Sinkende Mitgliederzahlen Delmenhorster Kaninchenzüchter wirbt um Nachwuchs

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In Rolf Frerichs´ Leben dreht sich alles um Kaninchen. Doch den Rassezüchtern fehlt es zunehmend an Nachwuchs.. Foto: Bettina Dogs-PrößlerIn Rolf Frerichs´ Leben dreht sich alles um Kaninchen. Doch den Rassezüchtern fehlt es zunehmend an Nachwuchs.. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Die Kaninchenzuchtvereine plagen sinkende Mitgliederzahlen. Der Delmenhorster Vereinschef Rolf Frerichs erzählt von seiner Leidenschaft in schwierigen Zeiten.

Die Neue oben rechts ist noch etwas scheu. Ein eher ungewöhnliches Verhalten im Stall von Rolf Frerichs, im Allgemeinen pflegt der Züchter von kleinen Zwergwiddern doch ein ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis zu seinen Tieren. „Sie ist noch nicht so lange bei uns“, erklärt der 69-Jährige die Skepsis der jungen Häsin. „Aber das wird sich in den nächsten Wochen schon noch legen.“

Faible für Zwergwidder

Seit mehr als 50 Jahren hat der Vorsitzende des Kaninchenzuchtvereins I 2 Delmenhorst sein Leben den Kaninchen verschrieben. Er liebt sie alle: die großen Kaninchen und die kleinen, die langhaarigen und die mit kurzem Fell. Viele hat der Delmenhorster schon gezüchtet, abertausende in seiner langen Laufbahn als Richter bewertet. Am meisten aber schlägt sein Herz für „Zwergwidder perlfehfarben“. 16 Tiere leben aktuell in seinem Stall, allesamt hochklassige Vertreter ihres Schlages. Auf der Bundeszuchtschau in Leipzig Mitte Dezember hat eine selbstgezogene Häsin just den Sieg in ihrer Klasse eingebracht, womit sie sich genauso erfolgreich wie der Vater zeigte: Der hatte Anfang des Jahres in Erfurt den Bundessiegertitel in der Herren-Widderklasse geholt.

Mitgliederschwund

Nirgends auf der Welt gibt es so viele Kaninchenzüchter wie in Deutschland. Unter dem Dach des Zentralverbandes Deutscher Rassekaninchenzüchter, dem größten Verband für Züchter von Rassekaninchen in Deutschland, sind laut eigener Angaben derzeit 120.000 Mitglieder organisiert. Doch den Vereinen bricht zunehmend der Nachwuchs weg. Seit Jahren beklagt der Verband sinkende Mitgliederzahlen und ein steigendes Durchschnittsalter bei den Züchtern. Waren 2011 im Landesverband Weser-Ems, zu dem auch die Delmenhorster Kaninchenzuchtvereine I 2 und I 5 gehören, noch rund 5000 Züchter aus 144 Vereinen gemeldet, waren es 2017 nur noch rund 4500 Mitglieder. Tendenz: sinkend.

Zu wenig Jüngere

„Es ist heute schwieriger geworden, Kaninchen für die Zucht zu halten „, sagt Frerichs Ehefrau Bärbel, die selbst jahrelang als Züchterin von Rassekaninchen aktiv war. „Dafür brauchen sie ja immer gleich auch mehrere Tiere. Aber das ist in den heutigen Wohngebieten nur schwer umzusetzen.“ Dazu bedeute das Hobby Kaninchenzucht einen hohen zeitlichen Aufwand und viel Verantwortung dem Tier gegenüber. Wer als Jugendlicher einsteigt, kennt die Rassezucht meist aus der eigenen Familie. Rolf Frerichs: „Es kommen zu wenig Jüngere nach, unsere Altersstruktur liegt bei 50plus.“ „

Rasseerhalt als Ziel

Dazu habe sich in den vergangenen Jahren das Bild vom Hauskaninchen stark gewandelt. „Früher wurden Kaninchen vor allem dafür gezüchtet, dass auch was für die Küche übrigbleibt“, sagt Rolf Frerichs. Das sei heute anders. Heute geht es bei den Züchtern in erster Linie um Ausstellungen und darum, die Rassen zu erhalten. Darüber hinaus ist das Kaninchen inzwischen auch zu einem beliebten Haustier geworden. „Wobei das meistens Mischlinge sind, die aus dem Handel kommen und für den Verkauf vermehrt werden“, sagt Bärbel Frerichs und kritisiert: „Da geht es weder um Rasseerhalt noch um ein gutes soziales Wesen bei den Tieren. Und man weiß nie, woher die Tiere stammen.“

Stundenlang im Stall

Für die Frerichs ist das unvorstellbar. Täglich verbringt der 69-jährige Züchter viele Stunden im Stall, um seine Tiere zu pflegen, die Boxen zu säubern und Zeit mit ihnen zu verbringen. „Ich will einfach, dass es meinen Kaninchen gut geht“, so Frerichs. Und sicher sein, dass sie ein gutes Leben hatten, wenn sie am Ende vielleicht doch in der Küche landen. Inzwischen verkauft er aber den Großteil der Kaninchen, die er nicht für die Zucht behalten will, als Haustiere an Familien. „Aber nur, wenn wir sicher sind, dass sie es mindestens genauso gut haben werden wie bei uns.“


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