Auf der Pirsch in Delmenhorst Immer mehr junge, weibliche Neujäger in den Hochsitzen

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Eine Jägerin posiert mit ihrem Gewehr neben einem Hochsitz in einem Waldstück. Foto: Philipp Schulze/dpaEine Jägerin posiert mit ihrem Gewehr neben einem Hochsitz in einem Waldstück. Foto: Philipp Schulze/dpa

Delmenhorst. Jäger der Region gehen am Wochenende wieder in Delmenhorst auf die Pirsch nach Ringeltauben. Ihr Handwerk hat starken Zulauf: Die Zahl der Prüflinge in Jagdschulen hat sich verdoppelt. Woran das liegt, erklärt der erfahrene Jäger Helmut Blauth.

Die Zahl der Jägerprüfungen in Delmenhorst und dem Landkreis Oldenburg steigt: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Prüflinge etwa verdoppelt. Damit liegt die hiesige Jägerschaft im bundesweiten Trend. Auch der Deutsche Jägerverband attestiert bisher nicht gesehene Begeisterung für das Waidmannshandwerk. Dabei wollen offenbar auch immer mehr Frauen das Jagen erlernen. Ein Beispiel für die Jagd ist auch das Taubenschießen, das am Samstag in den Außenbereichen der Stadt Delmenhorst stattfindet.

Frauen durchbrechen das alte Klischee

Sylke Boers-Stoffels freut sich für ihre Geschlechtsgenossinnen. Die Leiterin des Hegerings Delmenhorst hat vor etwa 20 Jahren ihre Prüfung abgelegt. „Damals waren im Kurs vielleicht zwei oder drei Frauen“, sagt sie. Mittlerweile seien es deutlich mehr. „Früher erfüllte die Jägerschaft das Klischee, dass die Männer jagen, und die Frauen die Beute zubereiten“, sagt sie. Heute erobern die Frauen selbst die Hochsitze. Mittlerweile, sagt sie, sei noch nicht ganz ein Drittel „ihres“ Hegerings weiblich. Aber immerhin: „Früher war man als Frau meist alleine da. Heute ist dann zumindest eine weitere Frau mit dabei“, sagt sie über Treffen.

Neuzugänge zwischen 20 und 30 Jahren

Und nicht nur weiblicher, sondern auch jünger werden die Jägerschaften. Der Bundesverband der deutschen Jäger, und auch die Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst verzeichnen steigende Zahlen der Jägerprüflinge. „Vor zehn Jahren hatten wir im Jahr etwa 40 Prüflinge – heute sind es um die 80“, sagt Helmut Blauth, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft und Vorsitzender der Prüfungskommission. „Exorbitant“ sei der Anstieg, und es gebe viele Jagdschüler zwischen 20 und 30 Jahren. Parallel dazu gibt es auch doppelt so viele Jagdschulen wie früher: Neben den Jagdschulen Sauerwein in Delmenhorst und Handelsmann in Dötlingen sind in den vergangenen Jahren die Jagdschule der Jägerschaft selbst und die Jagdschule Dalinghaus in Ahlhorn hinzugekommen. Hier sorge die Nachfrage für das Angebot.

Städter sind elektrisiert

Ein Modetrend sei das nicht, meint Blauth. Er begründet die Begeisterung so: „Wir haben mittlerweile überwiegend Städter. Die merken, dass die digitale Welt, in der sie leben, nicht die Realität ist. Sie lassen sich davon nicht mehr täuschen. Wer einmal auf dem Hochsitz gesessen hat, weiß: Das ist die Realität. Sie sind elektrisiert.“ Er selbst, erzählt Blauth, der seit Jahrzehnten Jäger ist, habe am Mittwochmorgen auf dem Hochsitz gesessen, und bemerkt, wie das Vogelzwitschern beginnt. Das sei unverfälschtes und schönes Naturerleben. Die Abgänge in der Mitgliederzahl würden mit den neuen Prüflingen locker kompensiert.

Blut schreckt nicht ab

Zu diesem Naturerleben gehört auch das Töten und Aufbrechen des Wildes. Das schrecke aber die wenigsten tatsächlich ab. Nur wer wirklich keinen Zugang zur Natur habe, sei davon angeekelt. Viel eher begeistere es die Teilnehmer, dass sie die Aussicht haben, das Tier, das sie erlegen, selbst zu verwerten und nicht auf die Produkte des Handels zugreifen zu müssen. Auch einen Zwist zwischen Naturschützern und Jägern sieht er nicht. Landesjägerschaften seien anerkannte Naturschutzverbände. Man arbeite beispielsweise mit Nabu oder BUND zusammen. „Wo ideologiefrei über Dinge diskutiert wird, haben wir sehr gute Ergebnisse“. Das betrifft auch die Pflege der Tierwelt – ob es um das Schonen der Vogelwelt durch den Abschuss von Nesträubern wie Füchsen geht, oder die Jagd auf Ringeltauben, die für Schäden in Beeten sorgen, weil sie junge Keime von Pflanzen picken.

Eine dieser Jagden gibt es am Samstag, 2. Februar, in der Stadt und den angrenzenden Randgebieten: Der Hegering Delmenhorst bläst zur revierübergreifenden Taubenjagd. Geschossen wird auf Ringeltauben – nicht Stadttauben. Zwischen 14 und 18 Uhr wird es deshalb Schrotflintenschüsse geben. Für die Bevölkerung gehe davon keine Bedrohung aus, so Hegering-Chefin Boers-Stoffels.


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