Delmenhorst zum Jahreswechsel Delmenhorst braucht eine Stadthalle

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„Delmenhorst - eine Stadt mit Vielfalt“: Symbolkräftiger könnte eine Werbebotschaft ausgerechnet an der tristen Hertie-Fassade in der Delmenhorster Fußgängerzone nicht sein. Foto: Michael Korn„Delmenhorst - eine Stadt mit Vielfalt“: Symbolkräftiger könnte eine Werbebotschaft ausgerechnet an der tristen Hertie-Fassade in der Delmenhorster Fußgängerzone nicht sein. Foto: Michael Korn

Delmenhorst. Delmenhorst kämpft um Image und Identität. Welche Vorhaben Delmenhorst 2019 voranbringen können, beschreibt unsere Analyse zum Jahreswechsel anhand von sechs „Muss“-Themen - beispielsweise das einer Stadthalle.

Das Internet und manche selbst ernannten Protagonisten sowie Gelegenheitskommentatoren lästern gerne über unsere Stadt Delmenhorst ab. Als könnte sie was dafür, dass Niels Högel massenweise Patienten gemordet hat, aus der Kaufhaus-Ruine von Hertie kein neuer Shopping-Tempel wird oder sich Hundehalter und Anwohner wegen Hundekot bei Facebook zuhauf fetzen. Auch unser OB Axel Jahnz ist als Rathaus- und Verwaltungschef bei Weitem nicht für alles haftbar zu machen, was so läuft oder eben nicht läuft in Delmenhorst. Anmerkungen zum Jahreswechsel.

Krankenhaus gerettet

Von 2018 bleibt als Wichtigstes übrig: Wir Delmenhorster haben ein Krankenhaus gerettet und bauen es neu! Auch wenn der Standort Innenstadt die bessere Wahl gewesen wäre, Hauptsache die stadteigene Gesundheitsversorgung und hunderte Arbeitsplätze bleiben dauerhaft erhalten. Mit dem neuen JHD ergeben sich unschätzbar wertvolle Perspektiven für die Stadt und ihre Bürger: An der Wildeshauser Straße wird ein neues „großes Krankenhaus“ gebaut, das nicht nur aus medizinischer Sicht ein Juwel werden kann, sondern auch aus stadtplanerischer: Zusammen mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg und dem Architektur-Denkmal Höger-Altbau können sich weitere gesundheitstechnische, wissenschaftliche, kulturelle und soziale Optionen eröffnen. Und in der Innenstadt birgt das Areal des ehemaligen Josef-Stifts ähnliche Chancen – beispielsweise für die Ansiedlung eines Seniorenzentrums oder überhaupt für Wohnungsangebote im Zentrum.

Neben der weiteren Sicherung der JHD-Zukunft werden 2019 noch diese Aufgaben ein „Muss“ für Delmenhorst:

Hertie muss weg

Seit fast zehn Jahren ein städtebaulicher Schandfleck sowie ein wirtschaftlicher Bremsklotz für den gesamten ansässigen Einzelhandel: Die Kaufhausruine von Hertie in der Fußgängerzone. Die Investorenfirma Deutsche Immobilien Holding (DIH) ist an ihren eigenen hehren Plänen für die Wiederbelebung als Einkaufszentrum mit einer prominenten Modekette als Kundenmagnet gescheitert.

Außer dem Abriss des alten Parkhauses und der Entkernung des Betonklotzes hat der Eigentümer in den vergangenen Jahren nichts vorangebracht. Seine wiederkehrenden ultimativen Forderungen nach mehr Parkplätzen am Vorwerk sind der klägliche Versuch, von seinen tatsächlichen Immobilienplänen abzulenken und anderen die Schuld für das Scheitern des von vornherein aussichtslosen Kaufhausprojekts zu geben.

Die Konsequenz kann daher nur heißen: Abriss des gesamten Gebäudes. Der Freiraum mit Blick von der Fußgängerzone auf die Stadtkirche könnte links und rechts mit Wohn- und Geschäftshäusern teilbebaut werden. In jedem Fall muss ein Mittelgang oder ein Platz zwischen Langer Straße und Bebelstraße freibleiben, um die in der Innenstadt zu schwach ausgeprägte Seitengassen-Struktur zu fördern.

Eine Stadthalle muss her

Mehr als 80 000 Einwohner und keine Stadthalle? Ein Unding! Nach Abriss von Delmeburg und Delmehalle 2009 hat die Stadt keine Mehrzweckhalle mehr, die auch als identitätsstiftender kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Mittelpunkt fungiert. Die viel zu kleine Markthalle kann diese klaffende Lücke nicht füllen, sodass unbedingt ein Neubau her muss. Standort: Die Hotelwiese, wo einst Delmeburg und Hotel standen und wo jetzt außer Weihnachtsbaumverkauf, Hüpfburgen und Mittelalter-Spektakel nur gähnende, triste Leere herrscht. Eine vielseitig von Veranstaltern, Vereinen, Unternehmen und Bürgern genutzte Stadthalle könnte dem symbolträchtigen Areal auch endlich die Bedeutung geben, die es verdient: Hier gewann Delmenhorst 2006 den Kampf gegen Nazipläne und genau an dieser Stelle sollte ein dauerhafter kultureller Mittelpunkt im Stadtleben die derzeitige Ödnis ersetzen. Als Investor scheinen die Stadtwerke Delmenhorst geeignet, die als Betreiber der Grafttherme gleichzeitig auch ihre Hotelpläne für das Erlebnisbad in das Projekt einbinden könnten.

Bauland Heidkamp muss kommen

Beim Bauland fürs Wohnen steht die Stadt seit Jahren mit leeren Händen da und muss bauwillige Familien ins Umland ziehen lassen, vorwiegend nach Ganderkesee. Die verstreut über das Stadtgebiet bestehenden Einzelbaulücken können keine Alternative sein zum Angebot eines ökologisch, sozial und generationsübergreifend ausgerichteten Neubaugebiets. In Toplage bietet sich der Acker Am Heidkamp im Stadtteil Bungerhof Höhe Grundschule an. Hier liegt alles vor der Haustür: Grundschulen, Kitas, Einkaufsmärkte, Delbus-Haltestellen, Erholungsflächen und mehr. Großzügig umweltverträglich bemessene Grundstücke fürs Eigenheim, aber auch für begrenzte Mehrparteienhäuser könnten endlich ein konkurrenzfähiges Quartier bilden zu den Vorzeigegebieten in der Ganderkeseer Nachbarschaft. Ähnliches gilt für das Gewerbe: Die Firmenmeile am Gut Langenwisch läuft nach Startschwierigkeiten nun voll, sodass Delmenhorst dringend Nachschub benötigt. Hier gilt das gleiche wie für das Wohnbauland. Restposten helfen nicht weiter. Auch hier macht Ganderkesee es mit der Westtangente und Grüppenbühren vor. Delmenhorst kann nur kontern mit ähnlich gelegenen Gewerbegebieten. Die Lösung für eine attraktive Verkehrslage in Anbindung zu bestehenden Unternehmen liegt derweil auf dem Tisch der Ratspolitik: Zur Pultern in Stickgras.

Ortshandel muss online gehen

Wir haben ein neues attraktives City-Parkhaus, rund um die Uhr geöffnet. Schön. Und gut. Aber das alleine wird nicht reichen, um die wirtschaftliche Existenz der City-Geschäfte zu sichern. Auch das neue Pflaster bringt keine zusätzlichen Einkäufer ins Zentrum. Die Kasse muss klingeln, und das in nicht immer weniger Läden, sondern in immer mehr! Und für die Kunden muss was los sein, es muss sich lohnen „in die Stadt zu fahren“. Kaufleute, Gastronomen, Dienstleister und Eigentümer sind gefordert, deutlich mehr gemeinsam Initiative zu zeigen statt nur die Ladentüren aufzusperren – und das auch noch uneinheitlich. Als Erstes müssen Wirtschaftsförderung und Geschäftsinhaber ein Internetportal „Einkaufen in Delmenhorst“ gründen. Mit zusätzlichen Aktionen kann der Zuspruch erhöht werden, wie immer wieder an verkaufsoffenen Sonntagen zu erleben ist. Andernorts etwa werden lange Shoppingnächte angeboten, wird zum langen Donnerstag zurückgekehrt, die „nette Toilette“ angeboten oder stundenweise kostenfreies Parken finanziert.

Wasserturm muss genutzt werden

Delmenhorst hat ein Wahrzeichen, nur wissen das viele Delmenhorster wahrscheinlich selbst nicht: Den Wasserturm. 44 Meter hoch, Baujahr 1910. Vor acht Jahren haben die Stadtwerke den frisch sanierten Rathausfried in seiner ursprünglichen Funktion zur Druckregulierung des Wassernetzes stillgelegt. Zu schade, um den Wasserturm bis auf sonntägliche Aussichtsöffnungen und Halloween-Aktionen ungenutzt zu lassen. Unser Wahrzeichen muss als solches viel mehr identitätsstiftend in den Mittelpunkt unseres Stadtlebens gerückt werden. Ein Skywalk könnte den knapp bemessenen Aussichtsgang spektakulär ergänzen. Es steckt so viel Potenzial im Turm: touristisch (Übernachtung in der Turmkammer), kulturell (Turmkonzerte im Kesselsaal, Kunst am Turm in Zusammenarbeit mit dem Haus Coburg), sozial (Trauungen in der Turmstube) und gastronomisch (Turmbistro, -café, -lounge).

Stadt muss Freibad bauen

Nicht nur der Super-Sommer hat es bewiesen: Delmenhorst fehlt ein Freibad. Ringsum kann in deutlich kleineren Landkreis-Gemeinden im Freien geschwommen werden. Die Grafttherme, die mit ihren vielfältigen Sauna-, Spaß-, Sport- und Kursangeboten ein Imageträger für unsere Stadt in der Region ist, hat den Platz: Die bestehenden 25-Meter-Bahnen im Außen-Sportbecken auf 50 Meter zu verlängern, würde das Schwimm-Angebot im Freien zumindest konkurrenzfähiger machen. Wenn dann noch die nicht marktgerechten morgendlichen Schließzeiten aufgehoben werden, könnten manche Badegäste den Weg nach Delmenhorst zurückfinden.


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