Luftschutz im Zweiten Weltkrieg Eine Handvoll Bauwerke erinnert an Momente der Angst

Von Dr. Norbert Boese

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Delmenhorst. Einige wenige Luftschutzbauwerke aus der Kriegszeit sind in der Stadt noch zu finden. Weitgehend intakt ist ein massiver Deckungsgraben hinter dem Annenheider Bahnhof.

In einer fünfteiligen Serie habe ich im vergangenen Jahr auf dieser Seite die Geschichte der Luftschutz-Bauwerke im Zweiten Weltkrieg in Delmenhorst beleuchtet. Verbunden war dies mit einem Aufruf an Zeitzeugen, sich zu diesem Thema zu melden. Die Serie schloss mit folgendem Wunsch: „Auch wenn man Spuren der Bauwerke finden würde, könnte man das Geschichtsbuch weiter aufblättern.“

Mit einem so großen Echo hatte ich nicht gerechnet. Zahlreiche Zeitzeugen und Grundstückseigentümer kamen auf mich zu. Das Ergebnis: Spuren überall, auf Schritt und Tritt. Zum Teil eingewachsen und versteckt, nicht erkennbar, zum Teil zum Greifen nahe. Daraus könnten tolle Projekte für Schüler erwachsen, die Vergangenheit zu erkunden.

Nach dem Krieg „abgewickelt“

Im Mittelpunkt des Luftschutzprogramms in Nazideutschland, das schon sechs Jahre vor Kriegsbeginn startete und diesem erwartungsvoll entgegensah, standen in Delmenhorst nicht die bombensicheren Bunker – davon gab es keine –, sondern die lediglich splitter- und trümmersicheren massiven Deckungsgräben (MD). Davon gab es in Delmenhorst 84 nach normierten reichsweiten Maßen und Größen. Die meisten sind nach dem Krieg „abgewickelt“ worden: verkauft, vermietet, gesprengt, „entfestigt“, vom Zahn der Zeit angenagt oder von der Natur zurückgeholt.

Bei Alarm auf festen Platz gesetzt

So erinnert sich Heinz Schierenbeck aus der Tannenbergstraße in Stickgras, dass an der Ecke Hindenburg-/Tannenbergstraße ein MD erstellt worden war, er lag neben einem Sportplatz. Die Nachbarn erinnern sich daran, dass sie bei Voralarm oder Alarm in den Deckungsgraben laufen mussten. Dort hatte jeder seinen festen nummerierten Platz, den er einnehmen musste. Nach dem Krieg, den auch dieser MD unbeschädigt überstanden hatte, wie die meisten anderen, wurde das Bauwerk von den Fußballmannschaften des TuS Heidkrug als provisorische Umkleide genutzt, etwas düster und kühl sicherlich. Dieser MD und auch der Sportplatz mussten dann einer Wohnbebauung mit Garagenhof weichen.

Eigener Schutzbau für Luftschutzpolizei

Oder der massive Deckungsgraben auf der Burginsel, die nach der gräflichen Burg Standort des Peter-Elisabeth-Krankenhauses war, ab 1900 Standort einer Berufsschule. Hier war 1943 ein MD für die dort untergebrachte Luftschutzpolizei errichtet worden. Wie ein Experte im Internet (www.bunker-whv.de) berichtet, waren Decke und Wände zunächst nur 15 Zentimeter stark, sie wurden später auf 50 Zentimeter Breite ausgedehnt. Es war kein öffentlicher Schutzbau, sondern nur die 100 Mann der Luftschutzpolizei sollten hier gegebenenfalls Schutz finden (vgl. „Von Hus un Heimat“, 17.1.2009).

Aus Deckungsgraben wurde ein Fledermausquartier

Nach dem Krieg wurde der MD zum Teil „entfestigt“, das heißt einem anderen Zweck zugeführt: Er diente ab Ende 1949 als Lagerraum für die Berufsschule. Als diese 1972 abgerissen wurde, wurde der ehemalige Deckungsgraben in die Grüngestaltung der Burginsel einbezogen und leicht hügelig und parkartig aufbereitet. Der ursprüngliche Notausstieg wurde abgebrochen, das Betonbauwerk, soweit noch vorhanden, wurde ein Fledermausquartier.

MD 14 bot Platz für 75 Menschen

Von den vielen massiven Deckungsgräben in Delmenhorst sind also nur wenige, wohl fünf, erhalten. Für alle historisch Interessierten besonders eindrucksvoll ist der einzige fast intakte und wenig veränderte MD, den ich mit Hilfe von Werner Siemund in einem ungepflegten Grünbereich in Annenheide fand. Er liegt hinter dem Annenheider Bahnhof zwischen den Grundstücken Vogelsangstraße 15 und 17 und dem Gleis auf öffentlichem Grund.

Dieser MD 14, Baujahr 1942, gehört nach den städtischen Akten zu den größeren massiven Deckungsgräben mit einer Länge von 40 Metern und einer Fläche von rund 120 Quadratmetern. Der Innenraum ist knapp zwei Meter breit und bot Platz für 75 Personen, die sich in zwei Reihen gegenübersaßen. Der Baukörper ist ein Meter in die Erde gebaut, mit einer lichten Höhe von etwa 2,20 Metern.

Später ein Ort für Kinderspiele und Feste

Der MD hat an den beiden Enden jeweils einen Ein- und einen Ausgang, je eine Seite ist heute zugemauert. Im Innern wurde eine Trennwand hinzugefügt. Ein Luftbild von Anfang der 50er Jahre zeigt die dreigliedrige Bauform, eine „eckige Wurst“.

Die offenen Eingänge sind verschmutzt, Abfälle sind entsorgt worden. Anlieger sprechen davon, dass sie als Kinder in dem Bauwerk gespielt haben und dass dort Kleinsiedler auf dem Vorplatz Feste gefeiert und Utensilien im MD gelagert haben. Dieser Deckungsgraben sollte unbedingt erhalten werden.


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