Friedemann Jaenicke in Stadtkirche Delmenhorst Mit Tierfabeln gegen Fremdenhass

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Am Flügel tobte sich Friedemann Jaenicke während seines Konzerts am Samstag, 12. Januar,  in der Delmenhorster Stadtkirche aus. Foto: Vincent BußAm Flügel tobte sich Friedemann Jaenicke während seines Konzerts am Samstag, 12. Januar, in der Delmenhorster Stadtkirche aus. Foto: Vincent Buß

Delmenhorst. Ob Datenklau oder Patriotismus, Friedemann Jaenicke analysiert in seinem neuesten Programm satirisch das Zeitgeschehen. Und versteckt dabei seine kauzige Art nicht, wie das Publikum am Samstag, 12. Januar, in der Stadtkirche erleben konnte.

"Ich unterhalte mich nicht gerne mit Menschen" – so begrüßte der Künstler Firedemann Jaenicke sein Publikum. Ob das nun der Wahrheit entsprach oder Teil seiner Show war, war schwierig zu beantworten. Dass es in dem folgenden Lied um Selbstgespräche als Alternative ging, sprach eher für Letzteres.

Jaenicke war durchaus redselig, was auch einen Teil des Charms seiner Show "Abstiegskarriere" ausmachte. Selbstironisch bezeichnete er sein erstes Stück als "Altherren-Swing". Wie auch in fast allen folgenden Liedern tobte sich der Pianist Jaenicke dabei am Flügel aus, ab und zu griff er aber auch zum Akkordeon. Begleitet wurde er von Frank Mattutat an Schlagzeug und Gitarre und der Klarinettistin Birgit Kmiecinski.

Dadurch zeichnete sich das Konzert aus

"Frank kann aber auch anders", kündigte Jaenicke nach dem "Altherren-Swing" an, als er eine Hip-Hop-Nummer anstimmte. Dass Mattutat dabei zunächst an die Triangel wechselte, sorgte für Kichern im Publikum. Jaenicke rappte dann über ein Kindheitstrauma: den Kauf von Hosen. Dabei wurde deutlich, wodurch sich der Bremer auszeichnet: Wortwitz, Textlast, Tempo. Und seine Klavierkünste in verschiedensten Genres. So folgten Raggae, Shanty, Volksmusik und Gospel.

Nachdem die ersten Stücke noch die Probleme des Alltags thematisierten, widmete sich Jaenicke bald darauf Größerem. Etwa der Computersucht. Menschen würden heute lieber online das Wetter prüfen, als kurz mal aus dem Fenster zu blicken, vermutete er. Was das Problem daran ist, erklärte er im nächsten Lied "Na dann gucken wir mal", das auch auf Youtube zu finden ist: Datenklau.


Als der Künstler dann erzählte, wie er neulich drei große Schnitzel für 3,95 Euro gekauft hatte, ahnte man schon, dass das keine beiläufige Anekdote war. "Was ist so ein Schweineleben eigentlich wert?", fragte sich Jaenicke und stimmte ein Lied über das gute Bio-Gefühl an. Natürlich wieder als Satire.

Jaenicke musste nie ganz konkret werden

Deshalb wussten die Zuschauer sicher auch, dass kein Loblied auf Deutschland folgen würde, als Mattuta schwarz-rot-goldene Fahnen zum Schwenken austeilte. Die Hymne "Weltmeisterland" entpuppte sich dann auch schnell als Song über unberechtigten Nationalstolz, dank Zeilen wie "Das Rad ist eine deutsche Erfindung".

Foto: Vincent Buß

Zu deutlich und damit oberlehrerhaft wurde Jaenicke allerdings nie. Die ernsten Themen wurden meist in betont fröhliche Melodien und Texte verpackt, was nur betonte, wie absurd sie eigentlich waren. Das Lied "Tauben in Berlin" war eine Fabel über Fremdenhass unter Vögeln. "Die Moral von der Geschichte kann ich Ihnen auch nicht sagen", erklärte Jaenicke im Anschluss. Das musste er auch nicht.

So reagierte das Publikum

Während des fast zweistündigen Konzerts waren die unteren Bänke der Kirche etwa zur Hälfte besetzt. Das überwiegend ältere Publikum blieb eher ruhig, fand dem Schmunzeln zufolge aber Gefallen am Konzert.

Im Laufe seines mittlerweile vierten Programms wurde klar, dass Jaenicke mehr ein Musiker und Dichter als ein Sänger war, was allerdings auch an der nicht immer perfekten Akustik gelegen haben könnte. Seine vereinzelt auftretenden Texthänger waren angesichts der Wortlast verzeihbar. Und wurden von dem Bremer in seiner eigenen Art kommentiert: "Ich müsste mir mal ein Textblatt machen – aber dann würde ich auch das noch vergessen."


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