Zahl von Senioren nimmt zu Das Wohnen im Alter in Delmenhorst wird immer bedeutender

Wie wird sich die Stadt in einer alternden Gesellschaft verändern? Die Stadt Delmenhorst sieht künftig einen hohen Bedarf an barrierefreien Wohnungen. Symbolfoto: Oliver Berg/dpaWie wird sich die Stadt in einer alternden Gesellschaft verändern? Die Stadt Delmenhorst sieht künftig einen hohen Bedarf an barrierefreien Wohnungen. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Delmenhorst. Die Landbevölkerung wird immer älter, die in den Städten immer jünger: Diese Beobachtung hat kürzlich das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) in einer Studie veröffentlicht. Auch wenn Delmenhorst im Schnitt jünger ist als der Rest Deutschlands: Die Frage nach den Folgen des Alterns stellt sich auch hier.

Für Delmenhorst lässt sich zunächst die Tendenz festhalten, dass die Bevölkerung zwar altert, aber immer noch unter dem Durchschnittsalter im Bund liegt. So hatte das DIW 1995 ein mittleres Alter von 39,6 Jahren festgestellt, 2017 waren es 43,9 Jahre – eine durchschnittliche Alterung von 4,3 Jahren. Aber: Damals wie heute ist die Bevölkerung "leicht jünger geprägt als der Bundesdurchschnitt", hält die Stadt Delmenhorst auf Nachfrage fest, nämlich 0,3 Jahre. Das ist "für die Zukunftsfähigkeit der Stadt positiv zu bewerten", so Stadtsprecher Timo Frers. 

Jeder fünfte Delmenhorster ist älter als 65

Wie die Stadt bereits in ihrer kleinräumigen Bevölkerungsprognose festgestellt hat, waren die Zuwächse der ausländischen Einwohnerschaft in den vergangenen Jahren stark – besonders bei Kindern und bei Jugendlichen. Jeder sechste Delmenhorster ist Ausländer. Zugleich stieg der Anteil an Senioren. Mittlerweile überschreitet jeder fünfte Delmenhorster das Rentenalter von 65 Jahren, geht aus den Zahlen hervor. Und ihr Anteil wird zunehmen. Auf die Entwicklung weist auch die Stadt hin: 

  • Bis zum Jahr 2025 erwartet sie 820 zusätzliche Männer und Frauen zwischen 65 und 75 Jahren (heute: 8525).
  • Die der Zahl der Hochaltrigen ab 85 Jahren wird mit 1213 sogar noch stärker steigen (heute: 1932).

Mehr barrierefreie Wohnungen gebraucht

Diese Entwicklung stellt auch neue Anforderungen: "Viele dieser Menschen haben einen Unterstützungsbedarf im Alltag", hebt Frers hervor – und der wird sich auf die Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen oder Häusern auswirken. Diesen Aspekt nennt die Stadt auch im Wohnungsmarktbericht 2018. Die Zahl kleiner Haushalte mit ein bis zwei Personen werde "durch die Steigerung der Lebenserwartung bei älteren Menschen" zunehmen, heißt es da. 1000 zusätzliche barrierefreie Wohnungen peilt die Stadt bis 2025 als Zielvorgabe an – das macht fast ein Drittel des Gesamtbedarfs an neuem Wohnraum in den kommenden Jahren aus. Das Wohnen für Senioren in Delmenhorst wird also immer bedeutender. 

Ob die Ziele beim Wohnungsbau aber auch erreicht werden, ist eine andere Frage. Im Sommer 2018 hatte sich gezeigt, dass die Stadt ihrem eigenen Ziel von mindestens 200 Wohneinheiten im Jahr hinterherhinkt. Den schleppenden Wohnungsbau hatte auch die Lobbygruppe der Bauwirtschaft, das Verbändebündnis Wohnen, kritisiert. Umso mehr ruhen die Hoffnungen auf Bauflächen in Heidkrug, am Bremer Postweg oder auf dem Delmodgelände. Stadtsprecher Frers verweist bei den Seniorenwohnungen auch auf die städtische Wohnungsbaugesellschaft GSG, die zwischen 2012 und 2017 350 zusätzliche kleinere Wohneinheiten geschaffen hat.


Zwischen 2012 und 2017 hat die GSG in Delmenhorst 350 kleinere Wohnungen gebaut - wie hier an der Lerchenstraße. Weil die Bevölkerung altert, wird der Bedarf danach künftig zunehmen. Archivfoto: Marco Julius


Nahversorgungszentren sollen weite Wege vermeiden

Die Stadt ermuntert in Sachen Wohnraum Investoren oder Einzeleigentümer dazu, sich bei der Wohnraum- oder der Seniorenberatungsstelle beraten zu lassen. Dort wird der Zugriff auf Förderprogramme des Landes Niedersachsen vermittelt.

Mit Bezug auf junge Senioren zwischen 65 und 75 Jahren verweist die Stadt auf ehrenamtliche Tätigkeiten, für die sich diese Gruppe positiv für das Gemeinwohl einbringen könnte. Auch gebe es in der Stadt zahlreiche Vereine, religiöse Gemeinschaften oder ähnlichen Institutionen, die sich für hilfsbedürftige Senioren einsetzen. Eine Frage in einer alternden Stadt stellt sich auch nach der Versorgung mit Waren des alltäglichen Bedarfs. Hier nennt Frers unter anderem das Einzelhandelskonzept der Stadt, in dem neben der Innenstadt mit seinem Wochenmarkt, der auch als Treffpunkt für ältere diene, Nahversorgungszentren im gesamten Stadtgebiet geplant sind. Der Sinn dahinter sind auch die kurzen Wege: "Wege zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus", so die Stadt, sollen "möglichst gering" sein.


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