Frostige Nächte im Winter Wo finden Obdachlose in Delmenhorst Unterschlupf?

Wärme – sei es durch Essen oder durch einen Schlafplatz – soll Obdachlosen geboten werden. Symbolfoto: Silas Stein/dpaWärme – sei es durch Essen oder durch einen Schlafplatz – soll Obdachlosen geboten werden. Symbolfoto: Silas Stein/dpa

Delmenhorst. Momentan ist es nachts wieder besonders kalt. Viele Delmenhorster dürften sich gerade jetzt fragen, was mit den Obdachlosen geschieht.

Noch nicht unterwegs ist der Kältebus der Malteser, der nachts frierende Obdachlose einsammeln und in Unterkünfte bringen soll. Dieser fährt laut Achim Karrasch, Stadtbeauftragter der Malteser, erst los, wenn nachts durchgängig fünf Grad unter null sind. "Im letzten Winter sind wir fünf Mal gefahren", berichtet Karrasch. Doch niemand habe das Angebot genutzt.

Hier können Obdachlose unterkommen

Eine mangelnde Nachfrage bemerkt auch Helmut Blauth, Leiter des Guts Dauelsberg, wo Wohnungslose unterkommen können.


Foto: Melanie Hohmann


Die Langzeitstelle sei zwar unabhängig vom Wetter relativ voll, Kurzzeitaufenthalte gebe es jedoch wenige. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 30. Januar, habe nur eine Person den Kurzeitaufenthalt genutzt. Blauth hat eine Vermutung: "Viele Wohnungslosen halten es nicht aus, in Gebäuden zu sein." Ursachen seien oft psychische Erkrankungen.

Eine weitere Unterkunftsmöglichkeit für Obdachlose in Delmenhorst bietet der Tagesaufenthalt an der Wilmsstraße, den die Diakonie betreibt.

Wer ist wohnungslos?

Aber was für Menschen sind eigentlich wohnungslos? "In nahezu jeder Altersklasse von Menschen gibt es Personen, die sich obdachlos melden", erklärt Timo Frers, Pressesprecher der Stadt Delmenhorst. "Recht selten sind es Frauen."

Eine Erklärung liefert die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann: Frauen würden oft nicht öffentlich sichtbar auf der Straße leben, sondern ohne Mietvertrag bei Bekannten. "In dieser Situation sind sie auf deren Wohlwollen angewiesen.“ Häufig gehe mit einem derartigen Abhängigkeitsverhältnis das Risiko sexueller Ausbeutung und Gewalt einher.

Dementsprechend würde der Kältebus, wenn wohnungslose Frauen mitfahren wollten, diese zur Polizei bringen, sagt Karrasch. Die Beamten kümmerten sich dann um eine Unterkunft.



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