Benachteiligte Familien im Blick Delmenhorster Netzwerk „Gesund und bunt“ startet durch

Wollen die gesundheitliche Situation von benachteiligten Familien verbessern (v.li.): Anna Stumpe, Steffen Motzkus und Dr. Johann Böhmann vom Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung (DIG). Foto: Marco JuliusWollen die gesundheitliche Situation von benachteiligten Familien verbessern (v.li.): Anna Stumpe, Steffen Motzkus und Dr. Johann Böhmann vom Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung (DIG). Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Gesundheitsförderung und Prävention hat das Delmenhorster Netzwerk „Gesund und bunt“ im Blick. Gerade benachteiligte Familien aus drei Stadtteilen rücken dabei verstärkt in den Fokus.

Wenn Dr. Johann Böhmann, ehemaliger Chef der Kinderklinik, ruft, dann findet das noch immer Gehör. Nicht nur als Leiter des Delmenhorster Instituts für Gesundheitsförderung (DIG) ist Böhmann noch immer ein Netzwerker, der Strippen zieht. Das zeigt sich auch mit dem noch taufrischen Netzwerk „Gemeinsam in Delmenhorst. Gesund und bunt“, das seit 2017 daran arbeitet, die gesundheitliche Situation von benachteiligten Familien zu verbessern. Und so las sich die Teilnehmerliste des Netzwerker-Treffens in den Räumen des DIG wie ein „Who is who“. Über 30 Akteure aus verschiedensten Bereichen der Stadt waren dabei. Integrations- und Bildungsarbeiter, Polizei, Verwaltung, Mediziner unter anderen – und vor allem Vertreter der Nachbarschaftsbüros Wollepark, Düsternort und Hasport, denn denen kommt in dem Netzwerk eine ganz besondere Rolle zu, wie Projektkoordinatorin Anna Stumpe vom DIG erläuterte.

 Nachbarschaftsbüros als Anlaufstelle

„Wir möchten die Nachbarschaftsbüros als Anlaufstelle für Familien bei Fragen zur Gesundheitsförderung und Prävention etablieren“, sagte Stumpe. Aber braucht es wirklich ein neues Netzwerk? Ist Delmenhorst nicht längst eine Stadt der Netzwerke? Stumpe machte klar, dass es in Stadt bereits viele Angebote gibt, doch seinen nicht alle untereinander vernetzt. „Wir wollen den professionellen Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren, die zu Gesundheitsförderung und Prävention für Familien beitragen, etwa aus dem Bereichen Sport, Medizin oder soziale Arbeit, intensivieren“, sagte Stumpe. Die Nachbarschaftsbüros könnten dabei eine Schnittstelle werden, als zentrale und gut erreichbare Anlaufstelle, etabliert im Stadtteil. Von dort könnten Familien je nach Bedarf an die richtige Stelle verwiesen werden.

Mit Interviews Basis gelegt

Im vergangenen Jahr hat Stumpe mit dem Team der DIG mit über 30 Familien aus den Stadtteilen gesprochen. Dazu kamen Interviews mit über 25 Fachleuten. Die Antworten liefern nun die Basis. „Wir haben erfahren, welche Angebote es gibt, welche bekannt sind, welche angenommen werden, wo Hemmschwellen liegen“, berichtete Stumpe. Und gerade die Antworten der Familien hätten gezeigt wie wichtig Nachbarschaft ist – und wie wenig wohl sich die Familien oft in ihrer Nachbarschaft fühlen. „Nachbarschaft tickt anders, gerade im Wollepark, in Düsternort und in Hasport. Viele Familien erleben das nicht als Wohlfühlzone. Wir wollen in einem ersten Schritt dafür sorgen, dass die Menschen ein positives Bild von ihrer Nachbarschaft bekommen“, betonte Stumpe. Wöchentliche Spielspaziergänge für Familien, Entdeckungstouren mit Bewegung Spaß, ausgehend von den Nachbarschaftbüros, sollen Familien dabei helfen, sich in ihrer Umgebung zu orientieren. „Familien können alltagstaugliche gesunde Verhaltensweisen wohnortnah und niedrigschwellig kennenlernen“, sagte Stumpe. Die Spaziergänge sollen auch dazu dienen, Orientierung zu bieten, welche Angebote zur Gesundheitsförderung und Prävention direkt in der Nachbarschaft genutzt werden können.

Gesundheitsprävention soll keine Frage des sozialen Status bleiben. Das will nicht nur Böhmann. Das Netzwerk „Gesund und bunt“ dürfe deshalb gern weiter wachsen. Das nächste Netzwerktreffen steht am Mittwoch, 22. Mai, in der Zeit von 15.30 bis 17 Uhr in den Räumen des DIG im Jute-Center, Weberstraße, an.


"Gesund und bunt"

Weitere Informationen zum Projekt unter www.d-i-g.de oder unter (04221) 9813833.

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