Westfalenstraße in Delmenhorst Und der nächste Wollepark-Block fällt

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

In wenigen Monaten soll der Wohnblock an der Westfalenstraße 8 in Delmenhorst abgerissen werden. Foto: Melanie HohmannIn wenigen Monaten soll der Wohnblock an der Westfalenstraße 8 in Delmenhorst abgerissen werden. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Nach langem Hin und Her hat die Stadt Delmenhorst den geplanten Abrissbeginn für den maroden Wohnblock an der Westfalenstraße 8 verkündet. Der Weg dahin war zäh. Es wird nicht der einzige Abbruch im Problemviertel Wollepark bleiben.

Lange währte das Gerangel um den Abriss des leer stehenden Wohnblocks an der Westfalenstraße 8. Nach dem Kauf des Gebäudes im Delmenhorster Wollepark will die Stadt nun das Tempo anziehen: Den Abbruch plant sie zwischen Anfang Mai und Ende Juli dieses Jahres. Das teilt die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit. 

Abbruchkosten sollen sich auf rund 700.000 Euro belaufen

Die Abbruchvorbereitungen liefen bisher plangemäß, bis März sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden, der Vertragsabschluss solle im April erfolgen, heißt es dazu aus dem Rathaus. Ab Mai soll es dann ans Eingemachte gehen. Dass die Stadt es durchaus eilig mit der Neuentwicklung der Fläche hat, wurde im vergangenen Oktober im Wirtschaftsausschuss deutlich. Frühestmöglich, hieß es da, solle der Abriss angegangen werden. Damals bezifferte die Stadt die Kosten für den Abbruch auf 700.000 Euro. Daran hat sich bislang nichts geändert. Der Abbruch im Problemviertel wird übrigens über Gelder finanziert, die ursprünglich für Straßenbauarbeiten an der Nelkenstraße gedacht waren. Der Grund für die Eile: Das Sanierungsgebiet im Wollepark werde bis 2021 "ausgefördert" sein, hieß es schon im Herbst. Auf Fördermittel hätte die Stadt dann keinen Zugriff mehr. 

Scheinbar endloses Gerangel um Abriss

Mit dem Abbruch im Mai wird dann auch ein fast schon elend langes Hin und Her enden: Seit Jahren hatte die Stadt versucht, an das lange leer stehende Gebäude zu kommen. Ursprünglich bot der 1973 erbaute Block Menschen in 122 Wohnungen Platz. Die letzten Bewohner zogen 2003 aus. Der Wohnblock verfiel zusehends, was letztlich 2012 in einer Abbruchverfügung durch die Bauordnungsbehörde mündete. Doch statt eines Abbruchs stand der Stadt ein langer Rechtsstreit ins Haus: Erst 2015 wurde die Verfügung rechtskräftig.

Und dann das: Bei einer Zwangsversteigerung Ende jenes Jahres kam der Stadt eine Firma aus Edewecht in die Quere, die den Block – trotz bestehender Abbruchverfügung – für 200.000 Euro kaufte. Es folgte wieder eine lange Geduldsprobe. Erst im August 2018, da standen die Wohnungen schon 15 Jahre leer, war der Zugriff für die Stadt vollkommen. Da verkündete sie den Kauf der "Schrottimmobilie". Mit dem Edewechter Unternehmen hatte sie sich auf einen Kaufpreis von fast 80.000 Euro geeinigt – nicht einmal die Hälfte der Summe, die bei der Zwangsversteigerung hinterlegt worden war. Hinzu kommt: Weil das Unternehmen dem Abbruch über Jahre nicht nachkam, hatte die Stadt Zwangsgelder von mehreren Zehntausend Euro verhängt, die es zu zahlen hatte. 

Nach 45 Jahren verließ im April 2017 die Familie Kosa den Kiosk im Erdgeschoss an der Westfalenstraße 8. Archivfoto: Frederik Grabbe


Neue Chance für das Quartier

„Das ist eine super Nachricht für den Wollepark“, jubilierte Oberbürgermeister Axel Jahnz nach dem vollzogenen Verkauf im vergangenen Sommer. Doch einen Wermutstropfen gab es trotzdem: Im Zuge der Abbruchbemühungen musste eines der bekanntesten Kioske der Stadt weichen. Die Familie Kosa verließ im April 2017 das Erdgeschoss im Wohnblock an der Westfalenstraße – nach 45 Jahren. Für den Kiosk zahlte die Stadt mutmaßlich eine niedrige sechsstellige Summe. Mit den Kosas ging auch ein Stück Stadtteilgeschichte verloren. Und eine Erinnerung daran, dass der Wollepark mit seinen großen Betonblöcken früher einmal ein Vorzeigeprojekt in Sachen Städtebau war. 

Die gute Nachricht aber lautete vergangenen Sommer: "Wir werden auch diesen Schandfleck beseitigen, wie ich es angekündigt habe, und dort etwas Neues schaffen", wurde Jahnz in einer Mitteilung zitiert. Den angekündigten Abriss stellt die Stadt in direkten Zusammenhang mit den Sanierungszielen im Sanierungsgebiet Wollepark: Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie an der Verbesserung der Wohn- und Lebensverhältnisse. Mit dem Kauf und Abbruch von gleich fünf Blöcken an der Straße Am Wollepark im Frühjahr 2017 hat sie einen großen Schritt unternommen. Gleiches hat sie in nächster Nachbarschaft mit den Hausnummern 11 bis 12 und 13 bis 14 vor. Bei letzteren beiden Blöcken hat die Stadt erst kürzlich den Verkauf verkündet

Im September 2012 wurde das alte Kurbad an der Schwabenstraße abgerissen. Der Wohnblock hinter dem Bagger, die Westfalenstraße 8, soll diesen Mai nachfolgen. Archivfoto: Andreas Nistler


Zusammenspiel mit altem Kurbadgelände?

Was nun konkret an der Westfalenstraße 8 auf dem 2444 Quadratmeter großen Grundstück entstehen soll, ist heute noch nicht klar, heißt es von der Verwaltung auf Nachfrage. Klar scheint, dass sich ein Zusammenspiel mit dem 500 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Kurbades an der Schwabenstraße interessante Perspektiven anbieten.  Zwischen 1975 und 1994 hatte die Arbeiterwohlfahrt (Awo) das Kurbad, seinerseits ein Nachfolger der Einrichtung an der Westerstraße, betrieben, ehe Pächterin Elke Burg die Regie übernahm. Die ehemalige, langjährige Awo-Mitarbeiterin führte das Bad bis Juni 2011. Im September 2012 rollten dann die Abrissbagger an, ein Abbruch ließ sich wegen des hohen Sanierungsbedarfs nicht verhindern, hieß es damals. Das Angebot des Kurbades, wie etwa Schwimmkurse für Kinder, Wassergymnastik oder Bewegungsbäder, ging auf die neu gebaute Grafttherme über. Auf der Kurbadfläche entstand im Frühjahr 2013 ein Gemeinschaftsgarten, den Stadtteilbewohner über das Nachbarschaftsbüro der Diakonie bepflanzen. Wegen des anstehenden Abbruchs an der Westfalenstraße 8 hat die Fraktion SPD & Partner nun per Antrag die Idee einer Verlegung der Gartenfläche an die Stedinger Straße ins Spiel gebracht. 

Der Umzug würde den Weg frei machen, an der Westfalenstraße größer zu denken.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN