Wahrzeichen als Kunstwerk Ungeliebter Delmenhorster Wasserturm

Mal klassisch grau, mal golden, mal bunter: Der 1,60 Meter hohe Wasserturm von Künstler Mathias Rüffert wird im Delmenhorster Stadtbild wohl keinen prominenten Platz finden, wenn es nach der Stadtverwaltung geht. Foto: Frederik GrabbeMal klassisch grau, mal golden, mal bunter: Der 1,60 Meter hohe Wasserturm von Künstler Mathias Rüffert wird im Delmenhorster Stadtbild wohl keinen prominenten Platz finden, wenn es nach der Stadtverwaltung geht. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Der Künstler Mathias Rüffert wollte mit seinem 1,60 Meter großen Wasserturm ein Zeichen für die Stadt setzen. Ähnlich dem Ganter in Ganderkesee. Doch der Funke springt einfach nicht über.

Er hätte ein Wahrzeichen der Stadt werden sollen. Zusätzlich zum Turm neben dem Rathaus. Aber ein Wasserturm im Kleinformat, 1,60 Meter hoch, 17 Kilogramm schwer und aus Glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK) aus den Händen des Künstlers Mathias Rüffert wird sich in Delmenhorst wohl nicht durchsetzen.

Wasserturm sollte es dem Ganter nachmachen

Rüfferts Idee vor etwa dreieinhalb Jahren war folgende: Den Wasserturm im Kleinformat wollte er gemäß dem Vorbild in Ganderkesee, den kunstvoll verzierten Ganter, den der Verein Ganterart reihenweise aufstellt und der im öffentlichen wie privaten Raum Einzug gehalten hat, auch für Delmenhorst aufziehen. Die Vorzeichen dafür, dass das auch klappt, sahen damals auch nicht so schlecht aus. Im Laufe der Zeit, sagt Rüffert, waren wegen des 1,60-Meter-Turms Oberbürgermeister, Stadtbaurätin, Stadtwerkechef und andere bei ihm zu Gast. Rüffert berichtete von positiven Reaktionen.

Initialzündung bleibt aus

Fragt man nun aber bei Rüffert nach, was aus der Sache geworden ist, klingt der 48-Jährige leicht resigniert. „Es fehlt der Sprung, der das ganze zum Laufen bringt.“ Mit „Sprung“ meint er die Aufstellung eines Turms durch die Stadt Delmenhorst. Der hatte Rüffert nämlich ein Exemplar schenken wollen. Mit dieser „Initialzündung“ verbindet Rüffert die Hoffnung, dass Privatleute oder Unternehmer auf den Zug aufspringen und auch ihrerseits Wassertürme – diese kosten zwischen 1300 und 1500 Euro – aufstellen. Nach ersten Gesprächen mit der Stadt über die Schenkung hörte Rüffert lange nichts. Auch Firmen reagierten auf Flyer nicht, die er zu Hunderten verteilte. Lediglich der Verbrauchermarkt Inkoop habe ein Exemplar gekauft. „Ich fürchte, dass viele Leute nicht verstehen, was mein Wasserturm bezwecken soll“, sagt Rüffert. Er wolle ein Zeichen setzen, für die Stadt, für die Delmenhorster, für Heimatverbundenheit.

„Kunst im öffentlichen Raum muss einem künstlerischen Anspruch genügen“

Auf Nachfrage bestätigen Stadtbaurätin Bianca Urban und Stadtwerkechef Hans-Ulrich Salmen Rüfferts Darstellung, wonach der geschenkte Wasserturm bei den Stadtwerken auf dem Gelände des Wasserwerks am Albertusweg in Annenheide hätte aufgestellt werden sollen. Urban: „Dort gibt es einen Lernspielplatz am Wasserwerk für Kinder. Vom Thema her ist der Wasserturm dort richtig gut aufgehoben.“ Für Rüfferts Geschmack ist das ziemlich weit ab vom Schuss. Die Offerte beantwortete er gar nicht erst, die Sache verlief im Sande. Seine Hoffnung, den geschenkten Kunststoff-Turm an prominenterer Stelle im Stadtgebiet, etwa inmitten eines Kreisels, aufzustellen, zerschlägt Urban. „Das ist kein originäres Thema für uns. Wir bekommen häufiger Anfragen dieser Art. Kunst im öffentlichen Raum muss auch immer einem künstlerischen Anspruch genügen.“ Weiter macht Urban klar, das die Stadt sich nicht als „Makler“ für einen privaten Künstler sehe.

30-Zentimeter Block wird weiterhin verkauft

Und von der lokalen Wirtschaft gibt es auch kein hoffnungsvolles Zeichen für den Wasserturm in klein: Laut Hans-Ulrich Salmen habe sich zwar der Förderverein der örtlichen Wirtschaft, dessen Vorsitzender er ist, mit dem Wasserturm befasst. Wegen offener Haftungsfragen, falls Kinder auf den Turm klettern und sich verletzen, sei die Idee als nicht machbar eingestuft worden.

Hat das Delmenhorster Wahrzeichen als Kunstwerk also ausgedient?

Nicht ganz: Die Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft (dwfg) weist auf den Souvenirshop der Tourist-Info im Rathaus hin. Dort wird Rüfferts Turm als 30-Zentimeter-Block verkauft. Bei Gelegenheit werde er zudem als Gastgeschenk vergeben. Die dwfg schreibt: „Die Wasserturm-Skulpturen sind nach wie vor eine schöne und originelle Idee.“


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