Willy-Brandt-Allee in Delmenhorst Anwohner laufen Sturm gegen Gehweg-Umbau

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Sylvia Popken, Paul und Carmen Janßen sowie Barbara Wartberg (v.l.) sind vier der rund 40 Anwohner, die den Ausbau der Gehwege an der Willy-Brandt-Allee verhindern wollen. Foto: Sascha Sebastian RühlSylvia Popken, Paul und Carmen Janßen sowie Barbara Wartberg (v.l.) sind vier der rund 40 Anwohner, die den Ausbau der Gehwege an der Willy-Brandt-Allee verhindern wollen. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Weil es regelmäßig Streit zwischen Fußgängern und Radfahrern geben soll, die gleichzeitig den Gehweg nutzen, soll dieser an der Willy-Brandt-Allee in Delmenhorst verbreitert werden. Fast 40 Anwohner haben nun einen Beschwerdebrief an Verwaltung und Politik geschickt. Sie stört ein Punkt besonders.

Pläne, an der Willy-Brandt-Allee Gehwege zu verbreitern, damit Radfahrer das dortige Kopfsteinpflaster besser umfahren können, sind bei Anwohnern auf Ablehnung gestoßen. Fast 40 Namen finden sich auf einer Unterschriftenliste gegen die Pläne. „Es passiert immer wieder, dass Radfahrer und Fußgänger sich gegenseitig gefährden und beschimpfen“, heißt es in dem Antrag der SPD-Fraktion vom September 2016, der den Anstoß zu den Planungen gab.

Heftige Kritik für SPD-Initiative

„Diese subjektiv einseitige Behauptung als Begründung für eine umfangreiche Baumaßnahme hinzustellen, ist doch mehr als dünn und zeugt von einer persönlichen Selbstdarstellungsambition als von belegbaren Fakten“, erzürnen sich die Anwohner dazu in einem Brief an Verwaltung, Politik und zahlreiche andere Stellen.

Mehr als 115.000 Euro für breitere Gehwege

Die Politik entschied sich trotz Ablehnung der Verwaltung im Planungsausschuss am 26. Oktober 2017 mehrheitlich für den Ausbau der Gehwege und damit für die Rodung von 21 Bäumen und Kosten in Höhe von 115.000 Euro zuzüglich der Kosten für Neupflanzungen. Die Pflasterung soll beidseitig auf einer Länge von knapp 200 Metern auf 2,50 Meter verbreitert und zu gemeinsamen Gehwegen mit der Kennzeichnung „Radfahrer frei“ werden.

Scharfe Kritik

„Unseres Erachtens hat Delmenhorst aufgrund der angespannten Haushaltslage sicher wesentlich drängendere Aufgaben. Insofern halten wir die geplante Maßnahme für Verschleuderung von Steuergeldern und mühsam aufgespartem Geld der Betroffenen“, schreiben die Anwohner weiter. Denn die hohen Kosten für das Bauprojekt könnten zu 70 Prozent auf die Anlieger abgewälzt werden, fürchten diese. Ein Anwalt sei bereits eingeschaltet, wie Paul Janßen, der für die Anwohner den Brief verfasste, auf Nachfrage erklärt. „Rechtsmittel gegen den Beschluss gibt es keine“, sagt Janßen. Erst wenn es an die Umsetzung gehe, gebe es Möglichkeiten.

Radfahrer sollen weiter Kopfsteinpflaster befahren

Außerdem glauben die Anwohner, dass das Unfallrisiko durch die verbreiterten Gehwege steigen wird, da sich dann noch öfter Radfahrer und Fußgänger begegnen. „Wir fahren auch Fahrrad, man kann auf dem Kopfsteinpflaster fahren. Nur eben nicht mit Tempo 30“, finden die Anwohner Carmen und Paul Janßen. „So lang ist die Strecke wirklich nicht. Es ist doch irrwitzig, dafür Bäume zu fällen“, findet auch Nachbarin Barbara Wartberg. Eher könne man mit Schildern versuchen, den Radverkehr auf das etwas unangenehmer zu befahrene Pflaster zu lenken. „Das wäre günstig und einen Versuch wert.“ Das Problem sei etwas weiter, an der Frieda-Hense-Straße, wo es nur auf einer Seite einen Gehweg gebe, gravierender. Dafür gebe es aber keine Baupläne, wundern sich die Anwohner.

Umsetzung zunächst nicht geplant

Erstmal wird an der Willy-Brandt-Allee alles beim Alten bleiben. „Für den Umbau des Bürgersteigs zu einem Radweg stehen keine Haushaltsmittel zur Verfügung“, teilt Stadtsprecher Timo Frers auf Nachfrage mit. Dass die Pläne damit beschlossen, aber erstmal auf Eis liegen, ist für die Anwohner kein Grund, jetzt aufzuhören. „Wir können nur an die Vernunft der Politiker appellieren“, betont Paul Janßen. „Diese Maßnahme an sich ist sinnwidrig und eine Verschwendung von Steuergeldern“, findet er. Das Kopfsteinpflaster gehöre an die Allee. „Das gehört zu diesem ehemaligen Militärareal dazu. Außerdem wirkt es verkehrsberuhigend.“

Ratspolitikerin zeigt Verständnis

SPD-Ratsfrau Margret Hantke verteidigt gegenüber dem dk ihren ursprünglichen Antrag. „Es hieß, Fußgänger seien gefährdet, weil Radfahrer den Gehweg befuhren“, erinnert sich Hantke. Zwei Anwohner hätten sich an den SPD-Ortsverein Deichhorst gewendet. Der ging das Thema an, es gab eine Ortsbegehung. Hantke hätte eine Beschilderung oder Unterteilung des Weges bevorzugt. „Doch dafür war laut Verwaltung der Weg zu schmal. Was jetzt daraus geworden ist, wäre auch nicht mein Ansinnen gewesen“, sagt Hantke, angesprochen auf die zu fällenden Bäume und die hohen Baukosten. Sie nehme die Beschwerden der Anwohner ernst. Zunächst werde sie den Brief weiterleiten an Heinrich-Karl Albers (CDU), den Vorsitzenden des Ausschusses für Planen, Bauen und Verkehr. „Da gehört der Brief hin.“ Sie nehme das Thema mit in die Ratspolitik und werde es im neuen Jahr noch einmal ansprechen.


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