Thade Schilling Ein Mann leitet Delmenhorster Kita St. Stephanus

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Thade Schilling ist einer der wenigen Männer, die in einer Kindertagesstätte als Erzieher arbeiten. Anfang des Monats hat der 25-Jährige die Leitung des St.-Stephanus-Kindergartens übernommen. Nicht nur zur Freude von Kita-Kind Sarah (4). Foto: Bettina Dogs-PrößlerThade Schilling ist einer der wenigen Männer, die in einer Kindertagesstätte als Erzieher arbeiten. Anfang des Monats hat der 25-Jährige die Leitung des St.-Stephanus-Kindergartens übernommen. Nicht nur zur Freude von Kita-Kind Sarah (4). Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Ein Mann – und dann auch noch ein sehr junger leitet seit Anfang des Monats die Geschicke der Kita St. Stephanus in Delmenhorst-Stickgras. Doch Thade Schilling hat Spaß an der Verantwortung.

Er ist neu, er ist jung und: Er ist ein Mann. Gerade das ist an Thade Schilling das Ungewöhnliche, denn nur selten trifft der gelernte Erzieher auf Kollegen gleichen Geschlechts. Nur fünf Prozent der Betreuer in den Kindertagesstätten unseres Landes sind Männer. Einer davon ist der neue Leiter des evangelischen Kindergartens St. Stephanus.

Gebürtiger Friese ganz frisch dabei

Seit Anfang des Monats ist in der Einrichtung am Stickgraser Damm sehr vieles anders. Nicht nur, dass mit Thade Schilling nun ein Mann die Geschicke des Hauses leitet, der gebürtige Friese ist auch noch sehr jung: Mit gerade mal 25 Jahren hat er die Führung der langjährigen Leiterin Elke Hein übernommen. „Ein Mann und dann in dem Alter – das hat viele überrascht“, schildert der Neue. Dennoch habe er bislang ausschließlich positive Reaktionen erlebt. „Viele Kolleginnen freuen sich vor allem darüber, dass es nun auch einen männlichen Erzieher gibt.“

Denn von dem Männeranteil von 20 Prozent, wie ihn die Europäische Union 1996 empfohlen hatte, sind die deutschen Kindertagesstätten noch immer weit entfernt. „Dabei wäre es für die Kinder gut, wenn es mehr Männer in den Kindergärten gäbe“, meint er. „Die Erfahrung zeigt, dass sich Jungen in Gruppen mit einem männlichen Erzieher eher an ihn richten. Was aber durchaus auch für Mädchen gilt. Das ist von Kind zu Kind ganz individuell, aber daran merkt man, dass männliche Fachkräfte fehlen.“

Klischeedenken in den Köpfen

Warum das so ist, kann der 25-Jährige nur vermuten. „Vielleicht, weil in den Köpfen immer noch das alte Klischeedenken vorherrscht, dass Kindererziehung Frauensachen ist.“ Dabei seien es gerade die Kindertagesstätten, die sich ständig neu an gesellschaftliche Veränderungen anpassen müssen. „Das ist zum Teil das Herausfordernde an unserer Arbeit heute: Dass die Gesellschaft sich immer schneller verändert.“

Immer wieder verändert hat sich auch Thade Schilling. Mit 17 Jahren ist er von Schortens nach Wilhelmshaven gegangen, um Erzieher zu werden. In Oldenburg übernahm er anschließend die Gruppenleitung einer Nachmittagsgruppe bis er ein Jahr später nach Hamburg wechselte, um als stellvertretender Leiter eines Kindergartens zu arbeiten.

Um wieder näher an der Familie zu sein, zog es den 25-Jährigen jetzt jedoch in den Bereich Oldenburg-Delmenhorst. „Allerdings war mir in Hamburg schon klar: Ich möchte einen Job als Leitung, weil ich Spaß daran hatte, Verantwortung zu übernehmen.“

Die hat er jetzt. Und das in einer Stadt, von der er durch die Bank weg begeistert ist. „Das Bild von Delmenhorst ist ja nicht besonders gut, aber bislang bin ich nur positiv überrascht“, schildert er. Angetan ist er auch von dem fortschrittlichen Kita-Leben, das er in der Delme-Stadt vorgefunden hat. „Obwohl Hamburg eine Großstadt ist, war es dort nicht so modern.“ Gute Förderangebote für Kinder, die enge Verzahnung der Einrichtungen untereinander, die Einführung zukunftsweisender Gerätschaften – „hier in Delmenhorst läuft wirklich viel.“

Werte und Normen hochhalten

In seiner eigenen Kindertagesstätte will der 25-Jährige nun die Werte und Normen weiter hochhalten, die Grundlage der evangelischen Einrichtung sind. „Schon in Hamburg habe ich in einem evangelischen Haus gearbeitet. Mir gefällt die Grundhaltung, diese Basis der Gemeinschaftlichkeit und des Gegenseitig- auf- sich-Achtens.“ Werte, die immer wichtiger werden in einem sich stetig veränderndem Kindergartenalltag. „Die Anforderungen an die Erzieher sind gestiegen“, sagt Schilling. So gebe es immer mehr auffällige Kinder, die nicht richtig sprechen könnten oder immer öfter streiten müssten – ohne daberi nachgeben zu wollen. „Und diesen gesellschaftlichen Entwicklungen versuchen wir in der Kita etwas entgegenzusetzen.“


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