Landgericht Oldenburg Gefängnispsychologin soll im Mordfall Högel aussagen

Von epd

Wegen Mordes an 100 Patienten angeklagt: Niels Högel im Gerichtssaal. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpaWegen Mordes an 100 Patienten angeklagt: Niels Högel im Gerichtssaal. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Delmenhorst/Oldenburg. Im Mordprozess gegen den früheren Krankenpfleger Niels Högel soll am Donnerstag eine Psychologin der Oldenburger Justizvollzugsanstalt aussagen.

Ihr stehe das sonst zwischen Therapeuten und Klienten übliche Zeugnisverweigerungsrecht nicht zu, da sie noch nicht als Psychologin approbiert sei, betont Gerichtssprecherin Melanie Bitter. Neben der Psychologin sind bis zum Freitag auch der Gutachter des Klinikums Oldenburg, Professor Georg von Knobelsdorff, und der medizinische Sachverständige des Gerichts, Professor Wolfgang Koppert, als Zeugen geladen.

Aussage von Bedeutung

Die Aussage der Psychologin ist für das Gericht und den Sachverständigen Henning Saß von Bedeutung. Der Psychiatrie-Professor Saß ist erst im Laufe des Prozesses für den erkrankten Gutachter Konstantin Karyofilis eingesprungen und soll die Schuldfähigkeit Högels beurteilen. Allerdings verweigert Högel das direkte Gespräch mit Saß, so dass dieser sich bei seiner Einschätzung auf die Aussagen im Prozess stützen muss. Der Professor gilt als sehr erfahren. Zuletzt hatte er die Schuldfähigkeit der Hauptangeklagten im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, beurteilt.

Der Hildesheimer Intensivmediziner von Knobelsdorff hatte im Auftrag des Klinikums Oldenburg nach Hinweisen auf mögliche Patientenmorde in den Krankenakten des Hauses gesucht und Anhaltspunkte dafür gefunden. Die Unterlagen wurden später der Staatsanwaltschaft übergeben.

Professor Wolfgang Koppert, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, hatte im Auftrag der Staatsanwaltschaft nach Anhaltspunkten für Auffälligkeiten in den Krankenhäusern Oldenburg und Delmenhorst gesucht. Nach dem Aktenstudium gab er Empfehlungen für die Exhumierung möglicher Opfer. Insgesamt wurden 134 Gräber geöffnet, um Beweise gegen Högel zu sichern.

Mit Medikamenten vergiftet

Laut Anklageschrift soll Högel von 2000 bis 2005 in der Klinik Oldenburg 36 Patienten und im Delmenhorster Krankenhaus 64 Patienten mit Medikamenten vergiftet haben, die zum Herzstillstand oder Kammerflimmern führten. Anschließend versuchte er, die Patienten wiederzubeleben, um als rettender Held dazustehen. Wegen sechs weiterer Taten verbüßt er bereits eine lebenslange Haftstrafe.


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