Neue Ausstellung im Haus Coburg Können Bilder duften? In Delmenhorst schon

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Welcher Duft erwartet die Besucher? Faulig, denn auf den Bildern sind Müllberge zu sehen. Foto: Bettina Dogs-PrößlerWelcher Duft erwartet die Besucher? Faulig, denn auf den Bildern sind Müllberge zu sehen. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Kunst liegt im Auge des Betrachters, heißt es. Falsch. Entweder, man hat ein Näschen dafür oder nicht. In der Städtischen Galerie Delmenhorst wird Kunst ab heute neu gedacht – wer wissen will wie, sollte besser keinen Schnupfen haben.

Die Welt – Ernesto Ventós Omedes sieht sie durch die Nase. Wo andere hinschauen, muss er riechen, wo andere zuhören, strömt ein Potpourri an Gerüchen auf ihn ein. Als Parfümeur kann er sie alle in ihren feinsten Nuancen unterscheiden. Von sich selbst sagt Ernesto Ventós Omedes: „Ich bin besessen davon zu riechen.“

Bilder mit Düften verbinden

Ernesto Ventós Omedes ist aber auch leidenschaftlicher Sammler zeitgenössischer Kunst. Mit einem frischgrünen Bild des Künstlers Albert Ràfols-Casamada fing alles an, in ihm fand der Spanier 1979 den Duft des Lavendels wieder, der ihn so sehr an die Zeit seiner Ausbildung in Grasse erinnert, der großen französischen Stadt des Parfüms. Seitdem umtreibt Ernesto Ventós Omedes eine Mission: Menschen dafür zu begeistern, ihren Geruchssinn wieder zu trainieren.

Kunst durch die Nase sehen

Mit der Ausstellung „Der Duft der Bilder“ zeigt die Städtische Galerie ab heute nicht nur 50 Werke der hochkarätigen Sammlung „colección olorVISUAL“, die der spanische Parfümeur Ernesto Ventós Omedes in den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen hat, mit ihr verlässt sie auch die üblichen Pfade der Präsentation. Zwar hängen die Bilder noch immer an der Wand, stehen Skulpturen in Schaukästen und Installationen mitten im Raum – dieses Mal nur ist da noch was anderes. Es hängt in jedem Zimmer, im ersten Stock der alten Arztvilla, in der Remise nebenan. Ein Geruch. Ein immer wechselnder. Mal bizarr ekelerregend, mal blumiginspirierend. Er verfolgt einen massiv oder schleicht sich langsam an. Bis er ganz nah ist. Und eins wird mit dem Werk. Und plötzlich sieht man alles ganz klar vor sich. Durch die Nase. Wie Ernesto Ventós Omedes.

Nicht nur süße Düfte im Angebot

„Es ist ein Experiment über das Zusammenspiel der Sinne“, beschreibt Dr. Annett Reckert, Leiterin der Städtischen Galerie, die olfaktorische Schau. Ein Experiment, das gelungen ist. Extra für die Ausstellung, die an sich schon bemerkenswert ist, hat Parfümeur Ventós Omedes 19 Düfte erschaffen, die die Werke noch einmal auf eine ganz andere Ebene tragen. Ganz so, als würden sie erst durch ein tiefes Einsaugen durch die Nase ganz. So wird das Lavendelbild von Ràfols-Casamada naturgemäß von frischen Lavendelnoten untermalt, wohingegen die Fotografien von Jacobo Castellano, die sorgsam arrangierte Müllberge zeigen, von einer Mischung faulig-moderigen Geruchs begleitet werden. Die Düfte erschließen sich einem allerdings nicht sofort. Die Essenzen befinden sich in kleinen luftdicht verschlossenen Gefäßen, die an der Wand angebracht sind und bei Bedarf geöffnet werden können.

Haus Coburg jetzt auch als Parfüm

Bislang wurden die Werke, die von international bedeutsamen Künstlern wie Christo stammen oder auch von unbekannten spanischen, nur in Spanien gezeigt. Erstmals nach Deutschland kam die Sammlung im September für eine Ausstellung in den Opelvillen Rüsselsheim. Durch eine Kooperation mit den Rüsselsheimern gelang es Reckert schließlich, die Schau nach Delmenhorst zu holen. Erst in Delmenhorst dazugestoßen ist jedoch ein kleiner gläserner Flakon, gefüllt mit einem ganz besonderen Duft. „Es ist der Duft vom Haus Coburg, von Ernesto Ventós Omedes extra für uns kreiert“, schildert Galerieleiterin Reckert. Wie er riecht? Schwer zu beschreiben. Riechen Sie am besten selbst.


Die Ausstellung „Der Duft der Bilder“ wird heute Abend, 20 Uhr, im Haus Coburg eröffnet und bis einschließlich 22. April zu sehen sein. Unter anderem sprechen die Direktorin der Ausstellung, Cristina Agàpito, und der Kurator Omar Lopez-Chahoud. Neben der Schau bietet die Städtische Galerie zahlreiche Veranstaltungen an, die die Schau ergänzen.

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