Zukunftswerkstatt Schüler besuchen Delmenhorster Firma Reifen Günther

Auf Einladung von „Zwaig“ haben sich sieben Schüler der Oberschule Süd sowie des Förderzentrums Ganderkesee im Unternehmen Reifen-Günther über den weniger bekannten Beruf des Mechanikers für Reifen- und Vulkanisationstechnikers informiert. Foto: Bettina Dogs-PrösslerAuf Einladung von „Zwaig“ haben sich sieben Schüler der Oberschule Süd sowie des Förderzentrums Ganderkesee im Unternehmen Reifen-Günther über den weniger bekannten Beruf des Mechanikers für Reifen- und Vulkanisationstechnikers informiert. Foto: Bettina Dogs-Prössler

Delmenhorst. Sieben Schüler haben sich über den Beruf des Mechanikers für Reifen- und Vulkanisationstechnik informiert. Organisiert wurde der Rundgang von der privaten Ausbildungsinitiative „Zwaig“.

Mit diesem Beruf könnten die Schüler ihre Autoreifen künftig selbst flicken: Sieben Schüler der Oberschule Süd sowie des Förderzentrums Ganderkesee haben sich gestern Vormittag bei einem Rundgang durch das Reifenunternehmen Reifen-Günther über die Ausbildung zum Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik informiert. Organisiert wurde die Betriebsbesichtigung von der „Zukunftswerkstatt Ausbildungsinitiative (Zwaig).

Beruf relativ unbekannt

„Der Ausbildungsberuf des Mechanikers für Reifen- und Vulkanisationstechnik ist in Deutschland relativ unbekannt“, schilderte Simon Harenbrock, Geschäftsführer des 24 Standorte umfassenden Unternehmens. Dabei handele es sich tatsächlich um einen sehr abwechslungsreichen Beruf. Fast niemand, der irgendwas mit Reifen fährt, kommt um ihn herum. „Wir kümmern uns um alles was rollt“, sagte Hagenbrock zu den sieben Jungen, die alle kurz vor ihrem Schulabschluss stehen.

Kerngeschäft sei mit Lkw-Reifen jedoch der gewerbliche Bereich. Montage, Erneuerung, Reparatur, Achsenvermessung, Auswuchten, Spureinstellen – „der Beruf ist weit mehr als einfach nur Reifen auf- und wieder abziehen“, meinte Tobias Lücke, Leiter der Niederlassung Delmenhorst. Fast schon poetisch sagte er: „Ein Reifen lügt nicht. Jeder einzelne kann eine Geschichte erzählen – und als Monteure sind Sie in der Lage, die zu lesen.“

Nachwuchs fehlt

Trotzdem fehlt es auch diesem Bereich an Nachwuchs. „Es ist schwierig Fachkräfte zu finden. Der Weg führt da nur über Ausbildung“, so Harenbrock. Mit einem Ausbildungsgehalt von 550 Euro im ersten Lehrjahr zahle der Betrieb deutlich über Tarif, darüber hinaus werde auch Wert auf die persönliche Begleitung der Jugendlichen gelegt. Harenbrock: „Uns geht es auch darum, den Reifeprozess der jungen Menschen zu unterstützen.“

Weil die gewerblichen Berufe bei den Jugendlichen derzeit offenbar keinen guten Ruf genießen, setzen die Verantwortlichen von Zwaig ihren Schwerpunkt aktuell auf die Ausbildungsberufe aus dem Handwerk. „Um zu zeigen, dass Berufe aus diesem Bereich sehr attraktiv sein können“, schilderte Zwaig-Vorsitzende Jutta Lotze-Scherb. Zusätzlich werden Berufe vorgestellt, die weniger bekannt seien. „Gerade solche haben eine gute Perspektive für die Zukunft.“

Einstiegsgehalt liegt bei 2100 Euro

Laut Simon Harenbrock können Mechaniker für Reifen- und Vulkanisation nach der Ausbildung mit einem Einstiegsgehalt von etwa 2100 Euro rechnen. Voraussetzung für den Beruf sei ein Hauptschulabschluss. „Wobei das Zeugnis eine zweitrangige Rolle spielt. Wichtiger ist uns, dass die Person Interesse an der Materie zeigt und motiviert bei der Arbeit ist“, so Harenbrock.

Der theoretische Teil der Ausbildung findet im Blockunterricht in Burgdorf bei Hannover statt, zusätzlich werden jährliche Fortbildungen in München angeboten. Für den Beruf sollten Bewerber ein gewisses technisches Verständnis und die Lust zur körperlichen Arbeit mitbringen. „Leider ist die Bereitschaft, sich bei der Arbeit die Hände schmutzig zu machen, nicht mehr da“, bedauerte Simon Harenbrock. Gleiches berichtete Jutta Lotze-Scherb: „Es ist schwierig geworden, junge Leute für den gewerblichen Bereich zu motivieren.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN