19-Jähriger wird Maskenbildner Delmenhorster bekommt Traumjob am Theater

Von Ole Rosenbohm

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Verwandlung vor Publikum: Ghassem Rasuli macht aus Schauspieler Stefan Vitu einen wilden Zwerg. Der Maskenbildner-Azubi ist Träger des jährlichen Preises des Fördervereins des Deutschen Druiden-Ordens. Foto: Ole RosenbohmVerwandlung vor Publikum: Ghassem Rasuli macht aus Schauspieler Stefan Vitu einen wilden Zwerg. Der Maskenbildner-Azubi ist Träger des jährlichen Preises des Fördervereins des Deutschen Druiden-Ordens. Foto: Ole Rosenbohm

Delmenhorst. Heute lernt der Flüchtling Ghassem Rasuli den Beruf des Maskenbildners. Zu seinen Unterstützern gehören Delmenhorster Lehrer und der Toleranz und Hilfsbereitschaft einfordernde Druiden-Orden.

Als Ghassem Rasuli das erste Mal ein Theater betrat, war er 17. „Ich weiß noch, wie unglaublich groß ich das alles empfand“, sagt er heute, knapp zwei Jahre später, über seinen ersten Besuch im Staatstheater in Oldenburg. Inzwischen ist Rasuli dort quasi zu Hause, macht eine Ausbildung zum Maskenbildner – und heimste dafür jetzt einen Preis ein.

Als Kind schon Flucht in den Iran

Bevor die Kunst in Rasulis Leben trat, bestimmte es die Flucht. Schon als kleiner Junge musste er mit der Familie von Afghanistan in den Iran – Flucht vor den Taliban, erzählt der 19-Jährige. Seine Jugend verbrachte er in der Landwirtschaft, ohne Chance auf Schule oder späteren Job. Lesen, Schreiben, Rechnen lernte er privat. Mit seiner Mutter plante er die Flucht: drei Monate im Bus, im Boot, auf der Ladefläche von Lastwagen, als blinder Passagier im Güterzug. Auch Schleuser habe er gebraucht. Kurz vor dem großen Flüchtlingstreck kam er im Juli 2015 in Delmenhorst an.

Lehrer engagieren sich für Schüler

Rasulis Geschichte ist die einer ziemlich erfolgreichen Integration. Sie zeigt aber: Ohne privates Engagement wäre es schwieriger geworden. Erste Helferin: Kathrin Isken, seine Lehrerin in der neunten Klasse der IGS Delmenhorst. Rasulis Geschicklichkeit hatte sie schnell bemerkt, auch dass „er ein besonderer Mensch ist“. Isken stellte den Kontakt zum Theater her. Nach vier Tagen Praktikum in der Maskenbildnerei war entschieden: Rasuli kann anfangen.

Ausbildungsgehalt auf unüblichem Weg

Isken tat noch mehr. Denn weil die Azubi-Plätze für den Jahrgang belegt waren, gibt es vom Land kein Ausbildungsgehalt. Isken suchte. Und jetzt teilen sich IGS-Lehrer mit der Wisser-Hohl-Stiftung das Ausbildungsgehalt. Diese Woche hat Rasuli Zwischenprüfung. Seine Ausbilderin ist sicher: Die wird er schaffen.

Von Druiden-Förderverein unterstützt

Dass er seinen Job beherrscht, konnten jetzt Gäste des Deutschen Druiden-Ordens in Oldenburg beobachten. Denn der Förderverein des Ordens hat Rasuli mit seinem jährlichen Preis bedacht, 3000 Euro. Montagabend zeigte der Azubi aus Afghanistan vor Publikum des Ordens, wie er Schauspieler Stefan Vitu mit viel Akribie in 40 Minuten in einen spitzohrigen, wilden Zwerg mit langer Nase und roten Haaren verwandelte. „Dieser Job ist ein Traum für mich“, sagt Rasuli. Und das Theater nicht mehr unbekannt. Hat er Zeit, beobachtet er die Stücke von der Seitenbühne, zurzeit am liebsten „Jesus Christ Superstar“.

Preisgeld soll bei Entwicklung helfen

Das Preisgeld soll jungen Menschen helfen, sich zu entwickeln, sagte Jörg Noster, Vorsitzender des Fördervereins, und zitierte Platon: „Indem wir das Wohl der anderen bestreben, fördern wir unser eigenes.“


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