Verteidiger versucht Wendung Prozess um Unfallflucht in Delmenhorst

Von Ole Rosenbohm

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Das Oldenburger Landgericht musste sich mit einer Unfallflucht in Delmenhorst beschäftigen. Foto: Volker Hartmann/dpaDas Oldenburger Landgericht musste sich mit einer Unfallflucht in Delmenhorst beschäftigen. Foto: Volker Hartmann/dpa

Oldenburg/Delmenhorst. Hat eine Delmenhorsterin einen Schaden von 4000 Euro wirklich verursacht oder saß ihr Mann am Steuer? Damit hat sich nun das Oldenburger Landgericht beschäftigt.

Einem scheinbar klaren Fall in einer Berufungssache vor dem Oldenburger Landgericht hat der Verteidiger kurz vor den Plädoyers noch fast eine neue Wendung geben können. Angeklagt war eine Delmenhorsterin, 42 Jahre alt und seit Januar sowie einer vor der Polizei zugegebenen Unfallflucht nicht mehr im Besitz ihres Führerscheins. Morgens beim Ausparken vor ihrer Wohnung soll sie einem stehenden Wagen einer Nachbarin den hinteren Bereich eingedrückt und zerkratzt haben. Schaden knapp 4000 Euro, Personenschäden gab es nicht.

Unerlaubt entfernt

Das Amtsgericht hatte sie wegen Entfernens vom Unfallort zu 40 Tagessätzen mit je 30 Euro verurteilt, ihr die Fahrerlaubnis entzogen und ihr dazu eine dreimonatige Sperre aufgebrummt. Die Beweislage schien klar: Die Frau hatte den morgendlichen Unfall am Abend des selben Tages auch vor der Geschädigten zugegeben, als diese erfolgreich auf den Parkplätzen in ihrer Nachbarschaft anhand eines abgebrochenen Teils vom Rücklicht der Angeklagten den Verursacher gesucht hatte.

Ehemann plötzlich im Verdacht

Dennoch ging die 42-Jährige in Berufung und machte dort – was ihr Recht ist – keinerlei Aussagen mehr. Als alle Zeugen – Geschädigte, der die Aussage ebenfalls verweigernde Ehemann und zwei Polizisten – geredet hatten, dann der Versuch, die Wendung einzuleiten: Vielleicht, sagte der Anwalt, war´s meine Mandantin ja doch nicht. Er verwies plötzlich auf das pickepackevolle Fahreignungsregister des Ehemannes, das seit 2005 ständig Probleme mit seiner Fahrerlaubnis dokumentiert. Der Mann hatte mehrfach seinen Führerschein verloren und fuhr zwischendrin auch ohne. Weil er ihn zum Tatzeitpunkt besaß, läge es nahe, fand der Anwalt, dass die mit einer völlig blütenweißen Weste ausgestattete Frau Unfall und Flucht nur zugegeben hatte, um ihren in Bremen arbeitenden Mann die Fahrerlaubnis zu erhalten. Der Verteidiger beantragte also Freispruch.

Angeklagte laut Gericht schon genug gestraft

Das Schöffengericht zwang er so zum Nachdenken und vielleicht zu einer Art Kompromiss. Denn es wollte zwar der Argumentation, es könne jemand anderes – also der Ehemann – gefahren sein, nicht folgen. Das Gericht verzichtete aber – bei Aufrechterhaltung der Geldstrafe – auf die drei Monate Sperre. Damit bekommt die 42-Jährige ihre Fahrerlaubnis zurück, ohne eine teure und langwierige Medizinische-Psychologische Untersuchung (MPU) absolvieren zu müssen, die die Fahrerlaubnisbehörde bei Wiederbeantragung durchaus anordnen könnte. Die Angeklagte sei, begründete das Gericht, schon genug gestraft, ihren Führerschein jetzt bald ein Jahr nicht mehr in Besitz zu haben.

Ehemann wird nicht belangt

Der Ehemann übrigens wäre auch dann nicht belangt worden, wäre das Gericht der Verteidigung gefolgt. Erstens waren alle Fristen, ihn anzuklagen schon abgelaufen, zweitens hätten die Zweifel an der Schuld wohl auch für ihn gegolten.


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