Neujahrsempfang in Delmenhorst Integration ist für Ahmadiyya-Gemeinde nur der Anfang

Niklas Golitschek

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„Gott lieben und die Menschheit so lieben, dass die Sorgen und Nöte der anderen die eigenen werden“. So fasste Imam Luqman Shahid seinen Glauben zusammen. Foto: Niklas Golitschek„Gott lieben und die Menschheit so lieben, dass die Sorgen und Nöte der anderen die eigenen werden“. So fasste Imam Luqman Shahid seinen Glauben zusammen. Foto: Niklas Golitschek

Delmenhorst. Die Ahmadiyya-Gemeinde in Delmenhorst versucht, für andere sichtbarer zu werden. Beim ihrem Neujahrsempfang in der Markthalle wurde der Gemeinde ein guter Anfang bescheinigt.

Aufräumen öffentlicher Plätze an Silvester, Spendenläufe, Obdachlosenhilfe: Auch die Ahmadiyya Muslim Jamaat in Delmenhorst bemüht sich, an öffentlich sichtbaren, wohltätigen Aktivitäten teilzunehmen, für die der Dachverband bekannt geworden ist. Das wurde auf dem Neujahrsempfang am Mittwochabend in der Delmenhorster Markthalle deutlich. Tamer Sert, Kreisvorsitzender der FDP Delmenhorst, erfuhr erst kurzfristig von der Veranstaltung und noch kurzfristiger, dass er auch für ein Grußwort am Rednerpult willkommen war. „Ich vermisse die öffentliche Präsenz“, sagte er und ermutigte die rund 200 Gemeindemitglieder, sich nicht nur zu integrieren, sondern auch zu partizipieren. Parteibücher lesen, sich in die Parteien einzubringen, ein aktiver Teil der Gesellschaft sein, zu der sich die Ahmadiyya-Gemeinde bekennt. „Religionsfreiheit funktioniert nur, wenn man sich trifft und die Gedanken austauscht“, bekräftigte Sert. Ein Informationsstand reiche dafür nicht aus.

Gemeinde wenig wahrgenommen

Ein Neujahrsempfang in diesem Format wurde da durchaus als Schritt in die richtige Richtung gesehen: Sich der Öffentlichkeit zeigen, einen Raum für Begegnung schaffen. Plakate informierten über die Glaubensrichtung der Religion, Redner führten diese aus. Doch woran lag es dann, dass die Ahmadiyya-Gemeinde in Delmenhorst bislang kaum wahrgenommen wurde? Die Antwort darauf gibt Gemeindevorstand Ahsan Khalid fast beiläufig, als er über die Aktivitäten spricht. Aufgeräumt wurde meist in Berne, weil in Delmenhorst keine Genehmigung vorgelegen habe. Spendenläufe organisiert die Gemeinde nicht selber in Delmenhorst, sondern nimmt an solchen in Bremen teil. Und die Obdachlosenhilfe wurde bislang nicht kontinuierlich betrieben.

„Wir sind hier Freunde“

Dass die Ahmadiyya-Gemeinde eine moderate, tolerante Gruppierung des Islam ist, zeigte sich auch an der Anwesenheit Pedro Benjamin Becerras. Becerra ist Vorsitzender des Integrationsbeirats und der jüdischen Gemeinschaft Delmenhorst. Der Kontakt sei noch ganz neu, entsprechend sei das auch für ihn eine besondere Begegnung. Die Ahmadiyya-Gemeinde ist seit 2015 Mitglied im Integrationsbeirat. „Wir sind gut aufgestellt in der Stadt. Christen, Muslime, Juden sind hier Freunde und begegnen sich. Wir bestreiten den richtigen Weg“, bilanzierte er. Dass er für einen Gebetssatz seine Kippa aufsetzte, störte in der Markthalle offenbar niemanden.

Glaubensgemeinschaft unterscheidet sich von anderen

Gott lieben und die Menschheit so lieben, dass die Sorgen und Nöte der anderen die eigenen werden – so fasste Imam Luqman Shahid, der Syed Salman Shah vertrat, den Glauben zusammen. Von anderen Glaubensrichtungen unterscheide die Ahmadiyya-Gemeinde, dass sie etwa an der Wiederkehr Jesu als Messias beziehungsweise Mahdi glaube. Die meisten Muslime glaubten hingegen, dass Muhammad der letzte Prophet gewesen sei. Bekannt ist die Gemeinde auch dafür, dass die Imame aus Deutschland kommen und hier ausgebildet werden. Eine Art Markenzeichen ist auch die Kopfbedeckung, die die Männer während des Gebets tragen. Außerhalb der Gebetsräume habe das nur einen „kulturellen Hintergrund“, führte Shahid aus, bevor er sich mit den Gästen bei Gebäck, Kaffee und Kuchen austauschte.


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