NTD-Premiere Schwestern treiben Rechtsvertreter an den Rand der Verzweiflung

Niklas Golitschek

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Delmenhorst. Wenn die Werbung sagt, dass man nichts zahlen muss, um zu kaufen, dann langt man eben zu. Und startet zu einer Weltreise. Diesen Anspruch machen die Schwestern Anne Grete und Luise bei der NTD-Premiere vor rund 380 Gästen im Kleinen Haus auch vor Gericht deutlich. Und zwar gnadenlos.

Viel musste das Niederdeutsche Theater Delmenhorst (NTD) nicht ändern, um die Komödie „Twee unschüllige Engels“ nach 27 Jahren erneut im Kleinen Haus zu zeigen. Aus Mark wurden Euro, statt einem Dia-Projektor kam nun ein Beamer zum Einsatz und natürlich das Ensemble war ein anderes.

40 Jahre auf der Bühne

Wobei: Nicht ganz. Lorina Sachtje stand bereits damals auf der Bühne; wenn auch in einer Nebenrolle. Als Anna Greta Kramer schlüpfte sie zu ihrem 40-jährigen Bühnenjubiläum in die Figur der älteren Dame und führte gemeinsam mit der jüngeren Schwester Luise, gespielt von Marion Rose, durch den Abend. „40 Jahre sind schon etwas Besonderes“, sagte Sachtje. Auch wenn sie das Stück schon kannte und trotz der langen Erfahrung – das Lampenfieber sei immer noch da gewesen. „Das gehört dazu“, erzählte sie später.

Schnippische Luise liegt beim Publikum vorne

Grund zur Aufregung gab es freilich nicht. Das gesamte Ensemble wusste zu dieser Premiere, oder besser gesagt Neuauflage, zu überzeugen. Doch auch wenn der Abend Lorina Sachtje gebührte, war es Marion Rose, die als Luise Kramer am meisten gefiel. Das wurde auch beim abschließenden Applaus deutlich. Großteils war dies schlicht der Rolle geschuldet: Als naiverer und schnippischerer Charakter hatte sie die Lacher auf ihrer Seite. Sie brauchte nur den Brief des „International Service Club“ vorlesen und aus der Mitgliedschaft schlussfolgern, dass eine Kreditkarte tatsächlich „kaufen, ohne zu bezahlen“ bedeutet, um die Sympathien zu gewinnen.

Schwestern lassen sich Weltreise aufschwätzen – und kommen vor Gericht

Unter dieser Prämisse lassen sich die beiden Schwestern dann in einem Reisebüro von Frau Erlander (Petra Witte) eine Weltreise aufschwätzen: 13 Länder in 24 Tagen. Für nur 7000 Euro pro Person mag das zwar nach einem Schnäppchen klingen. Doch wer in bescheidenen Verhältnissen lebt, für den ist diese Summe kaum zu bewältigen. Kostet ja nichts mit der neuen Karte, denken sich die beiden – und willigen ein. Kurz nach dieser ausgiebigen Reise finden sie sich allerdings im Gerichtssaal wieder und müssen sich wegen vermeintlichen Betrugs verantworten. Dort spielt das Stück auch den größten Teil.

Rechtsvertreter am Rande der Verzweiflung

Doch Zurückhaltung ist wahrlich keine Stärke der beiden. Vor allem Luise Kramers impulsiver Charakter bringt Staatsanwalt (Lars Deeken), Richter (Heinrich Caspers) und Rechtsanwalt (Andreas Giehoff) an den Rand der Verzweiflung. Bis zum Urteilsspruch ergibt sich so ein humorvolles verbales Scharmützel.

Letztlich bot das Ensemble mehr als zwei Stunden lang gute Unterhaltung. „Das war sehr gut“, fand Helmut Voß, der sich das Stück gemeinsam mit Frau Johanne mit rund 380 weiteren Gästen angesehen hatte. Johanne Voß ergänzte: „Man kann hier abschalten.“ Genau das dürfte auch das Ziel des NTD gewesen sein und auch unter dem Ensemble herrschte nach der Premiere ausgelassene Stimmung. „Besser geht es nicht“, schwärmte Gastregisseur Bernd Poppe.

Kurzfristige Rollenänderung

Das war nicht selbstverständlich, denn kurzfristig mussten zwei Akteure krankheitsbedingt ersetzt werden. Heinrich Caspers hatte immerhin noch knapp drei Wochen, um sich in die für Peter Eggert gedachte Rolle des Richters einzufinden. Anders dagegen Fentke Stolle, sie sprang erst am vergangenen Mittwoch für Elke Seevers als Direktorin Kramer ein. „Ich habe überlegt, die Rolle selbst zu spielen“, räumte Poppe ein wenig Nervenflattern ein. Als Regieassistentin Helga Fleckenstein aber Fentke Stolle vorschlug und er sie sah, war er sofort überzeugt. „Sie hat die letzte Rolle, das ist der größte Druck. Aber sie hat das toll gemacht“, lobte der Regisseur. Stolle selbst wirkte nach der Premiere ebenfalls erleichtert: „Am Anfang hatte ich gar kein Gefühl, um was es in dem Stück geht.“ Denn gemeinsam alles zu proben, war in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich. Für sie hieß das, ihre Texte oft durchzulesen und zu sprechen. Doch es gelang. „Am zweiten Abend ging es dann. Das ist alles möglich“, sagte sie mit einem entspannten Lächeln. Sie wird wie Heinrich Caspers auch in den weiteren Vorstellungen mitwirken.


Weitere Vorstellungen von „Twee unschüllige Engels“ sind geplant für den 26. und 27. Januar, den 1., 2., 9., 10., 14., 15., 22. und 23. Februar. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr, die Sonntagsvorstellungen um 15.30 Uhr. Karten gibt es bei der Konzert- und Theaterdirektion im Theater „Kleines Haus“ an der Max-Planck-Straße oder unter Telefon (04221) 129212. rühl

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