Ein Bild von Marco Julius
02.01.2019, 09:32 Uhr KOLUMNE

Quergedacht: Von neuen Vorsätzen und alten Gewohnheiten

Von Marco Julius


Ein guter Vorsatz: Gesünder essen. Die Idee ist gut, man selbst aber oft noch nicht bereit. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++Ein guter Vorsatz: Gesünder essen. Die Idee ist gut, man selbst aber oft noch nicht bereit. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Delmenhorst. In der heutigen Folge unserer wöchentlichen Kolumne geht es, wie könnte es anders sein, um gute Vorsätze für das neue Jahr.

Es ist nun einmal so: Jeder Mensch besteht eigentlich aus zwei Menschen. Er ist zum einen natürlich der, der er ist. Und zum anderen ist er der, der er gern sein möchte. Oft ein himmelweiter Unterschied. Die Werbung nutzt das schamlos aus, wenn sie uns Wunschwelten präsentiert – und vorgaukelt, diese Welten lägen nur einen Schritt, ja einen Kaufimpuls entfernt. Und die guten Vorsätze, die sich der Mensch so rund um den Jahreswechsel auf die Fahnen schreibt, die gehören auch in die Kategorie. Ist-Zustand: Fauler Couch-Potato, Wunschvorstellung: durchtrainierter Adonis. Weniger essen, mehr Sport: Das ist dann ein Vorsatz, den sich viele nach den kalorienreichen Weihnachtstagen zurechtlegen. 2019, da will man einfach mal mehr im stundenlangen Niedrigtemperaturverfahren zärtlich gegartes Gemüse der Saison auf den Tisch bringen. Gute Idee, bis einem der Duft von Currywurst in die Nase steigt – und alles ist perdu. Und die Sache mit dem Sport? Joggen, klar. Aber es nieselt doch – und ewig lockt das Sofa. Warum sich für 2019 nicht vornehmen, anderen Leuten dabei zuzusehen, wie sie mehr Sport machen? Wäre doch auch ein Anfang.

Überhaupt ändern sich die eigenen Vorsätze sehr schnell, sie passen sich den Realitäten an. Heißt es nach Weihnachten noch: „Ich esse nie wieder was!“, ruft man nach der Silvesternacht bereits: „Ich trinke nie wieder was!“.

Es ist kompliziert

Und überhaupt lässt das Leben einem eh wenig Zeit, um sich um neue oder gar alte Vorsätze zu kümmern. Warum zur Hölle sollte man sich für 2019 vornehmen, die Ziele von 2018 zu erreichen, die man sich 2017 gesetzt hatte, weil man sich 2016 vorgenommen hatte, das zu erledigen, was bereits 2015 geplant war, weil man es 2014 nicht geschafft hatte, alle Vorsätze von 2013 in die Tat umzusetzen? Das meiste auf der Welt, das erledigt sich am Ende von selbst, wenn man ihm nur genug Zeit dazu lässt. In diesem Sinne: Frohes neues Jahr!


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN