"ProKindertagespflege" soll helfen Tagesmütter kritisieren schlechten Austausch mit der Stadt

Frauke Wöhler, Diana Taubitz, Melanie Vorbröcker, Astrid Grotelüschen und Dorothea Stelljes-Szukalski tauschen sich über Kindertagespflege in Delmenhorst aus. Foto: Christopher BredowFrauke Wöhler, Diana Taubitz, Melanie Vorbröcker, Astrid Grotelüschen und Dorothea Stelljes-Szukalski tauschen sich über Kindertagespflege in Delmenhorst aus. Foto: Christopher Bredow
Christopher Bredow

Delmenhorst. Tagesmütter und -väter aus Delmenhorst klagen über eine zu schlechte Kommunikation untereinander und mit der Stadt. Das Bundesprogramm "ProKindertagespflege" soll nun zur Verbesserung beitragen.

"Die Kindertagespflege ist keine Notlösung", sagt Tagesmutter Melanie Vorbröcker aus Delmenhorst und zählt die Vorteile auf, die die Betreuung von Kindern in einer kleineren Gruppe mit sich bringt: "Man hat viel mehr Zeit, sich um jedes einzelne Kind zu kümmern und auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen." Auch die Ansprüche der Eltern könnten besser bedient werden. Denn anders als in Krippen, in denen Kinder in größeren Gruppen betreut werden, kümmern sich private Tagesmütter und -väter maximal um fünf Kinder gleichzeitig. "Man merkt, dass die Nachfrage nach einer Kindertagespflege da ist", erklärt Vorbröcker mit Blick auf etwa 380 Kinder, die in der Stadt derzeit in der Tagespflege betreut werden: "Es gibt noch immer viel zu wenige Plätze."

Delmenhorster Tagesmütter und -väter gründen Interessengemeinschaft

Trotz ihrer Bedeutung hat die Kindertagespflege gerade in Delmenhorst mit einigen Problemen zu kämpfen. Im September hat Vorbröcker gemeinsam mit Diana Taubitz und drei weiteren Tagesmüttern und -vätern eine Interessengemeinschaft für Kindertagespflegepersonen in Delmenhorst gegründet, um deren Anliegen gegenüber der Stadt zu vertreten. (Lesen Sie hier: Beitragsfreie Kindertagespflege in Delmenhorst.)

Derzeit gibt es in Delmenhorst etwa 55 aktive Kindertagespfleger, die allerdings viel zu oft Einzelkämpfer sind, wie Taubitz beklagt: "Die Kommunikation untereinander für eine Zusammenarbeit und einen Erfahrungsaustausch ist nicht gegeben." Bei Fragen würden sich viele Tagesmütter und -väter oft einzeln an das zuständige Familien- und Kinderservicebüro der Stadt wenden, ein allgemeiner Austausch fehle aber.  (Lesen Sie hier: Buntes Programm beim Delmenhorster Kindersommer.)

Kommunikation und Vertretungsregelung müssen verbessert werden

Dabei sei gerade das notwendig, um die Kindertagespflege zu verbessern. "Vor allem die Vertretungsregelung, wenn man selbst ausfällt, muss verbessert werden", fordert Vorbröcker. Hier sei die Stadt in der Verantwortung, die Kindertagespfleger besser miteinander zu vernetzen. Mehr Unterstützung wünschen sich die beiden Tagesmütter auch beim Umgang mit den oft anspruchsvollen Eltern: "Wirklich anstrengend sind gar nicht die Kinder, sondern die Eltern", sagt Taubitz. Eine Beratung durch ausgebildete Sozialpädagogen sei dabei oft wünschenswert, doch die gebe es derzeit nicht. Nicht zuletzt sei auch die Entlohnung von 4,50 Euro pro Kind und Stunde noch nicht ausreichend.

Bundesprogramm soll der Kindertagespflege helfen

Diese Probleme sollen nun mit dem kürzlich gestarteten Bundesprogramm "ProKindertagespflege" angegangen werden, an dem sich Delmenhorst als eine von 43 Kommunen beteiligt. Mit insgesamt 425 000 Euro wird die Kindertagespflege in Delmenhorst in den kommenden drei Jahren unterstützt, um die Qualifizierung der Kindertagespflegepersonen zu verbessern, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen und die Zusammenarbeit untereinander zu verbessern. Das erklärte die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen in einem Gespräch mit den beiden Tagesmüttern: "Wir wissen, dass ein großer Informationsbedarf da ist und die Kommunikation verbessert werden muss."

Konkret soll in Delmenhorst mit dem Geld eine neue Stelle besetzt werden, die den Austausch zwischen dem Servicebüro und den Kindertagespflegern koordinieren und Vertretungen regeln soll. Die Qualifikation der Tagesmütter und -väter soll durch eine Verlängerung der Ausbildung von 200 auf 300 Stunden verbessert werden. "Auch das Thema Elternarbeit und die Entlohnung haben wir im Blick", verspricht Grotelüschen.  (Lesen Sie hier: Betreuungsqualität in Niedersachsens Kitas verbessert.)

Tagesmütter erhoffen sich Verbesserungen

Die Stadt müsse nun zeitnah ein Konzept für die Verwendung der Fördermittel entwickeln. Vorbröcker und Taubitz versprechen sich viel von dem Programm: "Für die Kindertagespflege ist das eine große Chance." Die beiden Tagesmütter erhoffen sich davon auch, mehr Menschen von der Arbeit als Kindertagespfleger überzeugen zu können: "Der Bedarf ist auf jeden Fall da", sagt Vorbröcker.


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