Weihnachtsbotschaften Bischöfe der Region kritisieren zunehmenden Egoismus

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„Was sieht die Welt, unser Land, was sieht die Kirche, wenn ihnen der Spiegel vorgehalten wird?“ Weihbischof Wilfried Theising. Foto: BMO„Was sieht die Welt, unser Land, was sieht die Kirche, wenn ihnen der Spiegel vorgehalten wird?“ Weihbischof Wilfried Theising. Foto: BMO

Delmenhorst/Region. Die Bischöfe Thomas Adomeit und Wilfried Theising haben zu Weihnachten 2018 Krieg, Krisen und Skandale aufgegriffen und den Solidaritätsgedanken bekräftigt.

Die für Delmenhorst, Ganderkesee und die Region zuständigen Bischöfe Thomas Adomeit und Wilfried Theising haben in ihren Weihnachtsbotschaften den zunehmenden Egoismus in der Welt, aber auch hierzulande kritisiert. Theising erklärte angesichts von Krieg, Krisen und Skandalen: „Weihnachten ist das Angebot Gottes an uns, den Spiegel der Ichbezogenheit fallen zu lassen.“

Adomeit: Kleinglauben der Menschen

Der Oldenburger Landesbischof Thomas Adomeit sagte am Heiligen Abend in der Lamberti-Kirche, es sei ein Irrweg, dass die Menschen weiterhin mit todbringenden Waffen Frieden schaffen wollten. Dieser Irrglaube verrate den Kleinglauben der Menschen, hieß es in dem vorab veröffentlichten Text seiner Predigt. Gott sei ohne Waffen und beschützende Armee als Fremdling in der Krippe zu den Menschen gekommen - ohne Herberge und passende Unterkunft. Damit habe er gezeigt, „dass man wirklich herunterkommen kann, wenn man keine Aufnahme findet“. Und doch böten die Menschen Flüchtlingen, „die als Schwestern und Brüder um Aufnahme bitten, nicht einmal einen Stall und eine Krippe an, sondern schlagen die Türen schon weit vor der Stadt zu.“ Gott lasse sich nicht durch Unfreundlichkeit und Unmenschlichkeit abschrecken.

Theising: Noch ein menschliches Gesicht?

Wilfried Theising, Bischöflicher Offizial und Weihbischof: Was sieht die Welt, unser Land, was sieht die Kirche, wenn ihnen der Spiegel vorgehalten wird? Uns allen fallen dazu zahlreiche aktuelle Entwicklungen und Themen ein, die nicht gerade ermutigend sind. Kriege, Klimakrise, Nationalismus und mitunter Extremismus, Ausbeutung von Arbeitsmigranten, millionenfache Flucht und nicht zuletzt Skandale und sexueller Missbrauch in der Kirche. Was ist das für ein Gesicht, das uns da entgegenkommt? Ist es noch ein menschliches Gesicht? Oder zeigt uns momentan die Welt sprichwörtlich ihr hässliches Gesicht? Sich ab und an den Spiegel vorhalten lassen ist das eine. Wer jedoch immer nur in den Spiegel schaut, sieht letztlich nur sich selbst. Und mir scheint, hier liegt eine der Ursachen für all die derzeitigen Verwerfungen. Ich, mein Land, meine Interessen, meine Bedürfnisse zuerst. Meistens auf Kosten anderer. Ohne Rücksicht. Wer nur sich selbst sieht, um sich selbst kreist, sich selbst in den Mittelpunkt stellt, nimmt nicht mehr wahr, dass gelingendes und erfülltes Menschsein auf Beziehung angewiesen ist. Wenn immer mehr Menschen ichbezogen leben, Politik und Gesellschaft davon geprägt sind, dann werden wir wohl kaum drängende Probleme unserer Zeit lösen können. Nicht im Großen, nicht im Kleinen.


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