Kleines Haus Schlagerrevue nimmt Delmenhorster auf Zeitreise in die 70er mit

Von Jasmin Johannsen

Mit Schlaghose und fragwürdigem Haarschnitt: Die Schlagerrevue „Karamba!“ verbreitete am Sonntag im Kleinen Haus das pure Gefühl der Nostalgie. Foto: Jasmin JohannsenMit Schlaghose und fragwürdigem Haarschnitt: Die Schlagerrevue „Karamba!“ verbreitete am Sonntag im Kleinen Haus das pure Gefühl der Nostalgie. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. „Nostalgie pur“ wurde am Sonntagabend im Kleinen Haus geboten: Vor beinahe ausverkauften Reihen gastierte auf der Bühne das Hamburger Schmidt-Theater mit seiner 70er Jahre Schlagerrevue „Karamba!“.

Auf eine Reise in die Zeit als verheiratete Paare sich noch „Mutti“ und „Vati“ nannten, um 23 Uhr Sendeschluss war und sonntags generelles Fahrverbot herrschte, wurde das Publikum am Sonntagabend im Kleinen Haus mitgenommen: Dort gastierte vor fast ausverkauften Reihen die 70er Jahre Schlagerrevue „Karamba!“ des Hamburger Schmidt-Theaters. Mit Sketchen und musikalischen Evergreens brachte das Ensemble die rund 430 Zuschauerinnen und Zuschauer – einige von ihnen im Flower-Power-Kostüm – nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Singen und Mitklatschen. Den amüsanten Abend quittierte das bestens aufgelegte Publikum mit stehenden Ovationen und Zugabe-Rufen.

Delmenhorster sind die Andalusier Niedersachsens

„In Hamburg sagt man, dass die Delmenhorster die Andalusier Niedersachsens sind“, scherzte eine Stimme aus dem Off, bevor die Revue startete. Dass das hiesige Publikum den Südspaniern in Sachen Temperament am Sonntag kaum nachstand, bewies es kurz darauf. Sichtlich Spaß hatten die mehrheitlich älteren Zuschauerinnen und Zuschauer bei bekannten Schlagern wie „Michaela“ von Bata Illic, Gitte Haennings „So schön kann doch kein Mann sein“ oder „Und es war Sommer“ von Peter Maffay. Da brauchte es kaum Animation durch das Ensemble des Schmidt-Theaters, das mal spaßig-klamaukig, dann wieder frivol und anzüglich auftrat. Komisch waren die kauzigen Einlagen und doppeldeutigen Anspielungen in jedem Fall.

Werbesprüche machen den Nostalgie-Trip perfekt

Überhaupt war die Show des Autorenteams Corny Littmann, Mirko Bott und Martin Lingnau genauestens durchdacht. Da wechselten sich Szenen aus auch heute noch bekannten TV-Programmen wie „Die Sendung mit der Maus“ mit Tanzeinlagen zu 70er-Jahre-Kulthits und -Sketchen über Frauenemanzipation und andere gesellschaftliche Neuerungen ab. Um das Publikum vollends in Nostalgie schwelgen zu lassen, wurden zwischendurch immer wieder alte Werbeclips („Erst Lenor macht die Wäsche behaglich“) nachgespielt, denen aus heutiger Sicht schon sehr viel komisches Potenzial innewohnt. Sogar der berühmte Sketch von Dieter Hallervorden über zwei Knackis, die in ihrer Zelle Kaufmannsladen spielen („Palim, Palim! Ich hätte gerne eine Flasche Pommes Frites.“) wurde ganz zu Freuden des Publikums aufgeführt.

Und selbst das Publikum kam – wenn auch nicht immer ganz freiwillig – zum Zug. Als einer der beiden Kandidaten aus den Zuschauerreihen bei der Neuauflage von „Dalli Dalli“ auf die Frage „Was liegt alles auf dem Nachttisch?“ selbstironisch antwortete „Mein Gebiss!“ war das Publikum vollends überzeugt: „Der Abend war spitze!“


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