Schornsteinfegerin vorn dabei Delmenhorsterin Nina Sicher will „Miss Handwerk“ werden

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Schornsteinfegerin Nina Sicher aus Delmenhorst will „Miss Handwerk“ werden. Foto: Maic WetzelSchornsteinfegerin Nina Sicher aus Delmenhorst will „Miss Handwerk“ werden. Foto: Maic Wetzel

Delmenhorst. Ihren Meisterbrief hat die Delmenhorsterin Nina Sicher längst in der Tasche. Aber die Schornsteinfegerin steckt sich immer neue Ziele.

Nina Sicher ist derzeit gefragt wie nie. Nicht nur, weil sich viele rund um den Jahreswechsel von ihr versprechen, dass sie als Schornsteinfegerin Glück bringt. Nein, Nina Sicher ist für den Trubel, der um sie derzeit entsteht, selbst verantwortlich. Die 29-Jährige, die im Kehrbezirk von Peter Rose in Delmenhorst mit Rollenklischees bricht, will „Miss Handwerk“ werden. Und sie ist auf diesem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen. Sie gehört zu den sechs Frauen aus Handwerksberufen, die im Finale der bundesweiten Casting-Aktion des Deutschen Handwerksblatts stehen, das im März bei der Handwerksmesse in München ansteht. „Eine wahnsinnige Erfahrung“, sagt Nina Sicher, die 2016 ihre Meisterprüfung abgelegt hat. Wie man zu den Besten gehört, weiß Nina Sicher. Ihre Gesellenprüfung hat sie 2013 als Landesbeste abgeschlossen.

Nina Sicher geht für den Titel „Miss Handwerk“ auch ungewöhnliche Wege. Foto: Werbefotografie Axel Weiss

Imagekampagne fürs Handwerk

Doch um ihre Qualitäten als Schornsteinfegerin geht es im Wettbewerb „Miss Handwerk“ eher am Rande. Die Reinigung und Kontrolle von Abgasanlagen, Feuerstätten oder Lüftungsanlagen ist nicht gefragt. Auch Beratung in Sachen Brand- und Umweltschutz stehen nicht im Fokus. „Es geht vor allem um Sympathie. Das Ergebnis setzt sich aus dem Internet-Voting, der Publikumsbewertung vor Ort und dem Voting einer Jury zusammen“, erläutert die Schornsteinfegerin. Aber warum stellt sie sich dem Wettbewerb? „Eigentlich ist das eine Imagekampagne für das Handwerk. Uns fehlt der Nachwuchs, da müssen wir Wege finden, für unsere Berufe zu werben.“ Und wenn es dann noch gelänge, zu zeigen, dass man auch als Frau in Berufen erfolgreich sein kann, die eher Männern zugeschrieben werden, umso besser. „Der Wettbewerb ist dafür eine gute Plattform.“

„Miss Handwerk“ ist Nina Sicher noch nicht. Aber sie ist schon im Handwerkskalender zu sehen. Mit jugendfreiem, aber durchaus offenherzigem Foto. „Wenn man den Wettbewerb gewinnen will, dann muss man auffallen“, sagt die 29-Jährige und lacht. „Das Shooting hat mir auf jeden Fall großen Spaß gemacht.“ Als ein noch etwas offenherzigeres Foto von ihr jetzt in einem großen Boulevardblatt erschien, „da war meine Familie nicht so begeistert“. Nina Sicher geht trotzdem ihren Weg. Dass zu dem Foto, in das man sie ein wenig reingequatscht habe, noch Zitate veröffentlicht wurden, die sie so gar nicht gesagt hat („Ich bin der heißeste Feger“), verbucht sie als Erfahrung.: „Da war ich zu naiv.“ Sie bekomme aber seit Beginn ihrer Bewerbung zur „Miss Handwerk“ auch viel positive Resonanz. Sie macht eben eine gute Figur. Nicht nur mit traditionellem Schornsteinfeger-Zylinder.

Ziel ist die Selbstständigkeit

Und Nina Sicher, die den Großteil ihrer Freizeit ihrem Freund, ihrem Hund und dem eigenen Fitnessprogramm widmet, ist nicht auf den Mund gefallen. Schnacken, das liegt ihr. „Als Frau musste ich mich in meinem Beruf anfangs behaupten. Ich habe mir manchen blöden Spruch angehört und musste beweisen, dass ich was kann.“

Ihre Ziele sind dabei stets ehrgeizig. Ihr Weg soll in den kommenden Jahren in die Selbstständigkeit führen. Denn ihren Beruf, den liebt die Abiturientin. Auch deshalb setzt sie sich für ihr Handwerk ein, engagiert sich in der Innung und in der Gewerkschaft. „Wo wären wir ohne das Handwerk? Das Haus, die Straße, der Stuhl, das Brötchen, die neue Frisur – alles von Handwerkern geschaffen“, sagt sie.


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