Entwässerung in Delmenhorst Hohe Wogen um Wasserstauwerk in der Tiefe

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Unter der Friedensstraße soll bald ein 84 Meter langer Stauraumkanal gebaut werden - gegen die Widerstand der Anwohner. Foto: Kai HasseUnter der Friedensstraße soll bald ein 84 Meter langer Stauraumkanal gebaut werden - gegen die Widerstand der Anwohner. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Der Bau eines Stauraumkanals in der Friedensstraße in Delmenhorst sorgt für Aufregung: Anwohner begehren gegen den Bau auf. Auch politisch steht der Ausbau des Kanalsystems nun auf dem Prüfstand. Die Stadtwerke verteidigen den Bau.

Am 11. Februar sollen die Bauarbeiten für einen Stauraumkanal unter der Friedensstraße beginnen: 84 Meter lang, drei Meter breit, zwei Meter hoch – in dem Reservoir, das unter die Friedensstraße gelegt werden soll, könnten Kurzsprint-Wettkämpfe ausgetragen werden. Aber die Bewohner der Straße sind dagegen. Sie misstrauen dem Sinn und Zweck des Baus. Bereits jetzt gebe es etwa 200 Unterschriften von opponierenden Anwohnern. Die Stadtwerke räumen Fehler bei der Kommunikation ein, verteidigen aber den Bau. Parallel kommt das Thema nun auch aufs politische Tapet.

Inspektionen bei den Anwohnern

Sprecher der kritischen Anwohner, der Interessengemeinschaft Friedensstraße, ist Tim Schmidt. Er berichtet, wie es im Herbst Untersuchungen bei den Bewohnern der Friedensstraße: Die Übergabeschächte auf den Grundstücken wurden inspiziert – dabei wurden Mängel moniert, so Schmidt: Viele Anwohner sollen Dichtungsringe oder Treppenstiege teuer nachbessern. Außerdem klingeln nun Ingenieure bei den Anwohnern und wollen zur Beweissicherung bestehende Mängel an der Baustruktur der Häuser feststellen, um diese von möglichen kommenden Schäden, die durch den Bau hervorgerufen werden könnten, unterscheiden zu können.

Ausmaße sorgen für Unbehagen

Dabei habe es für die Anwohner wenige Erklärungen gegeben, warum die Mühe notwendig ist, so Schmidt. Aber die Aussicht, dass es offenbar Schäden geben könnte, und dass die Bewohner ihre Schächte sanieren müssen, habe aufgeschreckt, und erst durch eigene mühselige Recherchen fand er heraus, was da in den Boden kommen soll – allein die Ausmaße des Stauraums hätten für Unbehagen gesorgt. Hans-Ulrich Salmen, Chef der Stadtwerke, die den Bau in Angriff nehmen, gesteht ein, dass in einer ersten Mitteilung über anstehende Kanalbauarbeiten zumindest der Vermerk fehlte, dass den Anwohnern keine Kosten entstehen würden – dadurch hätte Wut vermieden werden können. Einen Widerspruch, den Schmidt im Namen der Friedensstraße-Interessengemeinschaft bereits im Herbst an die Stadtwerke gesandt haben will, sei nicht eingegangen. Ansonsten bleibt Salmen dabei: Der Stauraumkanal wird gebaut. Schmidt hingegen meint: Der Stauraumkanal schadet mehr als er nutzt. Er, und mittlerweile die Delmenhorster Ratsfrau Eva Sassen, üben grundlegende Kritik an dem Kanal.

Schlechte Unterhaltung der anderen Kanäle

Schmidt befürchtet, dass das Wasser, das in dem Kanal gesammelt wird, mit Salzen, Ölen, oder weiteren Stoffen von den Oberflächen der Umgebung verschmutzt ist, und so anschließend nach Norden über einen Wasserzug bis zum Randgraben geleitet wird. Er kritisiert, dass Kanäle, die Oberflächenwasser entweder östlich über den Sassengraben zur Welse oder westlich zur Ahnbäke beim Ahnbäker Weg führen sollten, nicht gut unterhalten worden seien – und nur deshalb sei offenbar der Stauraumkanal unter der Friedensstraße und die Ableitung nach Norden zum Randgraben nötig. Er und auch Ratsfrau Sassen monieren, dass das Oberflächenwasser nicht versickern kann, um das Grundwasser zu speisen, sondern abgeleitet werde. So sorge es noch zusätzlich durch mehr Wasser an der Erdoberfläche für mehr Verdunstung, Wolkenbildung und letztlich für noch mehr Regen.

Zweite Front im Umweltausschuss

Unterdessen eröffnet Eva Sassen eine Front auf politischer Ebene. Sie ist Vorsitzende des Umweltausschusses der Stadt und hat den Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Gremiums am 5. Februar gesetzt. Ihre Forderung: Baustopp des Stauraumkanals. Sie will den Generalentwässerungsplan, den die Stadtwerke im Auftrag der Stadt Delmenhorst umsetzen, generell auf den Prüfstand stellen. Denn ein Ratsbeschluss zur Entwässerung mit seinen Baumaßnahmen fehle. Sie möchte abwägen können, inwieweit Oberflächenwasser eher ins Grundwasser absickern könnte – statt weggeleitet zu werden. Der Generalentwässerungsplan ist bereits vor mehr als 15 Jahren von der Stadt an die Stadtwerke abgegeben worden. Eine Befassung der Verwaltung und der Politik unterblieb damit – mit Eigenverantwortung der Stadtwerke für die Kanalisation, wie die Stadt zu dem Antrag zum Umweltausschuss bemerkt.

Stauraumkanäle sind nichts Neues

Und Hans-Ulrich Salmen, der als Chef der Stadtwerke auch Herr der Entwässerung ist, pocht auf die Notwendigkeit der Maßnahme. Es hatte bereits im Bereich der Friedensstraße Überflutungen bei Starkregen gegeben. Der Stauraumkanal könne bei starkem Niederschlag das Wasser zwischenspeichern, das sonst mangels Abflussmöglichkeiten auf den Straßen stehe, um es dann bei nachlassendem Niederschlag wieder in die Kanäle nordwärts abgeben zu können. Und das sei nichts Neues – bei einem Gespräch in der Stadtwerke-Zentrale in der Fischstraße deutet er über die Schulter zum Fenster heraus: „Hier hinten liegt auch einer.“ Er meint die Wittekindstraße, unter der ein gleicher Stauraumkanal liegt, wie auch laut Entwässerungsplan ein weiterer unter dem Brendelweg. „Das Wasser in diesem Stauraumkanal in der Friedensstraße wird genau dasselbe sein wie das, was früher dort in die Vorfluter ging oder auf den Straßen stand“, sagt er. Mit genau denselben Stoffen darin, die von der Oberfläche von Dächern, Straßen und Höfen gespült werden. Und es werde auch nicht mehr Wasser sein als vorher. Das zu erwartende Wasser, das zum Randgraben fließen werde, werde die Wasserzüge nicht überfordern, glaubt er. Das bestätigt auch Matthias Stöver, Chef des Ochtumverbandes, der für die Unterhaltung betroffener Gewässer, wie etwa den Randgraben, zuständig ist. Salmen wie Stöver betonen, dass Niederschlagswasser besser justiert abfließen könne – das sei der Sinn des Stauraumkanals. Das Thema wird nun am 5. Februar ab 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses behandelt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN