Dealer vor Landgericht Antragsflut in Drogenprozess um Ganderkeseer

Von Ole Rosenbohm

Momentan muss sich ein mutmaßlicher Dealer aus Ganderkesee vor dem Oldenburger Landgericht verantworten. Symbolfoto: Michael GründelMomentan muss sich ein mutmaßlicher Dealer aus Ganderkesee vor dem Oldenburger Landgericht verantworten. Symbolfoto: Michael Gründel

Ganderkesee. Mit einer Flut von Anträgen will der Anwalt eines mutmaßlichen Dealers aus Ganderkesee seinem Klienten helfen. Der Jurist hinterfragt zahlreiche Details der Anklage.

Eigentlich geht es um illegalen Cannabisverkauf, die Juristen im Prozess vor dem Oldenburger Landgericht gegen einen 28 Jahre alten mutmaßlichen Dealer aus Ganderkesee aber beschäftigen sich aber mehr mit Anträgen der Verteidigung. Angeklagt ist ein 28-jähriger Ganderkeseer, in dessen Wohnung die Polizei etwa 120 kleine Cannabispflanzen sowie insgesamt 380 Gramm Blüten fand.

Anklage wegen Bewaffnetem Drogenhandel

Vorgeworfen wird dem Mann sogar bewaffneter Drogenhandel (Mindeststrafe fünf Jahre), weil sich in seiner Wohnung Pfefferspray, Teleskopschlagstock und ein Einhandmesser befanden.

Käufer belastet Angeklagten

Der Vorwurf des Handels stützt sich auf eine Aussage eines 25-Jährigen, der in einem anderen Prozess in Delmenhorst bereits zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden war. Dieser Zeuge hatte ausgesagt, in sechs Monaten bis Juni 2015 in 25 Fällen mindestens hundert Gramm Gras vom Angeklagten gekauft und dann in kleinen Mengen weiterverkauft zu haben.

Stimmt die Anzahl der Käufe?

Den Wahrheitsgehalt zweifelt Verteidiger Jan Sürig aus Bremen an. Nicht nur, weil sein Mandant behauptet, an den Zeugen gar nichts verkauft zu haben. Sürig kritisiert auch die Widersprüchlichkeit der Angaben. Beim Prozess in Delmenhorst hatte der 25-Jährige wie damals angeklagt 25 Käufe zugegeben, je einen pro Woche. Jetzt nun hätte er diese Aussage abgeschwächt, sagte Sürig. Aus wöchentlichen Käufen wurden gelegentliche; etwa alle zwei bis drei Wochen. Hat der Zeuge also in Delmenhorst mehr Käufe zugegeben, um das Gericht milde zu stimmen?

Zahlreiche Anträge gestellt

Zu den wichtigsten Anträgen: Einen Befangenheitsantrag gegen die Richterin lehnte inzwischen eine andere Kammer ab, wird aber nun über einen neuen Befangenheitsantrag wieder gegen die Vorsitzende entscheiden müssen. Sürig verlangt auch, Aussagen eines Polizisten nicht zu verwenden, unter anderem weil dieser dem Zeugen bei der Identifizierung des Verkäufers nur ein einziges Bild des Angeklagten vorgelegt hatte – nicht eine Serie Fotos, aus denen er das richtige hätte auswählen müssen.


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