Arzt ohne Approbation tätig Betrugsverdacht gegen frühere Delmenhorster Zahnärzte

Von Ole Rosenbohm

Zwei ehemalige Delmenhorster Zahnärzte müssen sich derzeit vor dem hiesigen Amtsgericht wegen Betrugs verantworten. Das Verfahren könnte allerdings bald eingestellt werden. Foto: Matthias HiekelZwei ehemalige Delmenhorster Zahnärzte müssen sich derzeit vor dem hiesigen Amtsgericht wegen Betrugs verantworten. Das Verfahren könnte allerdings bald eingestellt werden. Foto: Matthias Hiekel

Delmenhorst. Zwei ehemalige Delmenhorster Zahnärzte müssen sich derzeit vor dem hiesigen Amtsgericht wegen Betrugs verantworten. Das Verfahren könnte allerdings bald eingestellt werden.

Sie sollen Rechnungen in sechsstelliger Höhe nicht bezahlt haben, zudem sei ihr gesamtes Geschäftsmodell unrechtmäßig: Zwei einst in Delmenhorst tätige Zahnärzte mussten sich in dieser Woche vor dem Amtsgericht wegen gemeinschaftlichen Betruges verantworten. Am Ende stand eine Art Kompromiss: Das Verfahren könnte mit der Maßgabe an die Angeklagten eingestellt werden, alle Schulden zurückzuzahlen.

Praxis-Betrieb ohne Approbation

Die angeklagten Männer, 59 und 52 Jahre alt, hatten zusammen laut Staatsanwaltschaft eine Praxis betrieben, hätten das aber gar nicht tun dürfen. Denn der 52-Jährige besaß keine Approbation, hätte also  gar nicht tätig sein dürfen – jedenfalls nicht in Deutschland. Der Niederländer ist nur in seinem Heimatland zugelassen. Dem angeblichen Geschäftsmodell wonach der 52-Jährige Angestellter des 59-Jährigen sei, schenkte die Staatsanwaltschaft keinen Glauben: Beide hätten eine gleichberechtigte Geschäftsbeziehung gehabt. Auch wenn der 59-Jährige immer mit den Kassen abgerechnet hatte.

Das viele Geld, das sie einer Bremer Zahntechniker-Firma, mit der sie zusammengearbeitet haben sollen, schuldeten, häufte sich von Ende 2014 bis September 2015 auf. 176 Aufträge bearbeiteten die Bremer. Weil Zahlungen aus Delmenhorst ausblieben, summierten sich 122.000 Euro auf. Die Zahnärzte aber ließen sich auch danach nur unter äußerstem Druck zu Überweisungen bewegen, etwa nach mehrfachen Mahnungen. Noch heute sollen 84.000 Euro offen sein.

Angeklagte bestreiten den Betrug

Vor Gericht nun bestritten die beiden Angeklagten einen Betrug. Sie hätten ja bezahlt, sagten sie. Aber ungeklärt war, wer von beiden wie viel. Weil offenbar niemand in diesem Streit beigeben wollte, blieben die Rechnungen liegen. Eine kluge Aussage: Mit ihr säten die Zahnärzte durchaus Zweifel am Betrugsvorsatz.

Die Richterin im Delmenhorster Amtsgericht fand nun eine Verfahrenslösung, die alle Beteiligten zufrieden machen könnte: Einstellung des komplizierten Prozesses gegen die Auflage an die Angeklagten, innerhalb von sechs Monaten die Schulden an die Bremer Firma zu bezahlen. Geschieht das nicht, werde das Verfahren wieder neu aufgenommen. Zudem müssen beide jeweils zusätzlich 3000 Euro an die Staatskasse zahlen.


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