Josef-Hospital Delmenhorst Hebammenverband kritisiert JHD mit scharfen Worten

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Der Wechsel an der Spitze der Frauenklinik des JHD beim Hebammenverband Kritik hervor. Foto: Marco JuliusDer Wechsel an der Spitze der Frauenklinik des JHD beim Hebammenverband Kritik hervor. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Der Hebammenverband Niedersachsen macht sich für die scheidende Chefärztin Dr. Katharina Lüdemann stark. Ihr Abschied könne die Klinik vor große Probleme stellen.

Die Geburtshilfe am Standort Delmenhorst ist in großer Gefahr. Das sagt Veronika Bujny, Vorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen. Wie berichtet, hat Florian Friedel, Geschäftsführer des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD), mitgeteilt, dass bereits zum 1. Januar ein Wechsel auf dem Chefarztposten der Frauenklinik vollzogen wird. „Im besten Einvernehmen“ verlasse die bisherige Chefärztin Dr. Katharina Lüdemann das JHD. Ihr Nachfolger ist Dr. Aref Latif.

„Hilferufe“ von Hebammen

Ohne Dr. Lüdemann aber sei die Zukunft der Geburtshilfe in Delmenhorst mehr als ungewiss, sagt nun Bujny für den Hebammenverband. Fünf Hebammen haben laut Friedel gekündigt, als sie vom Abschied Lüdemanns erfuhren. Bujny geht davon aus, dass durchaus noch weitere Kündigungen folgen werden. „Die Hebammenverbände Niedersachsen und Bremen haben in der letzten Woche zahlreiche Hilferufe und Berichte von Hebammen aus Delmenhorst erhalten“, berichtet Bujny. „Für uns Vertreterinnen der Hebammenverbände klingt das alles nicht so einvernehmlich, wie es die Geschäftsführung formuliert.“

Dass die Stellen der Hebammen, die ihre Kündigung eingereicht haben, schnell wieder neu besetzt werden können, bezweifelt Bujny zudem. „Ich kenne den Arbeitsmarkt in der Region sehr genau. Allein in Bremen können derzeit 19 Stellen nicht besetzt werden. Die fünf Stellen in Delmenhorst zu besetzen, das wird nicht gelingen.“ Das macht Bujny auch daran fest, dass mit Lüdemann ein entscheidender Faktor fehle. „Viele Hebammen haben sich bewusst für das JHD entschieden, eben weil sie mit Dr. Lüdemann zusammenarbeiten und von ihr lernen wollten.“ Dr. Lüdemann stehe mit ihrer Reputation für eine wertschätzende Geburtshilfe und eine niedrige Kaiserschnittrate. Die Einstellung Lüdemanns stimme weitgehend mit der Hebammenethik und -moral überein. „Das bestätigen uns auch Hebammen vom JHD“, sagt die Interessenvertreterin. Intern rumore es, sagt Bujny.

950 Geburten im Jahr

Sollte der Kreißsaal in Delmenhorst schließen müssen, eine Gefahr die Bujny im Gegensatz zum JHD-Geschäftsführer Friedel sieht, bedeute das aus ihrer Sicht einen Schlag für die Region. „950 Geburten im Jahr, die nicht vor Ort versorgt werden könnten, das wäre ein Einschnitt. In Bremer Kliniken können nicht noch mehr Frauen aus Niedersachsen aufgenommen werden“, sagt die Vorsitzende des Hebammenverbandes.

Dass der Wechsel an der Spitze der Frauenklinik vorgenommen werde, „ohne zu sehen, was Frau Dr. Lüdemann in der Geburtshilfe und für Delmenhorst erreicht hat“, sei fahrlässig, betont Bujny. Dass der Nachfolger Dr. Lüdemanns, Dr. Aref Latif, vor allem als Fachmann für Chirurgie angekündigt werde, über seine Kompetenzen in der Geburtshilfe aber nichts zu lesen sei, spreche Bände.


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