Verbrechen verhindert, Leben gerettet Zehn Bürger bekommen Delmenhorster Zivilcouragepreis

Für ihre Zivilcourage ausgezeichnet wurden (von links) Jan-Matthias Ogiewa, Wolfgang Kreuzer, Britta und Linus Leonhardt, Rene Bischoff, Ousama Amrani, Ali Hasanain, Sofiane Amrani, Hüseyin und Nurhan Yalin. Foto: Vincent BußFür ihre Zivilcourage ausgezeichnet wurden (von links) Jan-Matthias Ogiewa, Wolfgang Kreuzer, Britta und Linus Leonhardt, Rene Bischoff, Ousama Amrani, Ali Hasanain, Sofiane Amrani, Hüseyin und Nurhan Yalin. Foto: Vincent Buß

Delmenhorst. Gleich zehn Bürger sind in Delmenhorst für ihre Zivilcourage ausgezeichnet worden. Einer überwältigte einen Räuber, ein anderer war erst acht Jahre alt.

Als der damals achtjährige Linus Leonhardt am 15. August 2018 aus dem Fenster sah, beobachtete er etwas Merkwürdiges: Eine Autofahrerin prallte am Blücherweg gegen einen Bordstein, fuhr ungebremst weiter über den Gehweg, bis eine Hecke ihre Fahrt beendete. Doch selbst dann stieg die Frau nicht aus.

Er habe gemerkt, dass etwas nicht stimme, erinnerte sich Linus, als am Donnerstag im Delmenhorster Rathaus der Zivilcouragepreis 2018/2019 verliehen wurde. Aufgeregt lief er damals zu seiner Mutter Britta Leonhardt. "Er wollte sofort nachschauen", erzählte sie. Leonhardt ließ ihren Sohn allerdings nicht alleine ziehen, sondern ging mit. Vorher rief die Mutter noch den Notarzt.

Dort traf sie Jan-Matthias Ogiewa, dem das Auto ebenfalls aufgefallen war. Leonhardt rief noch ihren Nachbarn Wolfgang Kreuzer hinzu. Die Männer holten die Fahrerin heraus. Zwar hatte sie noch einen Puls, atmete aber nicht mehr. Ogiewa leistete sofort Erste Hilfe, bis schließlich der Rettungsdienst eintraf. Die Frau wurde wiederbelebt.

Was Zivilcourage bedeutet

Für ihr Eingreifen wurden alle vier Helfer mit dem Zivilcouragepreis des Kommunalen Präventionsrates ausgezeichnet, genau wie sechs weitere Bürger. "Zivilcourage kann auch darin bestehen, Hilfe zu organisieren und sich um die Opfer zu kümmern", erklärte Carsten Hoffmeyer, Direktor der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch in seiner Ansprache. Man müsse sich nicht zwangsläufig in Gefahr bringen.

Hoffmeyer betonte: "Zivilcourage kann von Menschen jeder Altersklasse und Herkunft gezeigt werden." Das zeigte nicht nur Linus, sondern zum Beispiel auch Ali Hasanain. Der Palästinenser verhinderte einen Raubüberfall.

Raubüberfall verhindert

Eigentlich wollte Hasanain am 13. Januar 2018 nur einkaufen im Netto an der Konrad-Adenauer-Allee. Doch dann bemerkte er, wie ein maskierter Mann eine Kassiererin mit einer Pistole bedrohte und Bargeld forderte. "Alle hatten Angst", erinnerte sich Hasanain. "Was kann ich machen?", habe er sich dann gefragt.

Foto: Nonstopnews

Seine sofortige Antwort: Er brachte den Täter zu Boden und entwaffnete ihn. Zusammen mit einer weiteren Person hielt er den Täter fest, bis die Polizei eintraf. Warum er sich das getraut hat? Hasanain vermutete, dass sein Beschützerinstinkt geweckt worden war. "Wenn man sieht, wie alle Angst haben – Frauen, Kinder..." Hasanain verhinderte damit laut Polizei nicht nur diese Straftat, sondern trug wohl auch zur Aufklärung weiterer Überfälle bei.

Kind vor Vater gerettet

Ebenfalls als Beschützer taten sich die Brüder Sofiane und Ousama Amrani sowie Rene Bischoff hervor. Sie kamen einem Kind zu Hilfe, das am 8. April 2018 von seinem psychisch kranken Vater in lebensgefährlicher Weise angegriffen wurde. Dem Kind wurde das Leben gerettet, der Vater kam in ärztliche Behandlung.

Als einzige geholfen

Doch es musste keine filmreife Aktion sein, um den Zivilcouragepreis zu bekommen. Das bewiesen Nurhan und Hüseyin Yalin. Das Ehepaar bemerkte am 9. Dezember 2018, wie ein Mann vor dem AOK-Gebäude nahe der Graft einen medizinischen Notfall in seinem Auto erlitt. Mit dabei war nur sein zweijähriger Enkel. Die Yalins waren nicht die einzigen, die das bemerkten, jedoch die einzigen, die halfen: Sie riefen den Notarzt, leisteten Erste Hilfe, nahmen den Enkel in Obhut – und retten so das Leben des Mannes.

Foto: Andreas Nistler

Genau um solche Taten ging es beim Zivilcouragepreis. "Wir wollen eine Kultur des Hinschauens fördern statt einer des Wegschauens", erklärte Oberbürgermeister Axel Jahnz während der Verleihung, die zum 18. Mal stattfand und pro Fall mit 250 Euro dotiert war.

Ein ganz besonderer Gast

Dass auch Angelika Franzkowski zu dieser kommen konnte, verdankte sie Linus und den drei anderen Helfern. Sie war die Autofahrerin, die gerettet wurde. Dafür war sie dankbar: "Gut, dass ich mein Leben noch so bewältigen kann, ohne Einschränkungen." Als sie damals erfahren habe, dass einer ihrer Retter erst acht Jahre alt war, sei sie besonders überrascht gewesen. Linus selbst versteht den Trubel nicht so ganz. Für ihn sei es ganz normal gewesen zu helfen, sagte er.


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