Gewebt und dreidimensional Textile Kunst auf der Delmenhorster Nordwolle

Von Kea Neeland


Delmenhorst. Die neue Ausstellung „Farbstoff“ im Nordwolle-Museum zeigt textile Werke des Künstler-Duos Barbara Esser und Wolfgang Horn. Vom 24. März bis zum 30. Juni sind die Arbeiten ausgestellt.

Delmenhorst ist eine alte Textilstadt. Das Nordwolle Museum ist eine ehemalige Garnfabrik und in den 1960ern war die Firma „Delmod“ eines der führenden Unternehmen für Kleidung in Europa. Die beiden Künstler Barbara Esser und Wolfgang Horn suchen sich für ihre Ausstellungen absichtlich Orte mit textiler Geschichte aus. So sind sie auf Delmenhorst aufmerksam geworden und stellen nun im Nordwolle Museum ihre Arbeiten unter dem Thema „Farbstoff“ aus. „Delmenhorst hat eine wichtige, textile Tradition. Deshalb passen die Kunstwerke sehr gut in die Nadelsetzerei des Nordwolle-Museums“, findet Carsten Jöhnk, Leiter des Museums.

Große Themenspannweite

Barbara Esser ist Textilkünstlerin. „Die Weberei ist eines der ersten Handwerke. Deswegen versuche ich, diese mit zeitgenössischen Themen zu kombinieren, wie die Pixel eines Computers“, sagt die Künstlerin. Mit Wolfgang Horn arbeitet sie schon seit 25 Jahren, und zusammen haben sie bereits über 80 Projekte realisiert. Horn ist Architekt und arbeitet dreidimensional. Auch Geometrie spielt bei seinen Kunstwerken eine große Rolle. Bei einem seiner Werke hat er 5000 bunte Nylonfäden, an denen normalerweise Etiketten oder Preisschilder hängen, an einer Leinwand befestigt. „Wir haben eine große Spannweite an verschiedenen Themen. Die letzte Arbeit ist vor zwei Monaten fertig geworden, die älteste ist von 1995“, so Horn.

Arbeitsaufwendige Werke

Alle Stücke seien sehr arbeitsaufwendig. Bevor Esser mit dem Weben beginnen könne, müsse sie erst 6000 Fäden per Hand aufziehen, Allein dieser Prozess ziehe sich teilweise über zwei bis drei Monate hin. Das sei der große Unterschied zu industriellen Webstühlen. Ihre gewebten Werke sind sehr nuancenreich und bestehen aus bis zu 120 Farben. „Da ist teilweise jeder Zentimeter eine neue Farbe“, so Esser. Die Besucher der Ausstellung fragen oft, wie die Herstellung funktioniere. „Deswegen habe ich mir eine GoPro auf den Kopf gesetzt und mich selbst beim Weben gefilmt“, erzählt Esser. „So ist der Web-Vorgang besser nachzuvollziehen.“ Dieser Film läuft auf einem Monitor in der Ausstellung. Auch Computer-animierte Filme zu textiler Kunst gibt es in der Ausstellung zu sehen.

Gegenseitige Inspiration

Das Künstler-Duo aus Düsseldorf inspiriert sich gegenseitig mit ihren Themen. Deswegen betiteln sie ihre Arbeiten auch nicht mit einzelnen Namen, sagt Esser, die 2007 den Staatspreis für das Kunsthandwerk in Nordrhein-Westfalen im Bereich Textil/Leder gewonnen hat. „Wir beflügeln uns gegenseitig, diskutieren und überlegen uns zusammen neue Aspekte.“

Die Ausstellung „Farbstoff“ eröffnet am 24. März, um 11 Uhr in der Nadelsetzerei im Nordwolle-Museum. Bis zum 30. Juni sind die Kunstwerke dort ausgestellt.


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