Workshops am Gymnasium Max-Planck-Gymnasium hält Holocaust-Erinnerung bei Schülern wach

In einem Rap-Workshop mit dem Rapper Kutlu Yurtseven (links) haben die Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums eigene Texte zu selbst gewählten Themen entwickelt. Foto: Christopher BredowIn einem Rap-Workshop mit dem Rapper Kutlu Yurtseven (links) haben die Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums eigene Texte zu selbst gewählten Themen entwickelt. Foto: Christopher Bredow

Delmenhorst. In verschiedenen Workshops haben sich Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums der Erinnerung an den Holocaust genähert. Dabei wurde es auch musikalisch.

Der Holocaust rückt zeitlich zwar in immer weitere Ferne, doch die Erinnerung an den nationalsozialistischen Völkermord an sechs Millionen Juden soll auch bei jungen Menschen wachgehalten werden. Dieser Überzeugung ist Sarah Mänz vom Max-Planck-Gymnasium, die in diesem Jahr für die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse Workshops zu diesem für Jugendliche oft schwierigen Thema koordiniert hat: "Als Schule haben wir die Verantwortung, die jungen Menschen demokratisch zu bilden und eine Gedächtniskultur zu etablieren", sagt Mänz. (Elternkolumne: Wie erkläre ich einem Kind den Holocaust?)

Holocaust-Überlebende berichtet am Maxe über Erfahrungen

Angelehnt war der Workshop-Tag an den Besuch der deutsch-jüdischen Auschwitzüberlebenden Esther Bejarano am Maxe. Die 94 Jahre alte Zeitzeugin hält öffentliche Vorträge und gibt gemeinsam mit der Kölner Band "Microphone Mafia" Konzerte, um aus ihren Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu berichten. Am Donnerstagabend, 7. Februar, hält Bejarano ab 19 Uhr auch im Kleinen Haus in Delmenhorst einen Vortrag, auf den sich die Neuntklässler des Maxe am Vormittag vorbereitet haben. "Wir wollten den Auftritt der Holocaust-Überlebenden mit einer modernen Umsetzung begleiten, um diese dunkle Zeit in die Lebenswelt der Jugendlichen zu holen", erklärt Mänz.

Sechs Workshops zum Thema Holocaust

Dafür gab es für die Schüler die Möglichkeit, sich in sechs verschiedenen Workshops der NS-Zeit im heutigen Kontext zu nähern. Unter anderem konnte ein Film gedreht werden, für den sich die Teilnehmer in die Zukunft begeben und eine Nachrichtensendung aus dem Jahr 2049 erstellen sollten, in der auf wichtige Ereignisse aus dem Jahr 2019 verwiesen wird. Auch in der Artistik und Tontechnik konnten sich die Schüler ausprobieren. Eine weitere Gruppe dokumentierte den Tag mit Videos und Bildern.

Außerdem wurde ein Stadtrundgang angeboten, auf dem die Schüler erfahren konnten, was den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Delmenhorst während der NS-Zeit zugestoßen ist. Unter anderem ging es dafür zur ehemaligen Synagoge in der Cramerstraße, um den Schülern zu zeigen, dass es auch in Delmenhorst Ausgrenzung und Gewaltaktionen gegen Juden gab. (Gedenktag für Nazi-Opfer: Delmenhorst als Umschlagplatz für von Juden geraubte Güter.)

Die Gedenktafel an der Cramerstraße erinnert an die Synagoge der jüdischen Gemeinde, die dort zwischen 1928 und 1938 beheimatet war. Foto: Christopher Bredow

Schüler rappen eigene Texte

Selbst aktiv werden konnten die Neuntklässler zudem in einem Rap-Workshop mit den Rappern Kutlu Yurtseven von der "Microphone Mafia" und Moritz Grenz von der Projektgruppe "Circus im Nationalsozialismus" (CiNS) der Zirkusschule Seifenblase aus Oldenburg, die die Schüler am Morgen in einer Lesung über das Leben der verfolgten jüdischen Zirkusartistin Irene Bento in das Thema einführte. "Hier können die Jugendlichen völlig frei ausprobieren, wie sie ihre eigenen Gedanken schriftlich ausdrücken können", erklärt Grenz. Gerade der Rap eigne sich dafür gut, ergänzt Yurtseven: "Man braucht einfach nur einen Beat, Papier und Stift, um sich künstlerisch mitzuteilen."

Etwa 25 Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, einen eigenen Rap zu schreiben. Das Thema war dabei nicht vorgegeben: "Das wäre nicht authentisch", sagt Grenz. So konnte alles gerappt werden, was den Jugendlichen unter den Nägeln brannte – von Freundschaft und Vertrauen bis Sozialkritik war alles dabei. (Lesen Sie hier: Holocaust-Gedenken an der "zerrissenen Wand" in Ganderkesee.)

Der Neuntklässler Ole ging auch auf den Holocaust ein: "Ich habe das ein wenig auf die heutige Zeit gemünzt und bin darauf eingegangen, dass es auch heute wieder solche Tendenzen gibt und man etwas dagegen tun muss", erklärt er. Insgesamt findet der Schüler es gut, dass es ein solches Workshop-Angebot zu dem Thema gibt: "Ich würde mir wünschen, dass das zum Beispiel in einer Projektwoche noch mehr zur Sprache kommt."

Tatsächlich trauten sich Ole und einige seiner Mitschüler, ihre Texte auch vor der ganzen Gruppe zu präsentieren – obwohl die meisten von ihnen noch nie zuvor gerappt hatten. "Probiert es einfach, was kann schon passieren? Egal was ihr geschrieben habt, es ist euer Text", erklärt Yurtseven den Teilnehmern. Genau das mache den Rap aus: Laut des Rappers gibt es kein "falsch" und jeder – egal welcher Herkunft – könnte sich darüber ausdrücken. Auch das lernten die Schüler in dem Workshop.


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