Delmenhorster kämpft Mit Bodybuilding gegen Multiple Sklerose

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Der Delmenhorster Bodybuilder Andreas Oestmann ist 2016 unter den Top 10 der Wahl zu Mister Universum gelandet. Sport ist ihm wichtig für seine Gesundheit. Foto: Sascha Sebastian RühlDer Delmenhorster Bodybuilder Andreas Oestmann ist 2016 unter den Top 10 der Wahl zu Mister Universum gelandet. Sport ist ihm wichtig für seine Gesundheit. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Eine Diagnose veränderte das Leben des Delmenhorsters Andreas Oestmann. Nach harter Arbeit erreichte der Bodybuilder mit 45 Jahren den zehnten Platz bei der Wahl zu Mister Universum. Viel wichtiger ist ihm die Bedeutung für seine Gesundheit.

Es geht Andreas Oestmann allein um die Ehre, als er 2016 bei der Wahl zu Mister Universum antritt. „Ich wusste, ich kann nicht viel schaffen.“ 369 durchtrainierte Athleten aus 27 Nationen sind dabei. „Japan, Argentinien, Israel - das war der Wahnsinn.“ Erst seit zwei Jahren machte der Delmenhorster wieder aktiv Sport, eine Diagnose – Multiple Sklerose – hatte sein Leben wie er es kannte, völlig auf den Kopf gestellt. Der Bodybuilder trainierte hart, wurde in seiner Klasse "Athletik over 40" erst Norrddeutscher Meister und dann Deutscher Meister. 



Durch den Sieg qualifizierte er sich für den nächsten Wettkampf. „Bei der Wahl zu Mister Universum gibt es aber keine Klasse über 40“, betont der heute 47-Jährige. Somit tritt er jetzt zusammen mit jungen Männern auf die Bühne. Jede Muskelpartie wird genau begutachtet. Immer sechs Teilnehmer müssen posieren, werden bewertet. „Man dreht sich im Kreis, macht sieben Vergleichsposen, eine für jede Muskelgruppe“, erklärt Oestmann. Die Bewertungen laufen den ganzen Nachmittag. Er trinkt keinen Tropfen Wasser, um die Konturen seiner Muskeln sichtbarer zu machen. Am Ende macht er den zehnten Platz. „Alle in den Top 10 waren jünger. Ich war sehr überrascht, das war so schön.“ 

Der Delmenhorster Bodybuilder Andreas Oestmann ist mit über 40 Jahren Zehnter bei der Wahl zu Mister Universum geworden. Foto: BBpix.de


Für den durchtrainierten Oestmann ist der Sport ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. „Es geht mir nicht darum, am Strand schön auszusehen und schicki micki. Sport ist für mich die einzige Medizin für meine Krankheit“. Ohne Sport komme er keine Treppe runter. „Mein Fuß ist seit 2009 wie eingeschlafen. Ich konnte auf einem Bein nicht richtig stehen. Nach sechs Monaten Training konnte ich einbeinige Kniebeugen machen.“ Durch die Nervenkrankheit MS musste er seinen Job im Schichtdienst aufgeben. Therapien machten ihn depressiv, seine Gesundheit verschlechterte sich, sein Traum, Erzieher zu werden platzte, ebenfalls aufgrund seiner Erkrankung. „Ich hatte schon ein Praktikum im Kindergarten.“

Sport hält ihn beweglich

Doch der Sport rettete ihn gleich in doppelter Hinsicht: Vergangenes Jahr machte er sein Hobby zum Beruf und übernahm das Fitnessstudio Fit & Chic an der Jägerstraße. „Die Therapien bieten nur Schutz vor neuen Schüben. Sport hält mich beweglich.“ Da der Krankheitsverlauf aber bei jedem anders ausfalle wisse er auch, dass Sport kein Allheilmittel für MS-Patienten sei.

Andreas Oestmann trainiert vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Über sportliche Erfolge freut er sich trotzdem. Foto: Fit & Chic

Perfekte Konturen statt Muskelberge

Im Eingangsbereich fällt der Blick der Besucher gleich auf eine Bildergalerie. Broncefarbig eingeölte Muskelmänner und -frauen verschiedener Altersklassen präsentieren das Ergebnis von harter Arbeit mit Geräten und Gewichten. Oestmann hat einige Erfolge als Amateur vorzuweisen: 2001 Deutscher Meister und dritter Platz bei der Weltmeisterschaft, 2002 Platz 4 bei der Weltmeisterschaft. 2005, im letzten Jahr seiner sportlichen Erfolge, bevor er sich nebenbei als Rockmusiker probierte, erreichte er Platz sieben bei der Wahl zu Mister Universum. „In meiner Klasse geht es nicht um Muskelmasse sondern um Symmetrie“, betont Oestmann. Die Partien sollen definiert und ästhetisch aussehen. 

Heute unterstützt Oestmann vor allem andere beim Training und bei der Vorbereitung auf Wettkämpfe. Seit vergangenem Jahr betreibt er das Fitnessstudio Fit & Chic in Delmenhorst. Foto: Fit & Chic


„Man versucht mit dem Training, die Schwächen des Körpers auszugleichen.“ Dabei sei die Abstimmung von Training und sich täglich ändernden Ernährungsplänen eine Wissenschaft für sich. „Es gibt Profis, die trinken 40 Stunden nichts, das kann ich bei meinen Jungs nicht verantworten“, betont er. Bodybuilding sei ein Extremsport. Seine Jungs, das sind die Wettkämpfer, die er in Delmenhorst trainiert und für Wettkämpfe vorbereitet. Auch Frauen bereitet er vor, für die sogenannte Bikiniklasse. Ebenfalls nicht verantworten könne er, darauf angesprochen, illegale Substanzen. „Das ist kein Klischee. In manchen Klassen ist es schwer, solche Muskelmassen ohne Mittel zu erreichen. Da hat sich aber viel getan. Unter anderem gibt es Klassen wie meine. Da hat man auch ohne Chemie eine Chance.“ Allerdings finde er es schade, dass dieser Sport immer mit diesem Thema in Verbindung gebracht werde.

Komplizierte Ernährung für starken Eindruck

Er arbeite sauber mit der genau richtigen Mischung aus Kohlenhydraten, Salz, Wasser oder auch verschiedenen Tees. „Das ist wie eine Wissenschaft“, betont der Bodybuilder. „Man spricht oft von Entwässern, aber es geht ums Umwässern.“ Es gehe darum, das Wasser für einen kurzen Zeitraum von der Haut in den Muskel zu bekommen.

Schwarzenegger bleibt Vorbild für viele

Nervt es als Bodybuilder, immer mit Mister Universum von 1967, Arnold Schwarzenegger, verglichen zu werden? „Das sind noch immer die großen Vorbilder für uns. Obwohl das für mich immer eher Sylvester Stallone war, auch wenn er keine Wettkämpfe bestritten hat“, findet Oestmann. Viel größere Vorbilder erlebe er aber täglich in seinem Fitnessstudio. „Morgens trainieren hier die Senioren von 70 bis 87. Das sind für mich Vorbilder, die in dem Alter noch dreimal die Woche kommen.“ Unter anderem auch seine Mutter, die sich gerade durch Sport von einer Operation erholt. „Das tut ihr gut“, betont Andreas Oestmann. Sport ist für ihn Medizin.



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