Fast 76 Millionen Euro Minus Kosten fürs Soziale steigen in Delmenhorst deutlich

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Die Kosten im Sozialbereich bei der Stadt Delmenhorst steigen im nächsten Jahr um rund fünf Millionen Euro an. Foto: Monika Skolimowska/dpaDie Kosten im Sozialbereich bei der Stadt Delmenhorst steigen im nächsten Jahr um rund fünf Millionen Euro an. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Delmenhorst. Der mit Abstand größte Brocken im Delmenhorster Haushalt geht an soziale Zwecke. Weil Fallzahlen bei hilfebedürftigen Kindern teilweise dramatisch zunehmen oder der Kita-Ausbau forciert wird, wirkt sich das auf die Kosten aus. Ein Überblick.

Delmenhorst ist eine Stadt mit einigen sozialen Problemstellen – und die gehen ins Geld. Nirgendwo wird das so geballt deutlich, wie im Haushalt des Sozialbereichs der Stadt. Rechnet man alle Einnahmen und Ausgaben im Fachbereich Jugend, Familie, Senioren und Soziales einmal gegen, entsteht ein Minus von 75,7 Millionen Euro, das die Stadt decken muss. Das sind 4,7 Millionen Euro mehr, als 2018.

Woran liegt das? Vielerlei Einflussfaktoren wirken im Fachbereich zusammen. Einige davon wirken sich besonders kräftig aus. Einige Beispiele:

Die Fallzahlen beim Unterhaltsvorschuss explodieren: Der Vorschuss wird immer dann gezahlt, wenn (in der Regel) Väter von Trennungskindern dieser Aufgabe nicht nachkommen. Im Sommer 2017 ist das Gesetz hierzu reformiert worden – mit der Folge, dass nun viel mehr Kinder anspruchsberechtigt sind. Neben Kindern bis elf Jahre haben nun auch Zwölf- bis 17-Jährige Anspruch auf den Vorschuss. Laut Fachdienstleiter Thomas Lauts ging vor der Reform der Vorschuss an 711 Kinder. Am 1. Dezember 2018 waren es 1328 (+86 Prozent). 2019 sind im Haushalt fast 1,2 Millionen Euro dafür eingeplant (+210.000).

(Weiterlesen: Städtischer Haushalt in Delmenhorst 2019)

Die stationäre Erziehungshilfe wird intensiver: Insgesamt 144 Kinder leben in Delmenhorst getrennt von ihren Familien in Heimen oder im Betreuten Wohnen. „Die Fallzahl war zwar zuletzt konstant, aber der Einzelfall wird viel intensiver gefördert“, sagt Fachdienstleiter Olaf Meyer Helfers. Die Unterbringung, die Schulassistenz aufgrund eines Förderbedarfs oder die mögliche Einzelbetreuung im Unterricht koste Geld: 1,2 Millionen Euro Mehrkosten werden 2019 veranschlagt. Für die Heimerziehung und das Betreute Wohnen gibt die Stadt 2019 5,5 Millionen Euro aus.

Die Fallzahlen im Bereich der Schulassistenz steigen kräftig an: Wird bei einem Kind eine seelische Behinderung festgesellt oder ist von ihr bedroht, erhält es in der Schule Hilfe durch eine Schulassistenzkraft. Da diese Hilfe laut Fachdienstleiter Meyer-Helfers über die gesamte Schullaufbahn laufen könne, sei dies entsprechend teuer: Eine Million Euro plane die Stadt 2019 hierfür ein, 200.000 Euro mehr als 2018, so der Fachdienstleiter. Der Fachbereichsleiter Rudolf Mattern nennt die Fallzahlensteigerung in diesem Bereich „extrem“ und macht seine Zweifel daran deutlich, ob jeder Einzelfall die Hilfe verdiene. „Das Asperger-Syndrom ist eine Modediagnose“, sagt Mattern. Als Reaktion wolle die Stadt Sozialarbeiter einstellen, die genau diese Diagnosen abprüfen sollen.

(Weiterlesen: Rat gibt städtischem Haushalt für 2019 grünes Licht)

Ausbau der Kita-Landschaft: Da die Stadt seit einiger Zeit mit Nachdruck am Ausbau ihrer Kita-Landschaft arbeitet, entstehen hier zunehmend Kosten: Durch mehr Personal, längere Betriebszeiten und die Neuinbetriebnahme von Kitas, schildert Mattern und beziffert zwei Millionen Euro Mehrkosten auf insgesamt 15 Millionen samt Baukosten. 2019 soll die Kita an der Otto-Jenzok-Straße in Betrieb gehen und der Bau der Kita Moorkamp beginnen. Zudem sind konkret Kitas an der Schreberstraße und im Wollepark geplant.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt sind Tarifsteigerungen für zahlreiche Angestellte. Beim Fachbereich selbst führt Mattern allein 350 Mitarbeiter – er vergleicht sich darum mit einem Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Hinzu kommen noch rund 1000 Mitarbeiter zum Beispiel in Kitas, in Pflegeheimen oder bei Wohlfahrtsverbänden, die die Stadt in vielen Bereichen wie der Flüchtlingsbetreuung beauftragt hat, die von Tarifsteigerungen profitieren. Weil Transferleistungen (wie unter anderem die Eingliederungshilfe) sich an diesen Tarifen orientieren, so Mattern, ziehen hier die Kosten ebenfalls an. Insgesamt rund 4,2 Millionen Euro mehr im Jahr 2019 mache dieser Komplex aus.


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