeld, selbst gelernter Gärtner. Die Blumen und Pflanzen kommen künftig zum überwiegenden Teil aus der eigenen Gärtnerei. Gerold Lintelmann ist froh, dass er seinen Blumenstand weitergeben kann. So ist Samstag Schluss für ihn, ohne dass der Stand ganz verschwindet.


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