Ausstellung in Delmenhorst Wie Alkohol in der Schwangerschaft Kindern schadet

In einen Embryo hineinversetzen können sich Besucher der Ausstellung "Zero" in Delmenhorst, die über Alkoholkonsum in der Schwangerschaft aufklärt. Foto: Vincent BußIn einen Embryo hineinversetzen können sich Besucher der Ausstellung "Zero" in Delmenhorst, die über Alkoholkonsum in der Schwangerschaft aufklärt. Foto: Vincent Buß

Delmenhorst. Mehrere Tausend Babys werden pro Jahr in Deutschland mit FASD geboren – Störungen, die vom Alkoholkonsum ihrer Mütter während der Schwangerschaft stammen. Wie sich das genau äußert, hat nun eine Delmenhorster Expertin erklärt.

Einmal habe sich ein Vater bei ihr über seinen Sohn beschwert, erinnerte sich Edith Stemmler-Schaich vom Allgemeinen Sozialen Dienst der Stadt Delmenhorst. Sein Sohn würde immer wieder Mercedes-Sterne abbrechen. Doch der Sohn sei anderer Ansicht gewesen: "Die fallen mir einfach so in die Hand!". Stemmler-Schaich nennt so ein Verhalten "Geschichten erzählen". Und das ist ihr zufolge typisch für Kinder mit einer fetalen Alkoholspektrumsstörung (FASD). Das erklärte sie am Montag, 25. März bei der Eröffnung der Ausstellung "Zero" im Gemeindezentrum St. Marien.

Was ist FASD?

FASD ist der Obergriff für alle Schädigungen von Kindern, die daher stammen, dass ihre Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. FASD ist laut Stemmler-Schaich die häufigste Behinderung bei Neugeborenen, die nicht genetisch bedingt und somit eigentlich vermeidbar ist.

Doch dem Drogen- und Suchtbericht 2018 zufolge wissen 44 Prozent der Bevölkerung nicht, dass Alkoholkonsum in der Schwangerschaft dem Kind schwer schaden kann. Das mag erkkären, dass in Deutschland jährlich etwa 4000 Kinder mit FASD geboren werden, wie der Verein FASD Deutschland schreibt. Die Dunkelziffer schätzt der Verein auf bis zu 15.000 Kinder.

So sehr schadet Alkohol einem Ungeborenen

Alkohol kann alle Organe des ungeborenen Kindes angreifen. Wie viel größer die Belastung für das Neugeborene als für die Mutter ist, machte Stemmler-Schaich deutlich. Während eine durchschnittliche Schwangere nach einem Restaurantbesuch mit zwei Gläsern Wein und einem Schnaps bereits fast zwölf Stunden brauche, um den Alkohol abzubauen, dauere das beim Kind 92 Stunden. "Bei zwei Restaurantbesuchen pro Woche, wäre das Kind also die ganze Woche betrunken", erklärte die Pädagogin.

Das sind Symptome von FASD

Die Schäden könne man vielen Babys direkt ansehen, sagte sie: zum Beispiel Minderwuchs, Untergewicht, kleinere Köpfe, tiefliegende Ohren oder schmale Oberlippen – wie bei den beiden äußeren Puppen im Vergleich zur mittleren erkennbar ist:

Foto: Vincent Buß

Doch der Alkoholkonsum der Mütter hat auch nicht mit bloßen Auge erkennbare Auswirkungen wie Herzfehler oder Einschränkungen in Motorik und Lernfähigkeit. Viele FASD-Kinder sind laut Stemmler-Schaich außerdem hyperaktiv, naiv und leicht verführbar – weswegen sie leicht zu Mitläufern werden –, und haben Probleme, sich in andere hineinzuversetzen oder Regeln zu verstehen.

Die Pädagogin erinnerte sich etwa an einen Schüler mit FASD, der sich beim Sport-Unterricht immer in der leeren Lehrer-Umkleide umgezogen habe. Er habe Ärger bekommen, dies aber nicht nachvollziehen können. "Da war doch keiner drin", sei seine Begründung gewesen.

Gut reden könnten viele. "Zwar haben FASD-Kinder oft Probleme, sprechen zu lernen", berichtete Stemmler-Schaich. "Doch dann quasseln sie viel." Ein Drittel der Kinder hätte zudem immerhin einen durchschnittlichen IQ. Die Mitarbeiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes betonte auch die Qualitäten von Menschen mit FASD. Viele seien hilfsbereit und besonders stolz, wenn sie etwas lernen würden.

Wenn Betroffene selbst Eltern werden

Nichtsdestotrotz hänge die Entwicklung in vielen Aspekten Kindern ohne FASD oft stark hinterher. Bis auf die körperliche. Das könne gerade für junge Frauen zum Problem werden. Denn wenn Menschen, die durch den Alkoholkonsum ihrer schwangeren Mütter geschädigt worden sind, selbst Eltern werden sind sie laut Stemmler-Schaich oft überfordert. Und das kann neue Probleme verursachen.

Ausstellung "Zero" in Delmenhorst

Die Ausstellung "Zero", inklusive Begleitangebot, über Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zeigen die Anonyme Drogenberatung der AWO-Delmenhorst, der Caritasverband Delmenhorst und der Fachdienst Gesundheit vom 25. März bis zum 29. März im Gemeindehaus St. Marien an der Louisenstraße 22. Sie ist täglich von 9 bis 15.30  Uhr kostenlos besuchbar.



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