Bilanz der Kultur Delmenhorst Riesen-Nachfrage in Bücherei, Museum oder Haus Coburg

Vor allem die Stadtbücherei Delmenhorst hatte 2018 mit dem Gewinn des Titels "Vorlesestadt" etwas zu feiern. Foto: dpaVor allem die Stadtbücherei Delmenhorst hatte 2018 mit dem Gewinn des Titels "Vorlesestadt" etwas zu feiern. Foto: dpa

Delmenhorst. Die Kulturschaffenden Delmenhorsts haben ihre Bilanz 2018 der Stadtpolitik vorgestellt. Tenor: Wir brauchen mehr Leute.

Anerkennend zur Kenntnis genommen hat der Bildungs- und Kulturausschuss der Stadt die Berichte der städtischen Kultureinrichtungen in seiner vergangenen Sitzung. Fast allen diesen Berichten von Kulturbüro, Stadtbücherei, Medienpädagogischem Zentrum, Musikschule, Nordwolle-Museum, Archiv und Galerie war eine Sache gemein: Sie pochen darauf, dass sie ausgelastet sind, alle Personalstellen unbedingt erforderlich sind -- und man durchaus mehr brauchen könnte.

209 Nutzungstage im Kleinen Haus

Ann-Katrin Albers vom Kulturbüro blickt auf 209 Nutzungstage im Theater Kleines Haus zurück und 26 Veranstaltungen, organisiert mit einem zwei Personen starken Team. Dabei war das Team vorübergehend kleiner geworden: Eine Mitarbeiterin fiel durch eine Weiterbildung aus. Zu den Höhepunkten des Jahre 2018 zählten beispielsweise die "Burginselträume", das 29. Jazzfest oder der Zeitzeugen-Bericht von Anita Lasker-Walfisch.

Stadtbücherei weit über dem Soll

Ein "außerordentliches Erfolgsjahr" vermerkte Anika Schmidt, Leiterin der Stadtbücherei. 266 Veranstaltungen hatte es 2018 gegeben (228 im Vorjahr) und 209.768 Ausleihen (192.190 im Vorjahr). Die am stärksten genutzte Abteilung ist die Kinder- und Jugendbücherei. 180 Veranstaltungen müsste eine Bücherei der hiesigen Größe laut einer Fachrichtlinie im Jahr schaffen. Schmidt verbuchte 266. Besonders stolz könne man auf den Titel "Außergewöhnliche Vorlesestadt" sein, den man im Herbst gewonnen hatte. Gut gearbeitet habe man auch im Medien-Pädagogischen Zentrum (MPZ). Dort habe man die Veranstaltungszahl bei gleichbleibenden personellen Kapazitäten (27,5 Wochenstunden) fast verdoppelt. Geplant ist, die Arbeit der Stadtbücherei und des MPZ künftig mehr zu vernetzen.

Mehr Schüler in der MSD

Trotz einer Entgelterhöhung sei das Jahr für die Musikschule Delmenhorst (MSD) ein Jahr des Wachstums gewesen, resümierte MSD-Chef Michael Müller. Die Gesamtschülerzahl hatte sich von 1780 im Jahr 2017 auf 1851 im Folgejahr erhöht. Es gab etwa 300 Unterrichtsstunden mehr. Als "misslich" merkte Müller aber an, dass das Verhältnis von Honorarkräften (58 Prozent der Mitarbeiter) zu fest angestellten Kräften (42 Prozent) schlecht sei. Im Personal-Wettbewerb mit anderen Einrichtungen werde es so immer schwerer fallen, Mitarbeiter zu gewinnen.

Viele Einzelbesucher im Museum

Hohe Besucherzahlen verzeichnete das Nordwestdeutsche Museum für Industriekultur: 17.405 Besucher seien es 2018 gewesen, so Museumsleiter Dr. Carsten Jöhnk. Diese Zahl geht vor allem auf viele Einzelbesucher zurück. Höhepunkte des Jahres seien unter anderem das beim Museum verankerte Projekt "Mitschnitt Delmenhorst – Tonspuren einer Stadt", Delmenhorst als 37. Niedersächsischer "Frauenort" mit Nordwollearbeiterin Ruth Müller oder das Projekt "Hayat/Leben – Treffpunkt Nordwolle", bei dem ein tunesischer Journalist unter anderem ein deutsch-arabisches Radioprogramm produziert.

Personalmangel führt zu Überlieferungsverlusten

Besonders Personal- und Sachbudgetmangel im Archiv beklagte Stadtarchivar Christoph Brunken. Altlasten und Sanierungsbedarf würden sich so mittelfristig nicht auflösen, vor allem parallel zum operativen Alltagsgeschäft. Das führe zu Überlieferungsverlusten, Erschließungsmangel und Lücken im Brand- und Sicherheitsschutz.

"Wir haben Hölle Nachfrage"

Dr. Annett Reckert blickte auf das Jahr aus Sicht der Städtischen Galerie zurück. Die Leiterin des Hauses Coburg sah mit zwei großen Ausstellungen in beiden Gebäuden, drei Einzelausstellungen in der Villa und drei eigenständigen Präsentationen eine breite Palette von Veranstaltungen, die viel Interessierte gefunden haben. 9831 Menschen hätten das Haus Coburg besucht. Reckert. "Wir haben Hölle Nachfrage. Wir sind am Limit. Und man müsste über den Stellenplan nachdenken."





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